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Leon Goretzka über FC Bayern, Niko Kovac, Joshua Kimmich, Ruhrgebiet

Goretzka will ein Leader sein

Lesedauer: 11 Minuten

Leon Goretzka über seine Rolle beim FC Bayern, Trainer Niko Kovac, Geld und eine Warnung aus dem Ruhrgebiet. Das SPORT1-Interview.

Ablösefrei wechselte Leon Goretzka (23) im Sommer von Schalke 04 zum FC Bayern.

Immer mehr wird deutlich, warum Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge die Verpflichtung des Nationalspieler als "Coup" beschreibt. Der gebürtige Bochumer ist dabei, sich im Mittelfeld der Münchner zur Stammkraft zu entwickeln und eine neue Ära beim Rekordmeister einzuläuten.

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Im Gespräch mit SPORT1, vor dem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg, reflektiert der Fußballer Goretzka seinen aktuellen Status bei den Bayern, der Mensch Goretzka lässt erkennen, welchen Typen sich die Münchner da geholt haben (FC Bayern München - 1. FC Nürnberg am 14. Bundesliga-Spieltag: Samstag ab 15.30 Uhr im LIVETICKER).

SPORT1: Herr Goretzka, Krise, Wende, Umbruch. In welchem Status befindet sich der FC Bayern derzeit?

Goretzka: Tabellarisch sind wir aktuell noch nicht da, wo wir uns gerne sehen würden. Wir sind aber dabei, uns zu steigern und in die richtige Richtung zu marschieren. Nach der Phase, die wir hatten, geht das aber auch nicht in ein oder zwei Spielen. Es sind kleine Etappen.

SPORT1: Die nächste Etappe ist das Heimspiel gegen Nürnberg. Siegpflicht?

Goretzka: Wir wollen gewinnen, keine Frage. Wir sind auch in einer Situation, wo wir gewinnen sollten und auch müssen.

Leon Goretzka: "Würde mich freuen wenn Schalke das Derby gewinnt"

SPORT1: Nicht ganz uninteressant wird das zeitgleich zu ihrem Spiel stattfindende Revierderby Schalke gegen Dortmund.

Goretzka: Persönlich finde ich es schade, dass es nicht das Topspiel wurde, denn ich hätte es mir sehr gerne um 18.30 Uhr angeschaut. Ich würde mich freuen, wenn Schalke das Derby gewinnt. Gerade in der aktuellen Tabellensituation würde uns das natürlich doppelt helfen.

© SPORT1

SPORT1: Ein gutes Stichwort, denn bei den Bayern bilden Sie aktuell mit Joshua Kimmich die Doppelsechs.

Goretzka: Es hat auch bislang sehr gut funktioniert. Ich habe mit Jo (Joshua Kimmich, d. Red.) ja auch schon in der U21 im Mittelfeld gespielt. Auch da haben wir uns schon sehr gut ergänzt. Er ist dann in der Nationalmannschaft und bei den Bayern aber ein Stück nach rechts gerutscht und hat diese Position Weltklasse ausgeübt. Jetzt ist er wieder in die Mitte gekommen und macht es da auch sehr gut.

SPORT1: Nehmen Sie es auch so wahr, dass sie beide jetzt das Herzstück bilden?

Goretzka: Es ist natürlich eine wichtige Position. Der Trainer hat uns mitgegeben, dort für Ordnung zu sorgen und wieder in die defensive Kompaktheit zu kommen. Natürlich leidet bei mir dann das Offensivspiel ein bisschen darunter, aber das Wichtigste ist, dass die Mannschaft erfolgreich ist. Funktioniert das am besten, wenn ich auf der Sechs spiele, dann mache ich "dat" sehr gerne.

Leon Goretzka muss schmunzeln, denn er verfällt kurz in den Ruhrpott-Dialekt seiner Heimat. 

"Im Ruhrgebiet wird man vor München gewarnt"

SPORT1: Wo Sie gerade "dat" sagen: Wie läuft Ihre Umstellung vom Leben im Pott zu dem in München?

Goretzka: Im Ruhrgebiet wird man ja vor München gewarnt, dass hier alle die Nase etwas weiter hochtragen sollen, aber das kann ich nicht bestätigen. Als ich hierher kam, habe ich auch keinen großen Kulturschock bekommen. Das liegt vielleicht auch an dem Viertel, in das ich gezogen bin. Dort gibt es keinen großen Unterschied zum Ruhrgebiet.

