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München - Erneute Aufregung um den Videobeweis: Bei den Samstagsspielen geht es um knappe Abseitsentscheidungen und nicht gegebene Elfmeter. Der Kölner Keller steht im Fokus.

Kein guter Spieltag für den Kölner Keller.

Die Video-Assistenten, die über die strittigen Szenen der Bundesligapartien wachen sollen, sorgten am Samstag gleich in vier Stadien für Aufregung. 

SPORT1 analysiert die Szenen, die heftig diskutiert werden. 

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Tatort Mönchengladbach

Kevin Danso versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist: Augsburg kassiert das spielentscheidende 0:1 in Gladbach © imago

78. Minute. Oscar Wendt schießt die Borussia im Heimspiel gegen Augsburg 1:0 in Führung. Doch bei dem Tor geht nicht alles mit rechten Dingen zu. 

Lars Stindl steht in der Schussbahn des Balles - und zwar hinter FCA-Torwart Gregor Kobel. 

Hinter Gladbachs Kapitän steht nur noch Verteidiger Kevin Danso auf der Torlinie. Der, so argumentieren die Augsburger später, wird durch Stindl so irritiert, dass er bei seiner Rettungsaktion einen Schritt zu spät kommt. 

Referee Harm Osmers bewertet die Szene anders, gibt den Treffer. Eine Intervention aus Köln bleibt aus. Manuel Baum ist außer sich.

"Es ist ein Skandal, dass dieses Tor gilt. Diese Situation hat uns das Spiel gekostet", schimpft Augsburgs Trainer auf der Pressekonferenz. "Ich hatte das Gefühl, dass die Schiedsrichter bei der Abseitsregel nicht sattelfest waren. Der Linienrichter hat es angezeigt, der Schiedsrichter war zu faul, und aus Köln kam nichts. Unfassbar, dass so etwas in der Bundesliga passiert."

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Markus Merk verteidigt Osmers' Entscheidung bei Sky: "Diskutabel, aber für mich im Rahmen des Erlaubten."

SPORT1-Experte Marcel Reif gehen die wiederkehrenden Diskussionen über den Videobeweis immer mehr gegen den Strich. "Ich bin ja ein Verfechter des Videobeweises. Aber langsam habe ich keine Lust mehr", sagte Reif im CHECK24 Doppelpass: "Wenn wir die Möglichkeiten haben uns sie nicht nutzen, lass uns nach Hause gehen."

Tatort Dortmund

FBL-GER-BUNDESLIGA-DORTMUND-HANOVER
Hannovers Noah Joel Sarenren Bazee hätte nach einem Zweikampf im Dortmunder Strafraum eigentlich einen Elfmeter bekommen müssen © Getty Images

Eigentlich ist das 5:1 des BVB gegen Hannover am Ende eine klare Angelegenheit. 

Doch womöglich hätte die Partie einen anderen Verlauf genommen, wenn das Schlusslicht beim Stand von 0:1 aus Sicht der Gäste einen Elfmeter zugesprochen bekommen hätte. 

Thomas Delaney tritt Stürmer Noah Sarenren Bazee im eigenen Strafraum auf den Fuß. Eigentlich ein klares Foul. Da Sarenren Bazee jedoch gerade zum Torschuss ansetzt, nimmt Schiri Manuel Gräfe den Tritt nicht wahr. 

Hannover sendet einen Hilferuf nach Köln, wird im dortigen Keller aber nicht erhört. Das Spiel läuft weiter: ohne Überprüfung der Szene und einen Strafstoß, den es eigentlich hätte geben müssen. 

Eine Fehlentscheidung, die zur momentanen sportlichen Situation von 96 passt.

"Wenn man die Szene so sieht, muss man sagen: das war ein klarer Elfmeter", sagte Sebastian Kehl, Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung, im CHECK24 Doppelpass. 

Tatort Mainz

Nürnbergs Adam Zrelak trifft zum vermeintlichen 2:1 für den Club, wird jedoch kurze Zeit später zurückgepfiffen © imago

Nürnberg jubelt, Nürnberg hofft und bangt. Der Club braucht dringend einen Sieg im Abstiegskampf - und wähnt sich in der 62. Minute in Mainz ganz nah dran an drei Punkten.

Adam Zrelak spitzelt den Ball vorbei an 05er-Keeper Florian Müller. Das vermeintliche 2:1. 

Die Mannschaften stehen schon wieder am Anstoßkreis, als Schiedsrichter Bastian Dankert sein Headset bedient. Korrektur aus Köln: Abseits. 

Was nicht in der ersten Zeitlupe und schon gar nicht mit bloßem Auge erkennbar ist, zeigen die kalibrierten Linien auf den Bildschirmen im Keller auf: Zrelak steht mit einer Fußspitze im Abseits.

Eine Millimeter-Entscheidung, mit der sich Enrico Valentini nicht abfinden will. "Wir wurden heute beraubt", schimpft er später in den Katakomben, als ihn Reporter aus der Heimat auf die Szene ansprechen. 

Trainer Michael Köllner ist diplomatischer: "Das war mit normalen Menschenaugen nicht zu erkennen. Wir bewegen uns auf einem dünnen Eis, aber anscheinend wollen wir das."

Pech für den Club: Nur zehn Minuten später geht Mainz in Führung und fährt am Ende einen Heimsieg ein

Tatort Wolfsburg

VfL Wolfsburg v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga
Zu früh gefreut: Wolfsburgs Renato Steffen erlebt kurz nach seinem Torjubel eine Enttäuschung © Getty Images

Die Wölfe liegen gegen Leverkusen 0:2 hinten. Wenn noch etwas gehen soll, muss ein Anschlusstreffer her.

Yunus Malli schickt Renato Steffen in den freien Raum. Der überwindet Leverkusens Lukas Hradecky - 1:2. 

Wolfsburg jubelt und schöpft wieder Hoffnung. Auf der Tribüne werden Küsschen verteilt. Doch Referee Felix Zwayer hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. 

Auf Anraten seines Video-Assistenten Christian Dingert annulliert er den Treffer. Malli stand vor seinem Pass in der verbotenen Zone. Eine genauso knappe Abseits-Entscheidung wie in Mainz. 

Das Problem: Weder im Stadion noch am Fernsehen kann das jemand nachvollziehen, die kalibrierten Linien stehen nur Dingert in Köln zur Verfügung.

Trainer Bruno Labbadia hadert später, als die Heimpleite besiegelt ist: "Ich glaube, es heißt: im Zweifel für den Angreifer. So habe ich das gelernt."

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