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München - Ralf Fährmann wurde auf Schalke zur Nummer zwei degradiert. Nun spricht sein Berater bei SPORT1 über dessen Zukunft. Und über die eines anderen Klienten: Alexander Nübel.

Seit dem vergangenen Wochenende ist Alexander Nübel die neue Nummer 1 bei Schalke 04.

Trainer Domenico Tedesco entschied vor dem 2:1 zum Rückrundenauftakt gegen den VfL Wolfsburg: Der 22-Jährige ersetzt Kapitän Ralf Fährmann, seit November 2013 Stammkeeper der Königsblauen.

Nübel steht plötzlich im Fokus. Am Mittwoch berichtete die Sport Bild von einer besonderen Vertragsklausel, die der Keeper in seinem Arbeitspapier haben soll. Demnach werde er in der kommenden Saison für ein Jahr ausgeliehen, und der Vertrag verlängere sich automatisch um ein Jahr bis 2021, wenn er in dieser Saison nicht auf acht Bundesliga-Einsätze kommen sollte. Bereits jetzt steht er bei vier Spielen.

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"Alex hat einen Vertrag bis 2020. Zu einer Vertragsklausel, über die in einigen Medien geschrieben wird, werde ich nichts sagen", erklärte Nübels Berater Stefan Backs im Gespräch mit SPORT1.

Die neue Situation um seine beiden Keeper - Fährmann und Nübel werden kurioserweise beide von Backs betreut - sieht der Berater ganz entspannt.

"Die beiden sind nicht nur Kollegen, die nach dem Training ihrer Wege gehen, sondern sie verstehen sich gut, gehen ab und zu auch mal zusammen essen. Das begann, als Alex als junger Torwart zu Schalke kam. Da hat Ralf ihn etwas unter seine Fittiche genommen, ihn auch mit gefördert", so Backs.

Berater: Nübel hat aufgeholt

Doch er räumte auch ein: "Ralf hat in der Hinrunde nicht mehr so gespielt, wie man das von ihm gewohnt war. Das lag vielleicht auch daran, dass er gespürt hat, dass Alex aufgeholt hat. Aber Ralf hat jahrelang nie Fehler gemacht."

Fährmann wisse aber, dass Nübel ein großes Torhüter-Talent ist. "Die aktuelle Situation ist zwischen den beiden jetzt kein Mega-Ding", so der Berater. Die Karriere-Wege von beiden seien "komplett unterschiedlich. Während Ralf als gestandener Bundesliga-Spieler in das letzte Drittel der Karriere einbiegt, hat Alex sein fünftes Bundesliga-Spiel gemacht und fängt gerade erst an".

Schalke-Coach Tedesco lobte Fährmann am Mittwoch: "Er geht mit der Sache höchst professionell um, das ist echt top."

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"Er muss sich entscheiden"

Der 30-Jährige hat noch einen Vertrag bis 2022. "Er muss sich entscheiden, ob er in der Konstellation bleiben will. Alex braucht Spielpraxis, die er gerade bekommt. Natürlich weiß Ralf, dass so etwas wie jetzt auch mal passieren kann, er ist nicht der erste Torwart, der raus genommen wird."

Und weiter: "Ich habe mit beiden eine offene Kommunikation, beide wissen, wie ich zu ihnen stehe, Vertragsinhalte halte ich von dem anderen fern, weil ihn das nichts angeht. Wenn der Verein mir etwas über den einen sagt, dann bleibt das auch bei mir."

Es sei eine "rein professionelle Geschichte". Es gebe Berater, die hätten sieben oder acht Spieler bei einem Verein. In diesem Fall mit Fährmann und Nübel sei es "speziell, weil es zwei Torhüter sind".

Backs verhehlt aber auch nicht, dass Fährmann derzeit unter der Ausbootung leidet: "Ralf ist sauer und aufgewühlt, aber Alex ist erstaunlich entspannt. Für ihn ist das Fußball-Business nicht das Wichtigste. Er ist ein ehrgeiziger, guter Torwart, strahlt eine innere Ruhe und Gelassenheit auf dem Platz aus und ist privat nicht so ein emotionaler Mensch wie Ralf."

Rost rät Fährmann zu einem Wechsel

Der ehemalige Schalke-Torwart Frank Rost legt Fährmann einen Wechsel nahe.

"Bei einem Torwart ist so eine Situation anders zu bewerten als bei einem Feldspieler. Ein Keeper lebt vom Vertrauen des Trainers und von seiner Leistung. Wenn ich als Coach eine erfahrene Nummer 1 rausnehme, dann wird das nie mehr so wie vorher. Das Vertrauen ist dann nämlich weg. Selbst, wenn Tedesco Ralf wieder reinstellt ins Tor. Was soll Ralf machen? Er hat meiner Meinung nach gar nicht so viel falsch gemacht. Er steht aber jetzt als Sündenbock für die miserable Hinrunde da", so Rost bei SPORT1.

Der frühere Nationaltorwart kritisiert die Entscheidung aber auch aus einem anderen Grund: "Das zeigt das Dilemma auf Schalke, dass sich kein Verantwortlicher in einen Profifußballer hineinversetzen kann. Wie auch, wenn man selbst nie als Sportler sein Geld verdient hat?"

Dennoch hat Rost keinen Zweifel daran, "dass Ralf einen Bundesliga-Verein findet, wo er spielen kann. Und dann hieße es im Sommer: 'Neues Spiel, neues Glück' - aber in anderen Farben".

Rost erging es einst ähnlich wie Fährmann. In der Hinrunde der Saison 2006/2007 wurde Rost vom damaligen S04-Coach Mirko Slomka auf die Bank verbannt und durch den damals 20 Jahre jungen Manuel Neuer ersetzt.

Berater schließt sofortigen Fährmann-Wechsel aus

Einen Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt schließt Fährmanns Berater aus. "Solange Ralf noch emotional ist, und das ist er, macht es keinen Sinn eine Entscheidung in Richtung eines Wechsels zu treffen. Er beschäftigt sich gerade nicht mit einem anderen Verein und auch nicht in den nächsten Wochen."

Fährmann werde die Situation erstmal so annehmen, wie sie ist. "Wenn er dann zu der Überzeugung gekommen ist, dass er etwas verändern muss, dann wird er auf mich zukommen. Noch will er bei Schalke alles probieren." Fährmann sei schließlich "Vollprofi, ein Trainingsbesessener".

Gab es Streit in der Kabine oder im Training?

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass da etwas Undiszipliniertes im Training vorgefallen ist. Ralf sagte: 'Alex hat mich immer unterstützt, dann mache ich das jetzt auch'“, meinte Backs, "aber Ralf ist zu jung, um dauerhaft auf der Bank zu sitzen. Er ist gut genug auf dem Niveau auch in einem anderen Verein zu spielen. Für ihn ist es nur schwierig, weil er mit Leib und Seele Schalker ist. Das macht ihm zu schaffen."

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