Geldregen für insgesamt 416 Vereine! Rund 184 Millionen Euro zahlt die FIFA an die Klubs für die Abstellung ihrer Spieler während der Weltmeisterschaft. Grundlage der Verteilung sind 7515 Euro pro Spieler pro Tag. Der Zeitraum beläuft sich ab zwei Wochen vor dem Eröffnungsspiel bis einen Tag nach dem letzten Spiel der eigenen Mannschaft © Getty Images
Die Mannschaften aus der UEFA bekommen mit 139.168.000 Euro über 75 Prozent der gesamten Gelder überwiesen. Zum Vergleich: Die Teams der AFC (Asien) erhalten mit 17.508.000 Euro am zweitmeisten © Getty Images
Rund 16.685.000 Euro erhalten die deutschen Vereine von der FIFA. Damit liegt Deutschland hinter Spanien (19.904.000 Euro) und England (32.985.000 Euro) im Ländervergleich auf Rang 3 © Getty Images
Die deutschen Vereine verdienen zusammen allerdings auch mehr als die Vereine des gesamten nordamerikanischen (CONCACAF, 11.583.000 Euro), südamerikanischen (CONMEBOL 9.978.000 Euro) und afrikanischen Verbandes (CAF, 5.573.000 Euro). SPORT1 zeigt, wie viel Geld die einzelnen Vereine überwiesen bekommen © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago/iStock
PLATZ 25 - TSV 1860 MÜNCHEN: 35.000 Euro - Da vom sogenannten Klub-Hilfsprogramm der FIFA alle Vereine profitieren, bei denen ein WM-Teilnehmer zwei Jahre vor dem WM-Aus seines Landes unter Vertrag stand, erhält der TSV 1860 München 35.000 Euro. Bei den Löwen war der Australier Milos Degenek zwischen 2015 und 2017 aktiv © Getty Images
PLATZ 25 - SV DARMSTADT: 35.000 Euro - Auch der SV Darmstadt profitiert. Jamie MacLaren wurde ebenfalls in das Aufgebot der "Socceroos" berufen. Der Stürmer, der nun beim FC Hibernian (Schottland) unter Vertrag steht, trug in der Hinrunde der vergangenen Saison das Trikot der Lilien © Getty Images
PLATZ 23 - FC INGOLSTADT: 70.000 Euro - Dem FC Ingolstadt verschafft ebenfalls ein Australier einen Geldregen. Matthew Leckie lief von 2014 bis 2017 für die Schanzer auf. Aktuell spielt der WM-Teilnehmer für Hertha BSC © Getty Images
PLATZ 21 - SV SANDHAUSEN und 1. FC NÜRNBERG: 105.000 Euro - Rurik Gislason wechselte im Winter vom 1. FC Nürnberg zum SV Sandhausen. Da er für die isländische Nationalmannschaft auflief, erhalten beide Vereine eine sechsstellige Summe von der FIFA © Getty Images
PLATZ 20 - VFL BOCHUM: 140.000 Euro - Robbie Kruse war der einzige WM-Teilnehmer des VfL Bochum. Insgesamt 140.000 Euro bekommt der VfL überwiesen © Getty Images
PLATZ 19 - FC ST. PAULI: 202.000 Euro - Etwas mehr als 200.000 Euro erhält der FC St. Pauli. Von den Hamburgern stand Aziz Bouhaddouz im Aufgebot Marokkos. Aktuell spielt der 31-Jährige bei Al-Batin in der saudi-arabischen Liga © Getty Images
PLATZ 18 - HANNOVER 96: 224.000 Euro - Der Ex-Hannoveraner Salif Sane (jetzt Schalke 04) wurde in das Aufgebot Senegals berufen. Insgesamt zahlt die FIFA knapp eine Viertel-Million Euro an die Niedersachsen © Getty Images
PLATZ 17 - FORTUNA DÜSSELDORF: 276.000 Euro - Zwei WM-Fahrer hatte Fortuna Düsseldorf im Kader. Genki Haraguchi und Takashi Usami scheiterten mit Japan im Achtelfinale. Haraguchi spielt inzwischen bei Hannover 96 © Getty Images
PLATZ 16 - VFB STUTTGART: 431.000 Euro - Der VfB Stuttgart stellt mit Benjamin Pavard einen Weltmeister. Zudem gehörte Mario Gomez zum Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft © Getty Images
PLATZ 15 - 1. FC KÖLN: 471.000 Euro - Jonas Hector und Yuya Osako stellte der 1. FC Köln für die WM in Russland ab. Osako trägt nun das Trikot des SV Werder Bremen © Getty Images
PLATZ 14 - HERTHA BSC: 484.000 Euro - Marvin Plattenhardt wurde in das deutsche WM-Aufgebot berufen. Zudem stellte die Hertha Matthew Leckie ab. Die Berliner erhalten insgesamt eine knappe halbe Million Euro © Getty Images
PLATZ 13 - FC AUGSBURG: 532.000 Euro - Mit Ja-Cheol Koo (Südkorea) und Alfred Finnbogason (Island) spielten auch zwei Augsburger bei der WM und trugen damit ihren Teil zu den 532.000 Euro bei, die der FCA erhält © Getty Images
PLATZ 12 - 1. FSV MAINZ 05: 588.000 Euro - Über einen noch größeren Geldregen darf sich Mainz 05 freuen. Die Mainzer stellten Leon Balogun (Nigeria/im Bild) und Yoshinori Muto (Japan) ab. Inzwischen verdienen beide in England ihr Geld © Getty Images
PLATZ 11 - WERDER BREMEN: 617.000 Euro - Drei Spieler schickte der SV Werder Bremen zur WM. Milos Veljkovic (Serbien) und Ludwig Augustinsson (Schweden/im Bild) stehen noch immer an der Weser unter Vertrag. Thomas Delaney (Dänemark) trägt inzwischen das Trikot von Borussia Dortmund © Getty Images
PLATZ 10 - BAYER LEVERKUSEN: 688.000 Euro - Julian Brandt (Deutschland) und Tin Jedvaj (Kroatien) musste Bayer Leverkusen abstellen. Jedvaj wurde mit Kroatien Vize-Weltmeister, Brandt scheiterte mit Deutschland in der Vorrunde © Getty Images
PLATZ 9 - FC SCHALKE: 789.000 Euro - Gleich vier Spieler des FC Schalke traten die Reise nach Russland an. Breel Embolo (Schweiz) und Amine Harit (Marokko) stehen noch bei den Knappen unter Vertrag. Leon Goretzka (Deutschland) trägt inzwischen das Trikot des FC Bayern, Marko Pjaca (Kroatien) das des AC Florenz © Getty Images
