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Doha - In der Sonne von Katar bereitet sich der FC Bayern auf eine heiße Rückrunde vor. Im Wüstenstaat warten auf Niko Kovac viele Aufgaben und Herausforderungen.

Seine Höflichkeit hat Niko Kovac auch im Jahr 2019 nicht verloren. Um 8.15 Uhr passierte der Trainer des FC Bayern am Freitagmorgen die Sicherheitsschleusen an Terminal 1 des Münchner Flughafens und wünschte den dort wartenden Fans und Urlaubern ein "Frohes Neues". Schnurstracks stieg er dann in die Sondermaschine QR 7452 nach Doha/Katar - in Richtung des siebentägigen Wintertrainingslagers.

Noch am Abend eröffnete Kovac mit der ersten geheimen Trainingseinheit auf dem Gelände der noblen Aspire Academy den heißen Rückrundenstart des Rekordmeisters.

SPORT1 sagt, welche Punkte Kovac in Katar angehen muss!

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Taktische Abläufe optimieren

Mit Beginn seiner Amtszeit versuchte Kovac, den Bayern sein favorisiertes 4-1-4-1-System einzuimpfen. Was zu Saisonbeginn noch hervorragend klappte, entwickelte sich zunehmend zum internen Ärgernis und galt schnell als einer der Gründe der Bayern-Krise.

Der 47-Jährige stellte sich aber nicht stur und lenkte, auch auf Wunsch seiner Führungsspieler und der Bayern-Bosse, ein. Fortan stellte Kovac auf ein 4-2-3-1 System um.

Vor allem die neue Doppelsechs verlieh den Bayern merklich Stabilität, die Münchner fuhren auch deshalb zuletzt fünf Bundesliga-Siege in Folge ein.

Am Freitagabend bat Niko Kovac auf dem Gelände der Aspire Academy zum ersten, geheimen Training
Am Freitagabend bat Niko Kovac auf dem Gelände der Aspire Academy zum ersten, geheimen Training © SPORT1

Kovac wird an diesem System wohl auch in der Rückrunde festhalten, allerdings muss die Mannschaft nun auch spielerisch zulegen und für Überraschungsmomente sorgen, zumal die jüngsten Partien gegen RB Leipzig (1:0) und Ajax Amsterdam (3:3) keinesfalls Glanzleistungen waren.

Der Trainer weiß das und kündigte bereits an: "Wir wollen in Doha an vielem feilen: an der Fitness, an technisch-taktischen Elementen."

Apropos Fitness: Vor der Abreise wurden alle Spieler daran erinnert, ihre Pulsuhren mit nach Doha zu nehmen. Schweißtreibende Einheiten sind also programmiert.

Defensive stabilisieren

Ihr Offensivspiel haben die Bayern sichtbar verbessert. Waren es zu Saisonbeginn oftmals lange, ausrechenbare Diagonalbälle auf die Außenspieler, bemüht sich die Kovac-Elf im neuen System nun auch um den Spielaufbau über das Zentrum.

Angriffe werden nun überraschender und mit deutlich mehr Tempo ausgeübt. Die Entwicklung der Defensivleistung hingegen stagniert. Zwar spielten die Bayern zuletzt in der Bundesliga viermal in Folge wieder zu Null, konstant sattelfest war die Defensive aber keinesfalls. Das zeigten vor allem die drei Gegentore in Amsterdam.

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Vor allem bekamen die Münchner immer dann Probleme, wenn der Gegner auf schnelle Konter aus war und schnell umschaltete, denn in puncto Geschwindigkeit hatten die Bayern vor allem gegen stärkere Mannschaften wie Borussia Dortmund (2:3) und Ajax das Nachsehen. Kovac reagierte darauf, indem er seine Viererkette zuletzt tiefer positionierte.

Wollen die Bayern mit sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer Dortmund im Kampf um den Meistertitel weiter mitspielen, gegen Hertha BSC im Pokal-Achtelfinale und in der Champions League gegen die Weltklasse-Offensive von Liverpool bestehen, muss sich die Bayern-Defensive in Doha weiterentwickeln und einspielen.

Konkurrenzkampf schüren

Per Rotation wollte Kovac zu Saisonbeginn jedem seiner Spieler Spielzeit ermöglichen. Ein Mittel, was dem Kroaten inmitten der Bayern-Krise fast zum Verhängnis wurde. Kovac hat die Rotation mittlerweile gestoppt – in einer Phase, wo zudem viele Spieler verletzungsbedingt fehlten.

