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Serge Gnabry (v.) war in Bremen der entscheidende Mann des FC Bayern
Serge Gnabry (v.) war in Bremen der entscheidende Mann des FC Bayern © Imago
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Bremen und München - Der Nationalspieler ist die Zukunftshoffnung des FC Bayern. Sportdirektor Salihamidzic adelt ihn. Gnabrys Standing wird größer - selbst an der Seite von Robbery.

Das Spiel in Bremen war ja schon so etwas wie ein Vorgeschmack auf die Zukunft des FC Bayern

Arjen Robben musste vor Anpfiff passen. Franck Ribery humpelte wegen eines Pferdekusses nach einer halben Stunde vom Feld. Der Nachmittag war wie gemacht für einen wie Serge Gnabry

Der 23-Jährige zählt zu den Münchnern Profis, die Karl-Heinz Rummenigge in seiner Rede bei der Jahreshauptversammlung am Freitag persönlich beim Namen nannte. 

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Der Vorstandschef hielt den Mitgliedern Belege vor, dass der Rekordmeister den allseits geforderten Umbruch im Kader schon längst angestoßen habe. Als eines der Beispiele für die personelle Renaissance führte Rummenigge Gnabry an.

"Gnabry arbeitet unaufhaltsam an einer Zeitenwende"

Nun ist der Spieler nicht nur eine Zukunftshoffnung des Vereins. Er ist obendrein ein artiger Angestellter. Also bestätigte er seinen Boss keine 24 Stunden später mit zwei Toren gegen Werder, die den Bayern einen wichtigen Auswärtserfolg sicherten. 

Es war bei weitem nicht Gnabrys erstes überzeugendes Spiel in dieser Saison. Als designierter Nachfolger von Robben und Ribery zelebriert der Nationalspieler bereits eine Wachablösung, die offiziell noch gar nicht vollzogen worden ist.

Die Zeit widmete ihm in dieser Woche ein ausführliches Porträt. Darin hieß es: "Gnabry arbeitet unaufhaltsam an einer Zeitenwende. Denn die alternden Helden", damit waren Robben und Ribery gemeint, "werden im Gegensatz zu ihm nicht mehr besser".

Diese Entwicklung hat Gnabry in den vergangenen Wochen viel Spielzeit verschafft. Gegen Freiburg und Bremen waren es seine Tore, die der Mannschaft Punkte einbrachten. 

Und doch ist Gnabry jemand, der sich stets dem Kollektiv unterordnet. "Das Wichtigste ist, das die Mannschaft gewinnt. Mein Empfinden ist immer so, wie es dem Team geht", sagte er nach seinem Auftritt im Weserstadion auf SPORT1-Nachfrage. 

Die Worte eines Teamplayers, dessen Standing zuletzt sowohl im Klub als auch in der Nationalmannschaft stark gestiegen ist. Niko Kovac und Joachim Löw, sie beide schätzen Gnabrys technische Finesse - und seine extravaganten Sprintfähigkeiten.

Gnabry "eine Waffe" für das Bayern-Spiel

Der Porträtschreiber der Zeit verglich Gnabrys Laufwege mit denen Cristiano Ronaldos. "Zu der Zeit, als der Portugiese noch schnell war." Gnabry, schrieb er, "lenkt das Spiel, wenn er noch gar nicht am Ball ist." Weil er Mitspieler durch seinen Lauf zu Pässen provoziere.

Diese Passage muss Hasan Salihamidzic gefallen haben. Bayerns Sportdirektor befand am Samstag, Gnabry sei "eine Waffe in unserem Spiel. Ich wusste, dass er das alles kann und jetzt zeigt er es mehr und mehr".

Die Leistungsexplosion, die Salihamidzic in den vergangenen Monaten bei Gnabry ausgemacht hat, ist möglicherweise auch auf eine Umstellung der Trainingssteuerung zurückzuführen. Auf Anraten seiner Berater durchläuft Gnabry seit einiger Zeit ein spezielles Athletikprogramm, das seine Motorik verbessern und Verletzungen vorbeugen soll. 

Seine ganze Karriere lang ist der Spieler immer wieder durch körperliche Beschwerden zurückgeworfen worden. Der neue Gnabry will bewusster leben und trainieren. Dazu verbringt er mittlerweile fast genauso viel Zeit mit Fitnessübungen wie Arjen Robben. 

"Mit Serge habe ich jetzt einen Freund dabei, er bereitet sich auch immer sehr gut vor", sagte der Niederländer neulich. In Sachen Einstellung sei Gnabry "sehr, sehr gut". Die Worte eines Mitspielers, dem sie in München bislang die professionellste Einstellung aller Profis bescheinigt haben. 

Manchmal vollzieht sich eine Wachablösung eben auch im Kraftraum. 

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