PLATZ 8 - VFL WOLFSBURG: 799.000 Euro - Obwohl der VfL Wolfsburg nur zwei Spieler abstellte, darf er sich über knapp 800.000 Euro freuen. Jakub Blaszczykowski (Polen) und Torhüter Koen Casteels (Belgien) waren in Russland vertreten © Getty Images
PLATZ 7 - TSG HOFFENHEIM: 845.000 Euro - Noch mehr Geld überweist die FIFA der TSG Hoffenheim, die neben Steven Zuber (Schweiz/l.) mit Andrej Kramaric auch einen kroatischen Vize-Weltmeister abstellte © Getty Images
PLATZ 6 - HAMBURGER SV: 850.000 Euro - Von allen aktuellen Zweitligisten hat mit großem Abstand der Hamburger SV am meisten verdient. Der HSV stellte mit Filip Kostic (Serbien/r.), Albin Ekdal (Schweden) und Gotoku Sakai (Japan) drei Spieler ab. Kostic spielt mittlerweile in Frankfurt, Ekdal in Genua © Getty Images
PLATZ 5 - RB LEIPZIG: 930.000 Euro - Knapp eine Million Euro erhält RB Leipzig, die neben den Angreifern Timo Werner (Deutschland/l.), Yussuf Poulsen (Dänemark/r.) und Emil Forsberg (Schweden/Mitte) auch Ersatzkeeper Yvon Mvogo (Schweiz) zur WM schickten © Getty Images
PLATZ 4 - EINTRACHT FRANKFURT: 1.501.000 Euro - Sogar sechs Spieler von Eintracht Frankfurt waren in Russland vertreten. Luka Jovic (Serbien/l.), Ante Rebic (Kroatien/r.), Makoto Hasebe (Japan), Gelson Fernandes (Schweiz), Marco Fabian und Carlos Salcedo (beide Mexiko) bescherten der Eintracht deutlich über eine Million Euro © Getty Images
PLATZ 3 - BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH: 1.778.000 Euro - Noch mehr Geld erhält Borussia Mönchengladbach, die neben Matthias Ginter (Deutschland), Jannik Vestergaard (Dänemark/r.) und Thorgan Hazard (Belgien) auch das schweizer Quartett bestehend aus Yann Sommer, Nico Elvedi, Denis Zakaria und Josip Drmic abstellten. Vestergaard spielt inzwischen bei Southampton in Englands Premier League © Getty Images
PLATZ 2 - BORUSSIA DORTMUND: 1.827.000 Euro - Mit Marco Reus (Deutschland/l.), Lukasz Piszczek (Polen), Raphael Guerreiro (Portugal), Shinji Kagawa (Japan), dem zum FC Valencia gewechselten Michy Batshuayi (Belgien), Manuel Akanji und Roman Bürki (beide Schweiz) waren auch vom BVB sieben Spieler im Einsatz © Getty Images
PLATZ 1 - FC BAYERN MÜNCHEN: 2.349.000 Euro. Mit Abstand am meisten Geld überweist die FIFA dem FC Bayern. Das liegt aber auch daran, dass die Münchner mit insgesamt elf WM-Fahrern eine gesamte Mannschaft stellen hätten können © Getty Images
Mit Jerome Boateng, Mats Hummels, Joshua Kimmich, Thomas Müller (l.), Manuel Neuer, Sebastian Rudy und Niklas Süle standen sieben Spieler im Aufgebot von Joachim Löw. Zudem waren James (Kolumbien), Robert Lewandowski (Polen/Mitte), Thiago (Spanien) und der französische Weltmeister Corentin Tolisso (r.) in einem WM-Kader vertreten © Getty Images
INTERNATIONALES RANKING - PLATZ 10 - AS MONACO: 2.588.000 Euro - Rang zehn im internationalen Ranking belegt der AS Monaco, der für seine Abstellungen insgesamt über 2,5 Millionen Euro erhält. Mit Thomas Lemar (im Bild) und Djibril Sidibe krönten sich zwei Monegassen zum Weltmeister © Getty Images
PLATZ 9 - JUVENTUS TURIN: 2.663.000 Euro - Knapp davor liegt Juventus Turin. Von der alten Dame waren u. a. Weltmeister Blaise Matuidi (r.) und Sami Khedira (Deutschland) bei der WM im Einsatz © Getty Images
PLATZ 8 - ATLETICO MADRID: 2.728.000 Euro - Mit Antoine Griezman (im Bild) und Lucas Hernandez stehen zwei französische Weltmeister bei Atletico Madrid unter Vertrag © Getty Images
PLATZ 7 - MANCHESTER UNITED: 3.224.000 Euro - Manchester United eröffnet den Klub der Teams, die mehr als drei Millionen Euro von der FIFA überwiesen bekommen. Paul Pogba (r.) ist der einzige Spieler der Mannschaft von Jose Mourinho, der bei Weltmeister Frankreich im Kader stand © Getty Images
PLATZ 6 - FC CHELSEA: 3.382.000 Euro - Obwohl der FC Chelsea, von dem Oliver Giroud und Ngolo Kante Weltmeister wurden und Antonio Rüdiger im Aufgebot von Joachim Löw stand, mit 19 Spielern die meisten abstellte, liegen die Blues nur auf Rang 6 © Getty Images
PLATZ 5 - PARIS ST. GERMAIN: 3.433.000 Euro - Die Top-5 beginnen mit Paris St. Germain, die mit Kylian Mbappe (r.), Presnel Kimpempe und Keeper Alphonso Areola gleich drei Weltmeister stellten. Zudem lief Julian Draxler für Deutschland und Neymar für Brasilien auf © Getty Images
PLATZ 4 - FC BARCELONA: 3.655.000 Euro - Mit Samuel Umtiti (r.) und Ousmane Dembele wurden zwei Barca-Stars Weltmeister. Ebenso abstellen mussten die Katalanen Marc-Andre ter Stegen, der bei Deutschland Ersatzkeeper hinter Manuel Neuer war © Getty Images
PLATZ 3 - TOTTENHAM HOTSPUR: 3.867.000 Euro - In die Top-3 schaffte es Tottenham Hotspur. Torhüter Hugo Lloris trug im Turnierverlauf einen großen Teil zum WM-Triumph Frankreichs bei © Getty Images
PLATZ 2 - REAL MADRID: 4.244.000 Euro - Eines von zwei Teams, das die Vier-Millionen-Euro-Marke knackte, ist Real Madrid. Mit Raphael Varane (l.) kehrte ein Spieler auch als Weltmeister zu den Königlichen zurück. Toni Kroos stand bei Deutschland im Kader © Getty Images
PLATZ 1 - MANCHESTER CITY: 4.412.000 Euro - Am meisten Geld erhält Manchester City, das neben 17 weiteren Spielern auch Weltmeister Benjamin Mendy und Ilkay Gündogan (Deutschland) abstellte © Getty Images

