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München - Marcel Reif hält in seiner SPORT1-Kolumne die Kampfansage des FC Bayern gegenüber Borussia Dortmund für einen Fehler. Bei Hannover 96 sieht er ein Strukturproblem.

Hallo Fußball-Freunde,

der Höhenflug bei Borussia Dortmund geht weiter, und der Traum von der Meisterschaft lebt: Es war ein Fehler des FC Bayern, bei sechs Punkten Rückstand zu sagen, wir werden sowieso Meister. Damit wird Dortmund gestärkt. Dann kannst du als Dortmund schön demütig vor dich hinsegeln.

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Denn: Der BVB muss nicht Meister werden, ist in der besseren Position. Aber umgekehrt: Wenn Bayern nicht Meister wird und gegen Liverpool aus der Champions League fliegt, dann musst du München aufgrund der Atmosphäre weiträumig umfahren.

Was Dortmund so gefährlich macht: Du fährst ohne Marco Reus nach Leipzig und gewinnst trotzdem 1:0. Das sind am Ende die Spiele, die die Meisterschaft entscheiden. Natürlich hat die BVB-Dominanz auch Namen. Sie haben Neuzugänge, die eigentlich keine sind: Reus, Mario Götze, dazu einen tollen Torwart. Wenn mir einer vor zwei Jahren gesagt hätte, Reus wird Kapitän und Führungsspieler, dann hätte ich gesagt: Viel Vergnügen.

Was für Dinge er aber heute auf dem Platz macht, ist sensationell - mit welcher Ruhe Reus führt, ist hervorragend. Und dann ist da neben der starken Arbeit von Sebastian Kehl auch noch Thomas Delaney: Mit welcher Demut der sich in den Dienst der Mannschaft stellt, da brauchst du von außen gar nicht mehr viel machen.

Ganz anders die Situation bei Hannover 96, wo die Dinge unabhängig vom Rauswurf von Trainer Andre Breitenreiter viel tiefgründiger im Argen liegen und ein strukturelles Problem besteht.

Martin Kind war auch schon damals Präsident (beim Aufstieg 2002, Anm. d. Red.), er ist ein honoriger intelligenter Mann, jemand mit Herzblut, der diesen Verein mit Geld führt. Aber er führt ihn eben auch so, wie man damals präsidial Vereine geführt hat. In Dortmund dagegen hat man eine klare Idee, das ist der genaue Gegenentwurf. Da sind die Rollen klar verteilt, und das zeigt sich auch in der Tabelle.

All das schlug sich am Ende auch auf das Standing von Breitenreiter nieder, dessen Vertrauen dadurch zwangsläufig schwand: Wenn du Woche für Woche Haue kriegst, kann der Trainer bei der Mannschaft keinen Kredit haben.

Was den Videobeweis angeht: Ich bin ja ein Verfechter davon. Aber langsam habe ich keine Lust mehr. Wenn wir die Möglichkeiten haben und sie nicht nutzen, dann können wir nach Hause gehen. Siehe die Elfmeter-Situation bei Augsburg gegen Gladbach: Das reicht mir nicht. Wie heißt es so schön beim Metzger: Es darf ein bisschen mehr sein. Das Bein sucht, was es findet.

Und wenn der Linienrichter etwas anzeigt, dann muss der Schiedsrichter doch mit ihm reden. Der hebt die Fahne ja nicht aus Spaß. Wir müssen sowieso da hinkommen, dass der Schiedsrichter erklärt, wie er entschieden hat. Dann wird allen Beteiligten mal der Stecker gezogen.

Angesichts des schwierigen Regelwerks beim Handspiel muss ich inzwischen sagen: Ich bin froh, dass ich nicht mehr kommentieren muss. Wenn ich mir denke, dann müsste ich wieder den Ordner rausziehen und nachschlagen: Absicht, nicht absichtlich, Körperfläche vergrößert.... Und ehe ich fertig bin, ist der Elfmeter ausgeführt.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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