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München - Marcel Reif analysiert in seiner SPORT1-Kolumne das Revierderby-Desaster von Borussia Dortmund gegen Schalke 04. Auch zur Handspielregel spricht er Klartext.

Hallo Fußball-Freunde,

auch die Pleite von Borussia Dortmund im Revierderby gegen den FC Schalke hat klar gezeigt: Der Mannschaft fehlt die Erfahrung. Wir hatten Jadon Sancho ja schon ein bisschen zu einem Fußballgott erhoben, und es ist auch wunderbar, was der bereits kann. Aber Sancho ist doch noch kein Spieler, der ein Meisterteam tragen kann. Das 0:5 in München war das beste Beispiel, da hast du ihn gar nicht gesehen. Das ist aber kein Vorwurf, sondern eine völlig normale Geschichte.

Ich glaube allerdings, dass der BVB in der Außendarstellung diese Fehler gemacht hat: Als sie neun Punkte Vorsprung hatten, waren mir die Dortmunder zu defensiv. So nach dem Motto: Gegen die Bayern haben wir eh keine Chance, wir schauen von Spiel zu Spiel. Da hättest du doch sagen können: Komm, lass es uns doch probieren. Was haben wir denn zu verlieren?! Das wäre auch nicht überheblich gewesen.

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Als der Vorsprung dann weg war, hieß es plötzlich: So, jetzt wollen wir auch Meister werden! Ich glaube jedoch, für solche Aussagen-Wechsel ist die Mannschaft des BVB in ihrer Alters- und Erfahrungsstruktur noch nicht weit genug.

Das führte bei Reus und BVB zum Totalausfall

Dortmund ist mit dem Gefühl in die Saison gegangen, nur etwas gewinnen zu können. Und die Bayern haben auch entsprechend etwas liegen gelassen. Dann aber kam der Moment, als es kippte. Von da an hatte ich das Gefühl, das alles ist eine Nummer zu groß für den BVB - es gibt was zu verlieren.

Gleichwohl finde ich es sensationell, welche Entwicklung vor allem auch Marco Reus genommen hat, auf und neben dem Platz. Gegen Schalke kam aber so viel im Kopf zusammen, was beim BVB und Reus dann zu einem Totalausfall führte.

Was den Handelfmeter beim Revierderby betrifft: Wir müssen uns leider an irgendwelchen Paragraphen festhalten. Uns ist allen klar, wenn ich bei Rot über die Ampel fahre, macht das Aua. Der Schiedsrichter kann also nichts für die Regelauslegung, die Verantwortlichen im Video-Keller auch nicht - alle müssen sich nach der Saison aber mal zusammensetzen und die Handregel neu diskutieren.

Hecking und Gladbach: Ergibt das noch Sinn?

Borussia Mönchengladbach wiederum bringt nicht mehr das, was sie können und was sie in der Vorrunde abgeliefert haben. Das hat Gründe, möglicherweise hat die Mannschaft die Geschichte mit dem angekündigten Trainerwechsel in den falschen Hals gekriegt.

Auch wenn sich Dieter Hecking weiterentwickelt hat: Es ist vom Klub legitim zu sagen, dass man eine andere Idee hat. Wie das abgewickelt wurde zwischen Max Eberl und Hecking, lässt allerdings viele Fragen offen.

Deshalb haben wir jetzt diese Situation, dass der Trainer auf Abruf zu einer "lahme Ente" zu werden droht: Hecking kriegt die Mannschaft jedenfalls nicht dazu, das zu spielen, was sie könnte. Doch am Ende geht es um 50, 60 Millionen Euro und das internationale Geschäft - insofern weiß ich nicht, ob die Sache mit Hecking in Gladbach bis zum Saisonende noch Sinn ergibt.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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