SPORT1: Durch Ihren Wechsel verließen Sie ihr Elternhaus, ließen erstmals Familie und Freunde zurück. Wie fühlt sich das Alleinsein an?

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Goretzka: Ich hatte früher wirklich eine Wohlfühloase zu Hause. Meine ganzen Freunde waren immer da, ich habe jeden Tag etwas mit denen unternommen. Das war auch ein super Ausgleich zum Profigeschäft. Ich habe mich aber bewusst auch privat aus meinem vertrauten Umfeld gelöst. Ich denke schon, dass das auch neben dem Platz zu einer Entwicklung führt.

SPORT1: Letzteres deckt sich mit dem, was Ihr ehemaliger Trainer Horst Hrubesch im SPORT1-Interview schwärmend über Sie gesagt hat. Er meinte, dass Ihre Entwicklung ein "Selbstgänger" sei und Sie jetzt nur noch erwachsen werden müssen. Wie meint er das?

Goretzka: Es war mir eine absolute Ehre und ein riesen Privileg, unter ihm zu trainieren und zu spielen. Er ist ein unheimlich guter Mensch und diese werden in dem Geschäft immer weniger. Er hat ein ganz, ganz großes Herz und mit dem geht er auch an die Sache heran. Wenn man sich nur fünf Minuten mit ihm unterhält dann merkt man, dass er ein ganz ehrlicher Mensch ist und ich genieße jede Sekunde, die ich mit ihm sprechen kann.

"Das ist auch nicht mein Anspruch"

SPORT1: Bliebe noch die Sache mit dem Erwachsenwerden.

Goretzka: Klar, irgendwann wäre "dat" nicht schlecht, wenn man sich in seiner Entwicklung nochmal ein bisschen fortbewegt. Ich glaube aber, dass ich für mein Alter nicht unbedingt hinterherhinke.

SPORT1: Man merkte Ihnen bereits bei Ihrer Vorstellung in München an, dass Sie sehr selbstbewusst sind. Sie sprachen davon, bei den Bayern Verantwortung übernehmen zu wollen.

Goretzka: Mich bei meiner Vorstellung hinzusetzen und zu sagen, dass ich mal schaue wie es läuft, wäre ein Fehler gewesen. Das ist auch nicht mein Anspruch, denn ich bin schon mit anderen Gedanken hierhergekommen. Bis jetzt hat auch alles sehr gut funktioniert. Mir ist aber wichtig, dazu noch etwas zu sagen.

Goretzka nahm sich für das Interview viel Zeit. Eine Viertelstunde war geplant, 25 Minuten wurden es am Ende © SPORT1

SPORT1: Nur zu.

Goretzka: Ich bin kein Freund davon, mich nur hinzustellen und zu sagen: "Ich bin derjenige, der hier Verantwortung übernimmt." Das geht nur über meine Leistung auf dem Platz. Will man ein Führungsspieler sein, ist es erstmal ganz wichtig, dass die Leistung auf dem Platz unumstritten und konstant gut ist. Erst dann kann man in gewisse Prozesse eingreifen, um hier und da zu helfen. Auf diesem Weg befinde ich mich aber aktuell.

SPORT1: Wenn die Bayern im kommenden Sommer den großen Umbruch vollziehen, haben Sie sich schon ein Jahr akklimatisiert. Ein Vorteil?

Goretzka: Ich habe mir für den Wechsel ja sehr viel Zeit genommen, weil ich mir sehr viele Gedanken gemacht habe. Dafür wurde ich kritisiert, aber ich habe das als absolut notwendig erachtet und empfinde es auch im Nachhinein als sehr gute Methode. Ich habe alles abgewogen und eine Entscheidung getroffen, zu der ich zu 100 Prozent stehe. Es war daher genau der richtige Zeitpunkt.

