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München - Paul Breitner spricht über das Eingeständnis von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, dass die Wut-PK der Vereinsbosse ein Fehler war - und hat eine klare Meinung.

Paul Breitner ist eine echte Legende beim FC Bayern. Doch beim Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Liverpool (Champions League: FC Bayern München - FC Liverpool, ab 21 Uhr im LIVETICKER) wird er nicht im Stadion sein.

"Zu Hause am Fernseher", sagte Breitner der Neuen Zürcher Zeitung auf die Frage, wo er das Spiel verfolgen werde.

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Der ehemalige Mittelfeldspieler hatte die Klubchefs Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge scharf kritisiert, weil diese auf der Bosse-PK die Kritik an Spielern mit der Verletzung von Menschenrechten gleichsetzten. Als Konsequenz forderte der Klub ihn auf, der Ehrentribüne fernzubleiben.

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Breitner reagiert auf Hoeneß' Eingeständnis

"Ich gab meine Ehrenkarte zurück. Damit ist der Fall für mich erledigt", meinte Breitner.

Hoeneß hatte kürzlich im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 eingeräumt, dass dieser Vergleich ein Fehler gewesen sei. Breitners Reaktion auf Hoeneß' späte Einsicht fiel wenig begeistert aus: "Hat er das? Na bravo."

Der 67-Jährige fügte hinzu: "Es gibt in dieser Sache keine zwei Meinungen. Ich kann doch als normal denkender Mensch diesen Auftritt nicht runterschlucken. Wenn jemand fragt, muss jeder sagen: 'Hallo, so geht's nicht.'"

"Ich bin nicht nachtragend"

Dennoch hat Breitner nach eigener Aussage seinen Frieden mit dem FC Bayern geschlossen. "Ich bin ein sehr nüchtern denkender Mensch. Ich ordne jede Situation für mich ein, kläre die Sache, und dann ist sie erledigt. Und ich bin nicht nachtragend", betonte der Weltmeister von 1974.

Seine Beziehung zu Uli Hoeneß, mit dem er sich früher als Profi sogar ein Zimmer geteilt hatte, bezeichnete er als "seit vielen Jahren abgeschlossen".

Wegen einer "Lappalie" auf einer Asienreise mit dem FC Bayern im Jahr 1983 habe das Duo zehn Jahre lang nicht mehr miteinander geredet. Danach habe man sich ausgesprochen, aber die einstige Freundschaft war zerbrochen. Breitner soll damals ausgeflippt sein, als der nach seinem Karriere-Ende zum Manager gewordene Hoeneß das Team in der Kabine anherrschte. Er beendete nach dem Vorfall seine Karriere. Hoeneß und er seien gewesen wie ein "altes Ehepaar, das sich am Ende zerstritten hat", sagt Breitner nun.

"Vielleicht waren wir auch deswegen befreundet, weil wir beide extrem sind und zudem extrem verschieden", blickt Breitner zurück: "Leute von außen haben immer gefragt, wie kann das gehen? Wir hatten schon als 16-, 17-Jährige konträre Ansichten. Warum ging das trotzdem? Weil der eine dem andern sagte: Mach, ist mir wurscht. So war das immer."

Hoeneß' Andeutung bleibt unbeantwortet

Kein Wort von Breitner gibt es zu Hoeneß' Aussage, dass es in jüngerer Vergangenheit einen endgültigen Riss zwischen den beiden gegeben hätte. "Ich habe mit Paul Breitner gebrochen, als ich aus dem Gefängnis kam - und das war's für mich", sagte Hoeneß Ende 2018 nach der Jahreshauptversammlung des Fußball-Rekordmeisters.

Breitner war neun Jahre lang als Markenbotschafter für den Rekordmeister tätig, beendete den Job aber, "weil der Reiz nachgelassen" habe.

Größere Verantwortung für Bayern habe er nie übernehmen wollen: "Ab den 1990er Jahren war es ja so, dass Bayern immer gute Leute mit Erfahrung im Fussball hatte. Und: Ich bin eine Nummer eins. Der FC Bayern hatte in allen Positionen bereits die Nummer eins, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge - die Besten! Weshalb sollte ich mich da einmischen? Ich habe mir mein eigenes Leben aufgebaut, weg vom Fußball."

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