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Rettet Markus Weinzierl (r.) den VfB Stuttgart?
Rettet Markus Weinzierl (r.) den VfB Stuttgart? © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images
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München - Der VfB Stuttgart befindet sich nach einer bis dato turbulenten Saison mitten im Abstiegskampf. SPORT1 beleuchtet die Situation bei den Stuttgartern.

Vor den letzten acht Spieltagen beleuchtet SPORT1 in einer kleinen Serie die Brennpunkte der Bundesliga. Der zweite Teil der Serie nimmt den VfB Stuttgart unter die Lupe. (Teil 1 der Serie: Hier brennt es auf Schalke)

Ausgangslage:

Eine furiose Rückrunde in der Vorsaison und Transfers in Höhe von 35 Millionen Euro befeuerten am Cannstatter Wasen die Träume von einer Teilnahme am internationalen Geschäft. Trainer Tayfun Korkut hatte im Juni seinen Vertrag bis 2020 verlängert. Aber der Start in die neue Saison misslang völlig. Erst am 29. September, dem sechsten Spieltag, konnte der erste Sieg eingefahren werden.

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Durch das 2:1 gegen Werder Bremen verhinderten die Schwaben zwar den schlechtesten Saisonstart aller Zeiten, aber langfristige Besserung trat nach dem Sieg nicht ein. Im Gegenteil: Nur acht Tage später, nach einer 1:3-Pleite gegen Hannover, musste Korkut seinen Stuhl räumen. 

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Nur kurze Zeit später präsentierte Sportvorstand Michael Reschke mit Markus Weinzierl einen neuen Trainer. Doch auch der neue Coach konnte erst einmal nicht den Umschwung herbeiführen, sodass die Schwaben das Schlusslicht der Liga waren. Erst nach drei Pleiten in Folge konnte Weinzierl sein erstes Erfolgserlebnis feiern. Am Ende der Hinrunde stand der VfB auf Rang 16. 

In der Rückrunde sollte alles besser werden, doch das Gegenteil war der Fall. Nach vier Spielen ohne Sieg stand Weinzierl unter Druck, aber statt erneut den Trainer zu wechseln, entschied man sich für die Trennung von Sportvorstand Reschke. Ex-VfB-Profi Thomas Hitzlsperger übernahm. 

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In der Folge zeigte der Trend nach oben. Seit der Reschke-Entlassung holte Stuttgart fünf Punkte aus fünf Spielen und verschaffte sich etwas Luft zu den direkten Abstiegsrängen mit Nürnberg und Hannover. Aber auf Rang 15, gleichbedeutend mit dem direkten Klassenerhalt, fehlen den Schwaben immer noch drei Zähler.

Stimmung:

War das Fanlager der Stuttgarter zu Beginn der Saison noch optimistisch, ist spätestens mit dem desolaten Saisonstart klar, dass es nur um den Klassenerhalt geht. Die Fans machten dafür die Vereinsführung um Präsident Wolfgang Dietrich verantwortlich und äußerten scharfe Kritik. Auch auf der Führungsebene rumorte es gewaltig. So legte VfB-Legende Guido Buchwald seinen Posten im Aufsichtsrat nieder, nachdem er persönlich angegangen wurde.

Auch rund um den ehemaligen Sportvorstand Reschke gärte es immer wieder. Besonders die Trennung von Aufstiegstrainer Hannes Wolf und seine misslungene Transferpolitik wurden dem früheren Kaderplaner des FC Bayern zum Verhängnis. 

Ehemalige Spieler und Experten sparten natürlich auch nicht mit der Kritik am Meister von 2007, sodass der Eindruck entstand, es sei ständig Feuer unter dem Dach. Erst in den letzten Wochen kehrte wieder etwas mehr Ruhe ein.

Personalsituation: 

Neben den Veränderungen in der Führungsebene mit der Abberufung von Reschke und dem Austritt von Buchwald aus dem Aufsichtsrat sowie dem Trainerwechsel von Korkut zu Weinzierl boten die Schwaben auch außerhalb des Platzes einiges an Unterhaltungswert. 

Auf dem Platz setzt Weinzierl auf bewährte Kräfte und so mancher Sommer-Neuzugang ist darüber alles andere als erfreut. So griff Borna Sosa, der im Sommer für sechs Millionen Euro verpflichtet wurde, seinen Trainer scharf an. Auch Pablo Maffeo, im Sommer für neun Millionen Euro gekommen, hat unter dem neuen Trainer keine Chance. 

Stattdessen setzt der 44 Jahre alte Übungsleiter auf Routine. So hat auf der rechten Seite Altmeister Andreas Beck einen Stammplatz und auf der linken Seite spielt Emiliano Insua, ebenfalls ein Routinier. Auch nach der Systemumstellung auf 3-5-2.

VfB Stuttgart v Fortuna Duesseldorf - Bundesliga
Holger Badstuber ist in Stuttgart derzeit außen vor © Getty Images

In der Innenverteidigung ist der ehemalige Bayern-Profi Holger Badstuber nach einigen Patzern zu Saisonbeginn völlig außen vor. Winter-Neuzugang Özan Kabak (18) hat sich auf Anhieb einen Stammplatz erkämpft, ist aber mit Weltmeister Benjamin Pavard und Mittelfeldspieler Santiago Ascacibar der einzige Youngster in der Stammelf. 

Im Angriff bekommt Routinier Mario Gomez meist gemeinsam mit Leihspieler Alexander Esswein den Vorzug vor dem jungen Nicolas Gonzalez. Der aus Hoffenheim geliehene Steven Zuber hat sich mit fünf Toren aus neun Spielen zum Hoffnungsträger aufgeschwungen.

Im Gegensatz zu Konkurrent Schalke ist der Stuttgarter Kader verletzungsfrei und Weinzierl kann aus dem Vollen schöpfen. Doch die schwelende Unzufriedenheit einiger Bankspieler könnte noch zum Problem werden.

Restprogramm: 

Eintracht Frankfurt (A)

1. FC Nürnberg (H)

Bayer Leverkusen (H)

FC Augsburg (A)

Borussia Mönchengladbach (H)

Hertha BSC (A)

VfL Wolfsburg (H)

FC Schalke (A)

Darauf kommt es im Saisonendspurt an:

Oberste Maxime in Stuttgart: Klassenerhalt! Dafür setzt Trainer Markus Weinzierl auf eine eingespielte Stammformation und die Querelen in der Führungsebene ruhen zumindest aktuell.

Die Winter-Neuzugänge Esswein, Zuber und Kabak - Reschkes letzter Dienst für den VfB - haben den Kader sinnvoll verstärkt und machen Hoffnung, dass noch der Sprung auf Rang 15 gelingt. Mit Duellen gegen Nürnberg, Augsburg und Schalke warten noch drei direkte Konkurrenten auf den VfB. Bei einer positiven Bilanz in diesen Partien könnte der direkte Klassenverbleib gelingen. Andersherum droht der Gang in die Relegation - ein Szenario, das man am Cannstatter Wasen vermeiden möchte.

Immerhin: Der direkte Abstieg scheint angesichts von sechs Punkten Vorsprung auf Hannover kein Thema mehr zu sein.

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