Der FC Bayern hat wieder Fahrt aufgenommen. Nach Siegen gegen Benfica Lissabon (5:1) und Werder Bremen (2:1) sind die Münchner wieder zuversichtlicher. Eine mögliche Ursache für die Trendwende? Cheftrainer Niko Kovac hat die Rotation... © Getty Images
...fürs Erste beendet. Heißt: Das Gerüst seiner ersten Elf steht für die nächsten Wochen. Kovac hat angekündigt, nur noch punktuell wechseln zu wollen. Wer profitiert von dieser Ansage, wer hat daran zu knabbern? SPORT1 beleuchtet die Situation im Bayern-Kader © SPORT1-Grafik: Getty Images
ERSTE ELF - MANUEL NEUER: Trotz des Fehlers zuletzt gegen Düsseldorf und statistisch schwacher Saison bleibt der Nationalkeeper unantastbar. Als Kapitän und Führungsspieler unverzichtbar © Getty Images
RAFINHA: Profitiert von Joshua Kimmichs Versetzung ins defensive Mittelfeld. Der Brasilianer macht einen soliden Job, mehr aber auch nicht. Wird wieder auf die Bank müssen, sollte Kimmich für Thiago weichen müssen © Getty Images
NIKLAS SÜLE: Der 23-Jährige spielt zwar solide und verfügt über ein gutes Aufbauspiel. Süle sah bei vielen Gegentoren zuletzt aber auch nicht gut, vor allem wenn Flanken reinkamen. Für das Gegentor in Bremen (2:1) kritisierte ihn Kovac. Dennoch: Ihm gehört die Zukunft © Getty Images
JEROME BOATENG: Aktuell gesetzt, da Hummels zuletzt krank war. Patzte aber gegen Benfica, als er vor dem Gegentor ins Leere grätschte, und sah auch beim Gegentor in Bremen nicht gut aus. Spielt aber gefährliche Diagonalbälle © Getty Images
DAVID ALABA: Der Österreicher kämpft sich zunehmend aus seinem kleinen Formtief und macht nach vorne immer mehr Dampf. Toller Assist gegen Lissabon. Auf der Position des Linksverteidigers konkurrenzlos © Getty Images
JOSHUA KIMMICH: Hatte als Sechser gegen Freiburg einen holprigen Start. Hat sich nun in den vergangenen beiden Spielen in der Mittelfeldzentrale eingelebt und viel Lob von Kovac erhalten. Könnte dort eine Lösung mit Zukunft sein, wenn er nicht von Thiago verdrängt wird © Getty Images
LEON GORETZKA: Hat neben Kimmich seinen Platz im defensiven Mittelfeld gefunden. Die beiden Taktgeber ergänzen sich laut Kovac hervorragend. Taucht durch seine neue Position aber nicht mehr so häufig im gegnerischen Strafraum auf © Getty Images
THOMAS MÜLLER: Einer der großen Gewinner des Rotationsstopps. Seit er wieder auf der Zehn ran darf, blüht er auf. Machte als "freies Radikal" zuletzt starke Spiele. In den letzten drei Pflichtspielen traf er zweimal, lieferte zudem zwei Assists © Getty Images
SERGE GNABRY: Aus der Stammelf des Rekordmeisters nicht mehr wegzudenken. Schon vor seiner Verletzung im Ranking vor Franck Ribery, bestätigte gegen Bremen mit einem Doppelpack seine starke Form. Im Klub und bei Kovac inzwischen hoch angesehen © Getty Images
ARJEN ROBBEN: Zeigte mit einem Doppelpack gegen Benfica, dass er noch immer alles drauf hat. Allerdings zwangen ihn muskuläre Problem gegen Bremen erneut zu einer Pause. Verkündete am Sonntag, dass er nach dieser Saison bei Bayern aufhört © Getty Images
ROBERT LEWANDOWSKI: Unter Kovac als alleinige Spitze gesetzt, aber er trifft nicht mehr in aller Regelmäßigkeit. Blieb in der Liga zuletzt zweimal torlos. Macht vorne aber viele Bälle fest und reißt Löcher. Für die Bayern ist der Pole unverzichtbar © Getty Images
NAH DRAN - THIAGO: War vor seiner Verletzung der formstärkste Bayern-Spieler. Kovac wird ihn wieder bringen, wenn er topfit ist. Die Frage ist nur: Für wen? Wahrscheinlich ist, dass einer der Sechser Goretzka oder Kimmich weichen muss © Getty Images
MATS HUMMELS: Wurde zuletzt von einem Infekt zurückgeworfen und ist nicht unumstritten. Hat aber nach wie vor Klasse und wird sich mit Boateng um den Platz neben Süle duellieren © Getty Images
FRANCK RIBERY: Hat nicht mehr ganz das Niveau alter Tage, ist aber nach wie vor ein wichtiger Teil der Mannschaft. Weil Gnabry und Robben immer mal wieder passen, wird er seine Einsatzzeiten bekommen. Zuletzt ein enormer Formanstieg © Getty Images
KINGSLEY COMAN: Sein langer Ausfall hat den Bayern richtig wehgetan. In Bremen deutete er nach seiner Einwechslung sofort an, dass er wieder sehr wichtig sein wird. Vor allem seine Schnelligkeit und Dribbelstärke vermisste die Kovac-Elf zuletzt © Getty Images
MUSS SICH STRECKEN - RENATO SANCHES: Bekam unter Kovac immer wieder seine Chance, konnte sie aber zuletzt nicht mehr wirklich nutzen. Seine Position des Achters gibt es im aktuellen System nicht, daher war der Portugiese nur auf der Bank © Getty Images
AUSSEN VOR - JAVI MARTINEZ: Die Parade-Rolle des Spaniers ist eigentlich im defensiven Mittelfeld. Hinter Kimmich, Goretzka und Thiago ist Martinez aber nur Option Nummer vier. Konnte diese Saison nicht vollends überzeugen. Seine Zukunft im Verein ist unsicher © Getty Images
SANDRO WAGNER: Bekommt unter Kovac so gut wie keine Einsatzzeit. Spielte in allen Pflichtspielen bisher nur 238 Minuten. Sein Abschied im Winter, spätestens im Sommer, ist nach SPORT1-Informationen möglich © Getty Images
SVEN ULREICH: Nach einer starken Saison als Stammtorwart jetzt chancenlos. Käme nur bei einer Verletzung von Neuer zurück ins Tor. Stellt sich aber hinten an und murrt nicht, ist ein absoluter Teamplayer © Getty Images
JAMES RODRIGUEZ: Der Kolumbianer fehlt derzeit wegen eines Außenbandteilrisses im linken Knie, will in "ein bis zwei” Wochen aber wieder voll belastbar sein. Beklagt seine mangelnde Spielzeit unter Kovac und schließt einen Wechsel im Sommer nicht aus © Getty Images
CORENTIN TOLISSO: Wird den Bayern wegen eines Kreuzband- und Außenmeniskusrisses im rechten Knie noch bis weit in die Rückrunde hinein fehlen. Der Weltmeister spielt in den Zukunftsplanungen des Vereins aber eine große Rolle © Getty Images
ÜBERRASCHUNGSPOTENZIAL - WOO-YEONG JEONG: Kovac ist ein Fan des 19-jährigen Südkoreaners aus der U23 und ließ ihn gegen Benfica debütieren. Hängt sich im Training richtig rein und kann auf weitere Kurz-Einsätze hoffen © Getty Images
ALPHONSO DAVIES: Der Winterneuzugang aus Vancouver macht bereits jetzt seine ersten Schritte im Münchner Trainingsbetrieb. Soll dann ab der Rückrunde zu einer Offensivoption heranwachsen. Bekommt die nötige Eingewöhnungszeit © Getty Images

SPORT1: Sie haben Ihre Zukunft bei den Bayern erst noch vor sich. Arjen Robben hingegen wird im Sommer den Verein definitiv verlassen. Franck Ribéry höchstwahrscheinlich. 

