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München - Die Tage von Domenico Tedesco bei Schalke 04 könnten nach dem Debakel gegen Düsseldorf gezählt sein. SPORT1 beurteilt die aktuelle Lage bei den Königsblauen.

Die Situation beim FC Schalke 04 ist mit angespannt noch freundlich umschrieben. Schlimmer geht es kaum.

Nach der herben 0:4-Schlappe gegen Fortuna Düsseldorf wackelt der Stuhl von Trainer Domenico Tedesco mehr denn je.

Der letzte Sieg in der Bundesliga gelang am 20. Januar. Schalke hat nach 24 Spielen nur 23 Punkte auf dem Konto, es ist die schlechteste Bilanz seit 36 Jahren. Der Vorsprung des Vizemeisters auf den VfB Stuttgart auf dem Relegationsplatz beträgt nur noch vier Punkte.

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"Leblos, mutlos, leer" nannte Tedesco den Auftritt des Champions-League-Achtelfinalisten, der in atemberaubendem Tempo dem Abgrund entgegen rast, "kein Charakter, null, nichts". Vereins-Ikone Klaus Fischer bezeichnete Schalkes Zustand bei SPORT1 als "besorgniserregend", die Fans forderten die Kapitänsbinde ein.

Doch nach dem Rückzug von Sportvorstand Christian Heidel ist eine Trainerentlassung aus mehreren Gründen nicht so einfach. 

SPORT1 ordnet die aktuelle Lage ein: Was ist Fakt und was (noch) nicht?

Geht es mit Tedesco weiter?

Nach dem Düsseldorf-Debakel stellte sich Tedesco der Fan-Wut aus nächster Nähe. "Ich habe mich bei den Fans entschuldigt - das ist das Mindeste, was wir machen können. Sie waren sehr aggressiv, sehr frustriert - das verstehe ich", sagte Tedesco über die Szenen, die sich ein wenig wie Abschied anfühlten.

Einen Rücktritt schloss Tedesco aber aus: "Ich bin keiner, der sich verpisst. So bin ich nicht erzogen worden."

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Mit einem Rollkoffer in der Hand verließ Tedesco am Sonntag Schalkes Trainingsgelände – war es bereits sein letzter Abgang? Der Trainer, noch im vergangenen Jahr bisweilen als Genie bezeichnet, verliert immer mehr die Unterstützung. Tedesco gehen angesichts des jüngsten spielerischen Offenbarungseids seiner Mannschaft so langsam die Argumente aus.

Dennoch sieht es derzeit danach aus, dass Tedesco auch am Freitag in Bremen auf der Bank sitzen wird.

Am Montag trat der Aufsichtsrat in einem Hotel in Düsseldorf außerplanmäßig zusammen. Zum einen, stellte sich der neue Sportvorstand Jochen Schneider vor. Zum anderen ging es um die Zukunft des Trainers, der noch bis 2022 unter Vertrag steht. 

Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, kamen die Verantwortlichen zu dem Schluss, dass Tedesco nach wie vor in der Lage ist, die Mannschaft auf Werder bestmöglich einzustellen. 

Wer müsste Tedesco entlassen?

Mit Sportvorstand Christian Heidel hat die Person ihren Rücktritt erklärt, die Tedesco bislang den Rücken gestärkt hat - aber auch die Person, die die Zuständigkeiten hätte, Tedesco von seinen Aufgaben zu entbinden.

Theoretisch könnte Heidel noch handeln, doch er wird demnächst offiziell abberufen - und zudem steht in Jochen Schneider bereits ein Nachfolger parat.

Das Problem dabei: Schneider ist noch nicht handlungsfähig, seine offizielle Ernennung kann aufgrund von Fristen sogar erst am 14. März stattfinden.

Sollte Tedesco vor diesem Tag entlassen werden, müssten Schneiders künftige Vorstandskollegen Peter Peters und Alexander Jobst die Beurlaubungspapiere unterschreiben.

Domenico Tedesco verließ am Sonntag das Trainingsgelände
Domenico Tedesco verließ am Sonntag das Trainingsgelände © Getty Images

Wann kann Schneider handeln?

Am Dienstag (13.30 Uhr im Liveticker auf Sport1.de) wird Schneider, der neue starke Mann, der von RB Leipzig kam, der Öffentlichkeit präsentiert und sich auch in der Trainerfrage äußern. "Er sagt am Dienstag was dazu. Ich fange jetzt nicht an, den Trainer ein- oder auszustellen", hatte Aufsichtsrats-Boss Clemens Tönnies am Wochenende gesagt.

Da die Vorstände Peters (Finanzen) und Jobst (Marketing) nach wie vor im Amt sind, könnte auch vor dem 14. März in Absprache mit Schneider eine Entscheidung über Tedesco getroffen werden.

Startet Schneider, der das Debakel gegen Düsseldorf auf der Tribüne miterlebte, sein neues Amt also mit einem Knall?

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Wer könnte Tedesco im Ernstfall beerben?

Die Bild bringt Eurofighter Mike Büskens ins Spiel, der bereits zwei Mal auf Schalke als Interimscoach eingesprungen war. Seppo Eichkorn, der bereits im Schalker Trainerstab ist, könnte ihn dabei unterstützen.

Auch Jahrhundert-Trainer Huub Stevens, der inzwischen ein Amt im Aufsichtsrat bekleidet, soll ein Kandidat sein, zumindest für eine beratende Tätigkeit.

Für die neue Saison soll Schneider an Salzburg-Coach Marco Rose denken. Dieser steht allerdings auch bei der TSG Hoffenheim hoch im Kurs, die noch einen Nachfolger für Julian Nagelsmann sucht.

Was gibt es noch zu tun?

Unabhängig davon, wie Schneider sich in der Causa Tedesco entscheidet: Sein Start in die neue Aufgabe wird alles andere als gemächlich.

Denn neben der möglichen Trainerfindung wird sich Schneider auch auf die Suche nach einem Sportdirektor machen.

Leverkusenes Ex-Sportdirektor Jonas Boldt, der gute Gespräche mit Tönnies geführt hat, kann es sich nach SPORT1-Informationen in der aktuellen Konstellation nicht vorstellen, einen derartigen Posten zu bekleiden.

Laut derwesten ist Sven Mislintat, der ehemalige Chefscout Borussia Dortmunds und des FC Arsenal ein Kandidat.

Es wartet viel Arbeit auf Schneider, die Chaostage in Gelsenkirchen sind noch lange nicht vorüber.

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