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München - Christoph Nowak stattet Top-Keeper mit Torwarthandschuhen aus. Bei SPORT1 spricht er über seinen Draht zu Leno, Trapp und Co. sowie das moderne Torwartspiel.

Er ist der Mann, dem viele Torhüter vertrauen. Christoph Nowak sammelte schon als kleiner Junge die Handschuhe der Torwartprofis.

"Ich habe damals immer versucht die Star-Torhüter in den Hotels zu erreichen und mit ihnen etwas für nach dem Spiel zu vereinbaren. Und damit war ich recht erfolgreich", sagt der 44-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

1995 wurde aus Leidenschaft Berufung. "Damals habe ich meine Torwarthandschuh-Sammlung auf der ISPO (Fachmesse für Sportartikel und Sportmode, d. Red.) dem Produktmanager einer großen Sportartikel-Firma vorgestellt. Dieser hat mich dann sofort als Berater und Praktikant mit ins Boot genommen."

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Heute kennt Nowak das Who's who der Torwartszene, seine sportlichen Einschätzungen sind dort gefragt und er ist unter anderem mit den Nationaltorhütern Bernd Leno (FC Arsenal) und Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt) gut befreundet.

Nowak: Leno und Trapp holen sich Tipps von mir

"Da stimmt einfach die menschliche Chemie. Und wenn es um ihr Handwerkszeug geht, tausche ich mich mit ihnen aus und berate sie gerne", berichtet Nowak. "Wir kennen uns schon lange und sie wissen, dass ich von Torwarthandschuhen sehr viel Ahnung habe. Sie haben zwar Verträge mit großen Ausrüstern, aber sie holen sich dennoch den einen oder anderen Tipp oder ein Feedback von mir."

Vom schwäbischen Dillingen aus betreibt er als Chief Operating Officer mit drei Gesellschaftern inzwischen sein eigenes Torwarthandschuhlabel: "POPE's". Bei Instagram nennt er sich "der_handschuhpapst".

Auch SPORT1-Experte Tim Wiese ist längst ein guter Freund von Nowak.

Freundschaft zu Wiese

"Die Geschichte mit ihm begann nach dem Abschiedsspiel von Oliver Kahn. Tim war damals bei der Nationalmannschaft. Ich habe beim Training zugeschaut, und wir kamen in Kontakt, als Tim mich wegen speziellen Handschuhen ansprach. Ich habe ihm dann quasi über Nacht mehrere Paare besorgt, dazu noch ein paar Unterziehhosen mit Hüftschutz", erklärt Nowak.

Und weiter: "Wir tauschten die Nummern aus und wenige Monate später, nach einem Werder-Pokalspiel in Dortmund, klingelte eines Abends gegen 23 Uhr mein Handy und Tim war dran. Er hatte eine Hüftprellung und bedankte sich, weil die Hose so überragend war. So hat unsere Freundschaft begonnen."

Zu Leno hat Nowak fast täglich WhatsApp-Kontakt, Trapp lernte er vor einigen Jahren bei der U21 kennen.

Aktuell werden unter anderem Schalkes zweiter Torhüter Alexander Nübel, gleichzeitig die Nummer eins der deutschen U21-Nationalmannschaft, die beiden Leverkusener Schlussmänner Ramazan Özcan und Thorsten Kirschbaum sowie Sascha Burchert von Greuther Fürth von Nowak mit Torwarthandschuhen ausgestattet.

"Offen, ehrlich und direkt"

Was schätzen sie alle am Handschuhpapst? "Ich bin ein relativ offener, ehrlicher und direkter Junge vom Dorf. Die Torhüter wissen, dass sie mir Dinge erzählen können, die dann nicht an die Öffentlichkeit geraten", erklärt er sein Erfolgsgeheimnis.

"Natürlich tauschen wir uns über die sportlichen Situationen aus. Auch wenn es für den Torwart mal nicht so gut läuft. Zum Beispiel mit Bernd, als er im Sommer Leverkusen nach sieben Jahren verlassen wollte, weil er sportlich irgendwie durch die Stagnation des Vereins selbst stehen blieb."