Goretzka: Bevor ich zu Bayern ging, habe ich schon immer mit staunendem Auge zugeschaut, was die beiden da in den letzten zehn Jahren auf den Platz gezaubert haben. Das war schon absolute Weltklasse. Sie haben den Erfolg in den letzten zehn Jahren mitgebracht und garantiert. Für den deutschen Fußball ist es schade, Arjen und Franck vielleicht auch, dann nicht mehr auf dem Platz sehen zu können. Aber in erster Linie sollten wir alle Dankbarkeit verspüren und ihm (Robben, d. Red.) als Mannschaft ein schönes letztes Jahr bescheren. Das hat er sich verdient.

SPORT1: Sollten die Bayern-Bosse bei Ihren Transfers auf deutsche Stars und Talente setzen oder auf internationale?

Goretzka: Die einen schließen die anderen ja nicht aus. Wir müssen einfach gute Fußballer auf dem Platz haben, da ist die Nationalität erstmal nebensächlich. Es war schon in der Vergangenheit so und es wird auch zukünftig so sein, dass der FC Bayern mit vielen deutschen Nationalspielern bestückt wird.

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SPORT1: Lassen Sie uns über Niko Kovac sprechen. Wie bewerten Sie die zuletzt aufgekommene Kritik an ihm?

Goretzka: Generell wird einem Trainer im Bundesliga-Geschäft oft Unrecht getan. Das ist aber einfach so, weil es ein Tagesgeschäft ist. Das klingt wie eine Floskel und ist auch eine, aber wenn die Ergebnisse stimmen, ist alles gut. Dann findet man Dinge, die der Trainer gut macht und solche, die besser funktionieren als zuvor. Wenn die Ergebnisse schlecht sind, ist es andersherum.

Das beeindruckt Goretzka an Kovac

SPORT1: Sie avancieren unter Kovac derzeit zum Stammspieler, er schätzt Ihre Spielweise. Was imponiert Ihnen an ihm?

Goretzka: Dass er ein sehr souveränes Auftreten hat. Gemessen an seinen bisherigen Stationen ist er auch noch ein junger Trainer, aber dafür schon sehr erfahren.