Leon Goretzka oder Serge Gnabry erarbeiteten sich dadurch einen Stammplatz. Javi Martinez, Renato Sanches oder Sandro Wagner kamen jedoch kaum noch zum Zug.

Personell kann Kovac aber fortan fast aus dem Vollen schöpfen. Thiago kehrte bereits zum Ende der Hinrunde wieder zurück. In Doha wird nun auch James Rodriguez (zuletzt Außenbandteilriss im linken Knie) wieder angreifen.

Arjen Robben (Reha nach Oberschenkel-Reizung) steigt auch wieder ein. Ebenso wie Gnabry, der zuletzt wegen eines Muskelfaserrisses im linken Oberschenkel ausfiel, ab Samstag aber wieder voll mittrainieren soll.

Lediglich Corentin Tolisso (Kreuzband- und Außenmeniskusriss im rechten Knie) fehlt weiterhin verletzungsbedingt. Der Franzose arbeitet im Trainingslager aber individuell an seinem Comeback.

Dennoch: Kovac wird unter den mitgereisten 25 Feldspielern den Kampf um die Stammplätze neu entfachen müssen. Auch, um die Spannung und Motivation im ohnehin ehrgeizigen Kader hochzuhalten.

Eine Rückkehr zur Dauer-Rotation wäre jedenfalls überraschend. Heißt: Der Kampf um die Startplätze könnte in Doha heißer denn je werden.

James Rodriguez motivieren

Der kolumbianische Superstar gilt als eines der größten Sorgenkinder im Bayern-Kader. War der Offensiv-Allrounder unter Jupp Heynckes noch gesetzt, war der 27-Jährige unter Kovac in der Hinrunde nur Teilzeitkraft (Elf Pflichtspiele, drei Tore, zwei Assists). Zudem fiel James seit dem 24. November verletzungsbedingt aus. Er wirkte mitunter lustlos und verärgert.

Immer wieder keimten zudem Wechselgerüchte auf, wonach James die Bayern wieder Richtung Real Madrid verlassen wolle. In der Winterpause äußerte James zudem, dass er nicht zufrieden sei mit seinen wenigen Einsätzen, er aber mit Kovac kein Problem habe.

Positiv für James könnte nun die Systemumstellung sein, denn Kovac setzt wieder auf einen Spielmacher. Eine Position, die zuletzt aber von Thomas Müller effektiv bekleidet wurde, für James aber wie geschaffen ist.

Finden er, Kovac und die Bayern aber auch in der Rückrunde nicht zusammen, stehen die Zeichen wohl mehr denn je auf Abschied. Für die Real-Leihgabe haben die Bayern eine Kaufoption in Höhe von 42 Millionen Euro. Würden sie diese ziehen, liefe der Vertrag des Linksfußes in München bis zum 30. Juni 2022.

Bei der Abreise Richtung Katar wirkte James am Freitagmorgen jedenfalls entspannt, er lächelte und begrüßte Goretzka per Umarmung. Vielleicht ein gutes Omen für eine positive Rückrunde.

Alphonso Davies integrieren

Seit dem 1. Januar ist das 18-Jährige kanadische Supertalent nun offiziell Bayern-Profi. Bereits zuvor schnupperte der bislang einzige Winter-Neuzugang (Vertrag bis 2023) Rekordmeister-Luft.

Der schnelle Flügelstürmer trainiert bereits seit November mit den Profis, flog etwa mit der Mannschaft zum Champions-League-Auswärtsspiel bei Ajax Amsterdam, trainierte auch mit.

Davies konnte sich also bereits akklimatisieren und kämpft ab sofort um seinen Platz im Team. "Er wird eine Bombe, habe ich gehört. Da vertraue ich meinem Sportdirektor", sagte Präsident Uli Hoeneß vor kurzem über Davies.

Noch wirkt der kanadische Nationalstürmer aber sehr schüchtern, zeigte sich auch am Freitagmorgen verschlossen. Auffälliger war da schon seine goldene Halskette.

Für goldene Momente soll Davies fortan auf den Außenbahnen sorgen, zumal seine Konkurrenten wie Franck Ribery, Kingsley Coman, Ribery und Gnabry verletzungsanfällig sind.

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