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Während viele Bundesligisten ihre Trainingslager in Spanien aufschlugen, ging Bremen einen anderen Weg - und dürfte es bereut haben. SPORT1 zeigt, was alles schief lief.

Ungewohnt heftige Schneefälle in Teilen Deutschlands beherrschen die Schlagzeilen. Den meisten Bundesligisten können sie eine Woche vor Start der Rückrunde aber nichts anhaben.

Mit vier Ausnahmen haben sich die Klubs in ein sonniges Winter-Quartier verzogen, um die kurze Vorbereitungszeit bestmöglich zu nutzen. Nur RB Leipzig, 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen und Hertha BSC Berlin sind zum Trainieren daheim geblieben. Dank Rasenheizung heutzutage kein Problem.

Vorbei die Zeit, als die Hertha im Jahr 2001 sogar einen kompletten Flugzeughangar anmietete, um bestmögliche Indoor-Trainingsbedingungen im heimischen Berlin zu schaffen.

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Doch wie so vieles im Profi-Fußball ist inzwischen auch die Frage nach dem Winter-Trainingslager hochkomplex geworden.

Die Türkei ist out

Viele Jahre gab es für die Bundesliga-Coaches eigentlich nur eine Frage: Türkei oder Spanien? In diesen beiden Ländern konnte man als Fan oder Reporter bei vernünftiger Planung im Januar mit wenig Reise-Aufwand gleich mehreren Bundesliga-Klubs beim Üben zuschauen.

Während die Türkei aufgrund der politisch angespannten Lage in der Region inzwischen keine Option mehr für die Klubs ist, tummelt sich der Großteil der Bundesligisten auch 2019 wieder in Spanien oder Portugal. Insgesamt elf Vereine genießen das angenehme Klima auf der iberischen Halbinsel.

Der FC Bayern absolvierte sein Trainingslager wie zuletzt immer in Doha, Eintracht Frankfurt in Florida und Werder Bremen in Südafrika.

Werder-Testspiel abgebrochen

Dass man beim Trip ins Warme auch Pech haben kann, mussten vor allem die Bremer gerade erleben. Unterstützt von der DFL haben sie ihr Lager in Südafrika aufgeschlagen, um als Botschafter der Bundesliga dort Werbung in eigener Sache zu machen.

Vor Ort war allerdings leider nicht alles so, wie es sich die Verantwortlichen vorgestellt hatten. Zum Empfang der Mannschaft am Flughafen in Johannesburg erschien exakt ein Fan im Werder-Trikot, der Trainingsplatz hatte mit dem ungewohnten Regen derart zu kämpfen, dass die Mannschaft auf einen anderen ausweichen musste und beim ersten Testspiel gegen die Kaizer Chiefs konnte wegen eines Gewitters die zweite Halbzeit nicht mehr gespielt werden.

Trainer Florian Kohfeldt ärgerte sich anschließend, auch wenn er Verständnis für den Abbruch hatte. Zumal auch der Platz im WM-Finalstadion von 2010 nicht höheren Ansprüchen genügte. "Rein fußballerisch kann ich dieses Spiel nicht bewerten. Ich kann da nichts rausziehen und das ist blöd. Ich bin einfach super sauer, dass wir dieses Spiel nicht durchziehen konnten", sagte er.

Viele Faktoren spielen eine Rolle

Das Dilemma: Für die Auswahl eines Trainingslagers spielen inzwischen viele Faktoren eine Rolle. Während es früher mit der Buchung von Flug, Hotel und Trainingsplatz getan war, kommen heute weitere Überlegungen dazu.

Themen wie Internationalisierung, Sponsoren, Vermarktung, mögliche Teambuilding-Maßnahmen, hochwertige Stadien, TV-Produktionen und Live-Übertragungen müssen abgewogen werden. Deshalb vertrauen die Klubs inzwischen auf Agenturen, die frühzeitig die Planung für das Komplettpaket übernehmen.

Firmen wie "onside", die für Werder und einige andere Bundesligisten das Winter-Quartier vorbereitet haben, kommen hier ins Spiel. Ärgerlich für die Bremer: Zum Testspiel gegen die Kaizer Chiefs durften weder Zuschauer kommen, noch gab es eine TV-Übertragung.

Zwar gaben sich Werders Bosse Frank Baumann und Marco Bode alle Mühe, die Bedingungen vor Ort zu loben. Aufsichtsratschef Bode gab aber auch zu: "Wir haben ein bisschen das Problem, dass die Liga hier gerade eine englische Woche hat und die südafrikanische Liga ein bisschen Sorge hat, dass Aufmerksamkeit von ihrem Produkt weggezogen wird."

BVB in Spanien, Frankfurt in Florida

Die Reise in die Ferne birgt immer Gefahren. Jeder Verein verfolgt hier seine eigene Philosophie. Tabellenführer Borussia Dortmund fühlt sich beispielsweise in Spaniens Sonne pudelwohl und hat den Vorteil, aufgrund der in der nähe angesiedelten Trainingslager auch hervorragende Testspielgegner zu haben.

Eintracht Frankfurt verfolgt weiter seine USA-Strategie und nimmt dabei an einem Test-Turnier in Orlando teil. "Wir haben in Florida die Möglichkeit, gegen starke Klubs zu testen und uns damit optimal auf die Rückserie der Bundesliga vorzubereiten. Die Bedingungen und Gegner vor Ort sind perfekt für uns", erklärt Sportvorstand Fredi Bobic.

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