Beim FC Bayern geht am Ende der Saison eine Ära zu Ende. Arjen Robben (r.) hat sein Karriereende verkündet. Flügelpartner Franck Ribéry verlässt den deutschen Rekordmeister, seine Zukunft ist noch offen © Getty Images
"Sie sind Legenden des FC Bayern", pries Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die beiden im November auf der Jahreshauptversammlung - mit Recht: Robben und Ribéry waren in den vergangenen zehn Jahren maßgeblich verantwortlich dafür, dass sich die Trophäensammlung des FC Bayern erheblich vergrößert hat © Getty Images
Wer aber ist die größte Bayern-Legende von allen? Und wo platzieren sich Robben und Ribéry in der ewigen Bestenliste des Rekordmeisters? Die SPORT1-Redaktion hat abgestimmt und die ewige Top 20 des FC Bayern aufgestellt - hier das Ergebnis © SPORT1-Grafik: Getty Images/ Imago
PLATZ 20: ROY MAKAAY - Vier Jahre schoss der Niederländer für Bayern Tore am Fließband, 78 in 129 Bundesliga-Spielen. Der Garant für die beiden Doubles 2005 und 2006 - eine Leistung, die ihm die Bayern-Fans nicht vergessen haben © Getty Images
PLATZ 19: GEORG "KATSCHE" SCHWARZENBECK - Ohne diesen Schuss wäre Bayern um einen großen Moment ärmer. Der legendäre Vorstopper erzielte 1974 im Finale des Europapokals der Landesmeister den Ausgleich in der 120. Minute gegen Atletico Madrid - und erzwang damit das Wiederholungsspiel, das Bayern 4:0 gewann © Imago
Der schnörkellose Verteidiger (1961 bis 1981 bei Bayern aktiv) ist aus den goldenen Bayern-Jahren der Siebziger nicht wegzudenken. Später dann auch als Schreibwarenladenbesitzer im Münchener Stadtteil Au eine Institution © Getty Images
PLATZ 18: THOMAS MÜLLER - Der Jüngste, der es ins Ranking geschafft hat, in den Annalen verewigt hat er sich schon jetzt. Prägt die Bayern mit seinem unorthodoxen Spiel seit Jahren, vor allem auch in der Triple-Saison 2013, in der er ihr bester Champions-League-Torschütze mit acht Treffern war © Getty Images
PLATZ 17: GIOVANE ELBER - 92 Tore in 169 Bundesliga-Spielen: die atemberaubende Bilanz seiner sechs Bayern-Jahre 1997 bis 2003. Leistete als bester Münchener Champions-League-Torjäger 2001 (sechs Treffer) auch entscheidenden Beitrag zum Gewinn des Henkelpotts © Getty Images
PLATZ 16: FRANCK RIBÉRY - Wirbelte Bayern ab 2007 aus einem schöpferischen Tief, entscheidender Baustein bei neun deutschen Meisterschaften und der Triple-Saison 2013 - in der er über sich hinauswuchs und zu Recht vor Messi und Ronaldo als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet wurde © Getty Images
PLATZ 15: STEFAN EFFENBERG - Bei Bayern von 1990 bis 1992 und dann - erfolgreicher - als "Cheffe" der Jahre 1998 bis 2002. Als Finaltorschütze und Zeichensetzer der Champions-League-Siegermannschaft 2001 gelang ihm die Krönung © Getty Images
PLATZ 14: FRANZ "BULLE" ROTH - Der Mittelfeldspieler aus Memmingen ließ sich nur privat von seiner (2007 an Krebs verstorbenen) Ehefrau Inka niederringen, auf dem Platz war das Bild meist ein anderes © Imago
Der auf einem Bauernhof aufgewachsene Roth war in den Sechzigern und Siebzigern mit seiner körperlichen Präsenz eine unverzichtbare Größe für die Bayern - und ein nervenstarker Leader in wichtigen Momenten: Gleich in drei Europapokal-Endspielen traf Roth für die Bayern © Imago
Der bodenständige Roth ist heute nicht mehr so prominent wie die Kollegen von einst, in der Ehrengalerie der Bayern ist sein Stuhl aber unverrückbar © Getty Images
PLATZ 13: ULI HOENESS - Auch der junge Uli Hoeneß, der einst als einer der schnellsten Spieler der Welt galt, war für das Team, das in den Siebzigern Europa dominierte, eine unverzichtbare Zutat © Getty Images
Hoeneß stünde gewiss höher im Ranking, hätte er nicht schon mit 27 verletzungsbedingt aufhören müssen. Als langjähriger Manager und Präsident hinterlässt er ein Lebenswerk, von dem Bayern lange zehren wird. Das kann trotz Steuer-Verurteilung und anderer Kontroversen niemand bestreiten © Getty Images
PLATZ 12: MEHMET SCHOLL - Anfangs als Teenie-Schwarm auch etwas belächelt, wurde der Ausnahme-Mittelfeldspieler über die Jahre zur Institution: 87 Tore in 334 Bundesliga-Spielen 1992 bis 2007, CL-Sieger 2001, der erste Bayern-Spieler, der achtmal Meister wurde © Getty Images
PLATZ 11: KLAUS AUGENTHALER - Scholl brach damit den Rekord von Klaus Augenthaler, der in den achtziger Jahren als Libero die Bayern-Abwehr führte und damit Garant für sieben Meisterschaften und drei Pokalsiege wurde © Getty Images
Augenthaler blieb den Bayern nach seinem Rückzug 1991 noch fünf Jahre als Co-Trainer erhalten, ehe er dann anderswo Cheftrainer-Ämter übernahm. Ist inzwischen Experte im Vereins-TV © Getty Images
PLATZ 10: PAUL BREITNER - Mit der Führungsspitze des Klubs hat er es sich verkracht, aber als Aktiver war Breitner unbestritten einer der Größten, sowohl in den frühen Siebzigern, als auch in seinem zweiten Frühling in den frühen Achtzigern. Hatte als moderner Defensivmann seiner Zeit wichtigen Anteil an fünf Meisterschaften © Getty Images
PLATZ 9: ARJEN ROBBEN - Definitiver Top-10-Platz für Robben. Schoss Bayern 2013 in Wembley zum Champions-League-Sieg, sticht nicht nur deshalb aus der 2010er-Generation hervor. Trotz vieler Verletzungsprobleme ein nimmermüdes Mentalitätsmonster, ein Mann für die wichtigen Momente © Getty Images
PLATZ 8: KARL-HEINZ RUMMENIGGE - Trainerlegende Udo Lattek hatte allen Grund, Rummenigge zu drücken: 162 Liga-Tore zwischen 1974 und 1984, der absolute offensive Leistungsträger der achtziger Jahre © Imago
Auch Rummenigge führt sein Lebenswerk hinter den Kulissen fort, trug als weltläufiger und eng vernetzter Vorstandschef entscheidend dazu bei, dass auch sein Klub ein Weltklub blieb und auf der Höhe der Zeit agiert © Getty Images
PLATZ 7: PHILIPP LAHM - Er ist kein Lautsprecher, keine Rampensau, keiner, der das Bedürfnis nach Folklore bedient und doch prägte er als Führungsspieler der neuen Generation eine Ära beim FC Bayern, die mit dem Champions-League-Gewinn 2013 veredelt wurde © Getty Images
Ob als Links- oder Rechtsverteidiger oder auch mal in der Mitte: Lahms Intelligenz auf dem Platz und daneben (laut Pep Guardiola die größte, die er je bei einem Spieler erlebt hat) waren über Jahre hinweg ein Garant für Bayerns Erfolg © Getty Images
PLATZ 6: BASTIAN SCHWEINSTEIGER - Noch etwas lieber haben sie bei Bayern Lahms großen Weggefährten. Ging einen ähnlichen Weg wie Scholl vom nicht ganz für voll genommenen Teenie-Idol zum unbestrittenen Mittelfeld-Leader - und er ging ihn noch weiter. Weder Bayerns Triple noch der WM-Titel im Jahr darauf war ohne ihn denkbar © Getty Images
PLATZ 5: OLIVER KAHN - Auch er einer, der die Siegermentalität mit jeder Pore ausstrahlt, 14 Jahre lang von 1994 bis 2008 unumstrittener Rückhalt der Bayern im Tor und faktisch DAS Gesicht der Bayern auf dem Platz © Getty Images
Die Bilanz seiner Ära: acht Meisterschaften, sechs Pokalsiege und der Königsklassen-Triumph 2001. Kein Wunder, dass er nun Wunschkandidat als Bayern-Boss der Zukunft ist © Getty Images
PLATZ 4: SEPP MAIER - Kahns legendärer Vorläufer im Bayern-Tor steht noch etwas höher im Ranking, weil er Bayern noch etwas länger prägte (1962-1979) und mit vier Europapokalsiegen international noch erfolgreicher war © imago
Die "Katze von Anzing" trug später als langjähriger Torwarttrainer der Bayern dazu bei, dass seine Erben das Niveau hielten © Getty Images
PLATZ 3: LOTHAR MATTHÄUS - In den achtziger und neunziger Jahren der wohl beste Spieler, den Deutschland hatte. Bayerns Leitwolf, ob im Mittelfeld oder später als Libero, siebenmal deutscher Meister, UEFA-Pokalsieger 1996 © Getty Images
Hätte Ottmar Hitzfeld ihn 1999 in Camp Nou nicht ausgewechselt, es wäre vielleicht noch was mit der Champions-League-Krönung geworden, aber Sheringham, Solskjaer - man muss es nicht weiter ausführen, Matthäus' spielerisches Lebenswerk für Bayern schmälert es aber kaum © Getty Images
PLATZ 2: GERD MÜLLER - Ganz, ganz enge Kiste auf den vorderen beiden Plätzen. Mit nur einem Punkt Unterschied in der redaktionsinternen Abstimmung verpasst der "Bomber der Nation" die Spitze © imago
Bayerns originaler Müller ist ein Stürmer-Phänomen für die Ewigkeit. Mit 365 Bundesligatoren hält er einen Rekord, der ihm kaum je abzujagen sein wird. Der neben dem Platz schüchterne Mann aus Nördlingen trifft auf dem Platz aus allen Lagen, mit allen Körperteilen © Imago
Müller wird siebenmal Bundesliga-Torschützenkönig, ist Garant für die Europapokalsiege 1974 bis 1976. Nach der Karriere hilft ihm der Klub, eine Alkoholabhängigkeit hinter sich zu lassen, heute ist Müller wegen einer Alzheimer-Erkrankung ein Pflegefall © Getty Images
PLATZ 1: FRANZ BECKENBAUER - Wenn einer Müller (knapp) übertrumpfen kann, dann natürlich nur er: der Kaiser, die Lichtgestalt © Imago
In Bayerns Weltklasse-Kollektiv der Siebziger ist er der Primus inter pares, der Dirigent, der mit seiner spielerischen Eleganz die ganze Fußballwelt verblüfft. Beckenbauer führt die Bayern zu ihrer ersten großen Blüte, zu vier Meisterschaften und den drei Europapokalsiegen 1974 bis 1976 © Imago
Beckenbauer ist DER Fußballer seiner Zeit, natürlich dann auch der des FC Bayern, dem er später auch als Präsident und zeitweise als Trainer dient. Unabhängig von allem, was bei ihm hinter den Kulissen richtig und falsch lief: Beckenbauer ist die ultimative Bayern-Legende © Getty Images

