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München - Julian Weigl ist einer der Matchwinner beim BVB-Sieg gegen RB Leipzig. In der Hinrunde außen vor, ist er plötzlich gefragt - auf ungewöhnlicher Position.

Die vergangenen Monate von Julian Weigl waren alles andere als einfach.

Während seine Teamkollegen von Borussia Dortmund die Bundesliga-Hinserie rockten und souverän zur Herbstmeisterschaft marschierten, blieb dem 23-Jährigen meist nur ein Platz auf der Bank - wenn überhaupt. In fünf von 17 Bundesliga-Spielen in der Hinrunde stand Weigl überhaupt nicht im Kader, ganze vier Mal kam er zum Einsatz.

Weigl hatte auch das Pech, dass auf der Sechs, seiner Lieblingsposition, die beiden Neuzugänge Axel Witsel und Thomas Delaney so dermaßen einschlugen, dass BVB-Trainer Lucien Favre kaum eine andere Wahl hatte, als auf diese Kombination zu vertrauen.

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Weigl in der Hinrunde größtenteils nur Zuschauer

So blieb Weigl größtenteils die Zuschauerrolle - bis er beim letzten Spiel in der Hinrunde plötzlich gebraucht wurde. Jedoch nicht auf der Doppelsechs, sondern in der Innenverteidigung, wo nach den Verletzungen von Manuel Akanji, Abdou Diallo und Dan-Axel Zagadou plötzlich Notstand herrschte. Das Experiment glückte, der BVB schlug Borussia Mönchengladbach. 

In Leipzig am Samstag sah es, trotz der kurzen Winterpause, nicht anders aus. Weigl musste erneut hinten aushelfen, bildete mit Diallo die Abwehrzentrale. Wieder sprang am Ende ein Sieg heraus, diesmal sogar zu Null. (Die Tabelle der Bundesliga)

Der Aushilfs-Innenverteidiger bekam nach dem Spiel ein Sonderlob. "Julian hat das sehr gut gemacht", meinte Favre nach dem Spiel. Auch Sportdirektor Michael Zorc lobte im ZDF: "Er hat heute wieder eine blitzsaubere Leistung auf der Position gebracht. Dafür, dass er sein ganzes Leben immer im Mittelfeld gespielt hat, war das schon eine ganz tolle Leistung."

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Die "blitzsaubere" Leistung Weigls verdeutlichen auch seine Zweikampfwerte. Laut deltatre gewann er 62 Prozent seiner Zweikämpfe, gemeinsam mit Lukasz Piszczek war das der Bestwert auf Seiten der Dortmunder.

So kurios das klingt: Die beiden Dortmunder, die mit ihren starken Leistungen quasi dafür verantwortlich sind, dass Weigl im Mittelfeld aktuell keine Chance hat, waren einer der Gründe, warum Weigl in ungewohnter Position glänzen konnte. "Witsel und Delaney sind Mentalitätsspieler. Solange die da stehen, ziehen die Dortmunder das durch", lobte SPORT1-Experte Reinhold Beckmann die Neuzugänge im CHECK24 Doppelpass.

Eine Lösung auf Zeit

All den Lobgesängen zum Trotz sollte allerdings auch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Dortmunder Not-Abwehr schon das eine oder andere Mal von den umschaltstarken Leipzigern in Verlegenheit gebracht wurde. Doch am Ende stand, auch dank Torwart Roman Bürki, die Null.

So sehr Weigl die aktuelle Situation, plötzlich wieder gebraucht zu werden, auch genießen mag, eines wird auch er wissen: Er ist nur eine Lösung auf Zeit. Akanji wird zwar noch eine Weile ausfallen, doch Diallo gab bereits gegen Leipzig sein Comeback. Auch die Rückkehr von Zagadou und Toprak ist absehbar.

So wird sich Weigl in der nächsten Zeit weiter Gedanken um seine sportliche Perspektive machen müssen. Denn an Witsel/Delaney wird es für ihn wohl kein Vorbeikommen geben. Möglich, dass ihn die Zukunft wieder mit dem Mann vereint, der ihn einst in Dortmund zum Stammspieler machte: PSG-Trainer Thomas Tuchel soll Weigl zu seinem Wunschspieler auf der defensiven Mittelfeldposition auserkoren haben, am liebsten noch in diesem Winter.

Doch einem Winterwechsel schob Zorc im ZDF einen Riegel vor. "Er bleibt auf jeden Fall bis Saisonende bei uns", erklärte die BVB-Ikone. Genug Zeit für Weigl also, sich über seine sportliche Zukunft klar zu werden.

Und der BVB hat solange noch eine weitere Mittelfeldoption - und neuerdings auch einen zusätzlichen Aushilfs-Innenverteidiger.

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