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So wie die generelle Torwartsituation in Deutschland. Diese sieht Nowak "sehr bedenklich".

Er sagt auch, warum: „Wir waren mal ein Land, da hätte man von 18 Bundesligatorhütern 16 für die Nationalmannschaft nominieren können. Doch inzwischen gibt es hierzulande einfach viel zu viele Torwarttrainer, die vorwiegend nach dem Spielerischen schauen und weniger danach, wie man die 'Unhaltbaren' entschärft. Dazu kommt dann noch die Spezies der Superschlauen, die theoretisch-wissenschaftlich wie Professoren agieren."

Punkte retten statt Spieleröffnung

In jeder Liga bräuchten die meisten Mannschaften "keinen Torwart, der das Spiel eröffnet, sondern einen, der hinten seinen Mann steht und mit seiner Torverteidigung mehrmals pro Saison die Punkte rettet."

Wen hält er derzeit für den besten deutschen Torwart? "Immer noch Manuel Neuer, vor allem deshalb, weil Marc-Andre ter Stegen beim Parieren vom Bällen immer mal wieder Probleme hat, zuletzt vor einigen Wochen", so Nowak.

"Neuer war für mich aber auch nie ein makelloser Übermensch im Tor, obwohl er von vielen, die ihn heute niedermachen, dazu gehypet wurde. Er ist aber sicherlich ein fantastischer, kompletter Torwart und hat in Sachen Ausstrahlung und Ballfangtechnik etwas ganz Besonderes an sich. Er hatte bei Bayern sowie in der Nationalmannschaft zumeist gute Vorderleute um sich und war sehr wichtiger Bestandteil eines ganzen herausragenden Abwehrverbundes."

Neuer zu risikoreich?

Nowak erinnert sich an die WM 2014. "Da wurde Neuer als elfter Feldspieler gerühmt. Ich sehe das ein bisschen differenzierter. 'Manu' hat da meiner Ansicht nach zum Teil sehr risikoreich gespielt und dabei hatte er eine große Portion Matchglück, die ihm zuletzt vielleicht fehlte."

Neuer sei "im Gesamtpaket Spieleröffnung und Verteidigung die absolute Nummer eins". "So schlecht, wie ihn jetzt manche machen, ist er nicht, das ist unfair. Wahrscheinlich wäre es sinnvoller gewesen, auf die WM nach seiner langwierigen Verletzung zu verzichten."

© Christoph Nowak

Richtig gefreut hat sich Nowak kürzlich, als ihn der mehrfache Welttorhüter nach dem Russland-Länderspiel in Leipzig mit den Worten "Der Pope ist da" begrüßte.

Lenos Wechsel nach England im vergangenen Sommer befürwortete Nowak. "Der Wechsel tat ihm gut, diesen Transfer haben wohl viele nicht für realistisch gehalten, weil er in Leverkusen am Ende etwas stagnierte. Ich als Torwart würde natürlich dort gerne jedes Spiel machen wollen. Das ist aber in England mit den vielen Wettbewerben etwas anders. Er darf jetzt die Premier League spielen und ist somit die gefühlte Nummer eins. Von daher hat er alles richtig gemacht."

Keine bekloppten Torhüter mehr

Über Torhüter sagte man immer, sie müssten ein wenig bekloppt sein. Das sei heute aber bei vielen nicht mehr so, was Nowak extrem schade findet.

"Heute gibt es doch wie bei den Feldspielern auch hier kaum noch echte Typen. Das liegt mit an den Ausbildungszentren. Wenn ich höre, wie zum Beispiel mancherorts mit den Nachwuchsspielern umgegangen wird, da fasse ich mir an den Kopf. Sie haben dort mehrere Vollwertköche und ein Kontrollsystem, damit von ihnen zwischendurch ja keiner Nutella, einen Döner oder gar einen Burger isst. Wo ist denn heute noch ein Torwart, von dem die gegnerischen Stürmer so richtig Respekt haben? Ich sehe da keinen Oliver Kahn, keinen Jens Lehmann und auch keinen Wiese mehr."

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