SPORT1: Souverän ist auch ihr Auftritt in den sozialen Medien. Auffällig ist, dass Sie seit Ihrem Wechsel von Schalke 04 deutlich weniger Privates posten.

Goretzka: Das ist einfach ein Gefühl. Ich mache das auch nicht, um irgendwelche Marketingstrategien zu erfüllen. Auch, wenn mir oft gesagt wird, dass das sinnvoll wäre. Aber klar, ich poste auch mal ein klassisches Bild eines Spiels oder wenn ich zu Hause mal was koche und ich darauf stolz bin wie Oskar, dann möchte ich das auch mal zeigen und lade so ein Bild halt hoch.

SPORT1: Bleiben wir bei Ihnen persönlich. Sie verrieten neulich, dass Sie sich vor Spielen mit "aggressiver Musik" pushen. Was hören Sie denn so?

Goretzka: Das ist unterschiedlich. Letztens habe ich 'Thunderstruck' von AC/DC gehört. Das finde ich super. Ich habe in einem Interview mit Diego Simeone (Trainer von Atlético Madrid, d. Red.) gelesen, dass die das vor dem Spiel in der Kabine hören. Dann habe ich da reingehört und es hat mir gut gefallen. Ich höre auch viel Deutsch-Rap. Samy Deluxe finde ich auch super. Er hat außergewöhnlich gute Texte, aber die sind eher nicht vor einem Spiel angesagt.

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SPORT1: Bekannt ist, dass Ihre Freunde meinen, Sie wären ein guter Jurist geworden, weil Sie immer Recht behalten. Sind Sie also ein Schlaumeier?

Goretzka: Es gibt mit Sicherheit Menschen, die das über mich sagen, aber ich habe mittlerweile auch Thomas Müller kennengelernt. Es geht also noch schlimmer… (lacht).

"Im Moment genieße ich es einfach"

SPORT1: Wir sprachen bereits über Verantwortung. Wie gehen Sie persönlich mit Geld um. Schließlich sind Sie und viele Ihrer Mitspieler in jungen Jahren schon Millionäre.

Goretzka: Natürlich sind meine monatlichen Fixkosten höher als beispielsweise die meines Vaters. Wenn ich mir eine Hose anschaue, die etwas teurer ist als früher, bin ich auch nicht der Typ, der sagt: Oh, die kann ich mir nicht holen. Die kostet einen Euro zu viel. Ich bin auch jemand, der sich hier und da mal schöne Sachen kauft - aber alles in einem gesunden Maß. Es gibt aber mit Sicherheit Spieler, die mehr ausgeben als ich.

SPORT1: Und sicherlich auch viele Menschen, die Sie um Ihren Job beneiden. Wie fühlt es sich an, plötzlich bei den Bayern zu spielen?

Goretzka: Darüber will ich gar nicht so lange nachdenken. Es ist wie in einem Fluss, in dem man mitschwimmt. Dass man aber mal so richtig von oben draufschaut, wird wahrscheinlich erst später kommen. Im Moment genieße ich es einfach und will weiter nach oben. Meine größte Angst war immer, ungenutztes Potenzial zu besitzen. Daher werde ich immer nach dem Größten streben, um das Maximale herauszuholen. Da befinde ich mich momentan auf einem guten Weg.