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München - Düsseldorfs Aufsichtsratschef erklärt bei SPORT1, warum trotz Klassenerhalt Vorstandschef Schäfer seine Koffer packen muss. Der Fortuna-Boss gibt ein Vertrauens-Problem zu.

Aufsichtsratschef Dr. Reinhold Ernst von Fortuna Düsseldorf hat bei SPORT1 bestätigt, dass die Trennung von Vorstandschef Robert Schäfer auch mit dem fehlenden Vertrauen zusammenhängt.

"Marbella hat sicher zu einem Vertrauensverlust geführt und hat Diskussionen über andere Themen angestoßen, bei denen wir glauben, dass es mit einer anderen Person besser läuft", erklärte der Fortuna-Boss im CHECK24 Doppelpass.

Am Tag vor dem Sonntags-Schlager gegen den FC Bayern München war bekannt geworden, dass sich die Fortuna von Schäfer trennen wird - gerade, als Düsseldorf eigentlich den bereits sicheren Klassenerhalt feiern könnte. (Bundesliga: Fortuna Düsseldorf - FC Bayern München, ab 15.30 Uhr im LIVETICKER).

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Posse um verkündetes Funkel-Aus als Auslöser

Der Zeitpunkt von Schäfers Abgang scheint noch ebenso wenig geregelt wie seine Nachfolge. Als Kandidat ist neben Ex-Geschäftsführer Thomas Röttgermann zunehmend auch Fortuna-Idol Klaus Allofs im Gespräch.

Bei der Trennung von Schäfer, der seit der Posse um den zunächst verkündeten Abschied des populären Trainers Friedhelm Funkel während des Wintertrainingslagers in Marbella viel Kredit beim zweimaligen Pokalsieger verspielt hatte, mochte der Aufsichtsrat offenbar keine Zeit mehr verlieren. 

"Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem wir uns überlegt haben: Wie sind wir für die Zukunft am besten aufgestellt, auch personell? Und da sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir uns neu orientieren. Das haben wir auch mit Robert Schäfer intensiv diskutiert und sind jetzt auch in Gesprächen, wie wir das einvernehmlich hinbekommen", erklärte Ernst.

Erst im August vergangenen Jahres war der Vertrag mit Vorstands-Chef Robert Schäfer frühzeitig um zwei Jahre bis 2021 verlängert worden.

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Querelen zwischen Ernst und Schäfer

Als gesichert gilt allerdings, dass es zwischen Ernst und Schäfer bereits länger Querelen gab zu denen zweifellos die widersprüchlichen Darstellungen über die internen Abläufe des Desasters von Marbella gehören.

"Wir haben jetzt drei Jahre lang eine ganz tolle Entwicklung genommen, zusammen mit Friedhelm Funkel, mit Robert Schäfer und mit Anderen, Stück für Stück", betonte Ernst am Sonntag: "Wir waren ab Abgrund zur 3. Liga, haben ein Nachwuchsleistungszentrum gebaut, die finanzielle Basis verbessert und sind in die Bundesliga gekommen. Es hätten aber Dinge besser gemacht werden können."

Im Winter hatte Düsseldorf bereits den frühren Torhüter Lutz Pfannenstiel als Sportvorstand installiert, "eine ganz wichtige Entscheidung", wie Ernst herausstellt.

Schäfer-Abgang könnte zu Hängepartie werden

Nun wolle man sich "breiter aufstellen", erklärte er: "Wir haben Robert Schäfer für diese Phase viele Kompetenzen gegeben, das war auch richtig, denn wir hatten gemeinsam eine sehr erfolgreiche Zeit."

Der Abgang des 43-Jährigen könnte zu einer Hängepartie und kostspieligen Angelegenheit werden. Schäfer soll bereits in den vergangenen Tagen eine Auflösung seines erst im vergangenen Herbst bis 2021 verlängerten Vertrages abgelehnt habe.

Als Abfindung muss Fortuna möglicherweise einen siebenstelligen Betrag überweisen.

Funkel erklärt Verhältnis zu Schäfer

Im Kreis der Mannschaft, die ihren Klassenerhalt am Fernseher erlebte und bejubelte, sorgten die Querelen vor der Begegnung mit den Bayern für sportlich völlig überflüssige Unruhe.

Funkel stellte noch vor dem Hit klar, Schäfers bevorstehenden Abschied keinesfalls als Sieg in einem persönlichen Machtkampf mit dem Hessen verstanden wissen zu wollen. 

"Dass wir keine Vertrauensverhältnis haben, ist falsch", sagte der 65-Jährige der Sportbild: "Zwischen Robert und mir ist den vergangenen Wochen wieder eine vernünftige Zusammenarbeit entstanden. Wir haben uns wieder angenähert."

Kommt Allofs zur Fortuna?

Künftig muss sich Funkel auf einen neuen Boss einstellen. "Kandidat der Herzen" ist fraglos Allofs. Der 62-Jährige feierte mit Fortuna die Pokalsiege 1979 und 1980 als bislang letzte Titel des Klubs, holte bei der "launischen Diva vom Rhein" 1979 die Torjäger-Kanone, wurde beim Klub aus seiner Heimatstadt 1980 Europameister sowie EM-Torschützenkönig und könnte die Identifikationsfigur schlechthin verkörpern. 

Als Manager leistete Allofs in unterschiedlichen Vorstandspositionen bei Werder Bremen (1999 bis 2012) und dem VfL Wolfsburg (2012 bis 2016) ganz überwiegend erfolgreiche Resultate. 

Röttgermann, der in Wolfsburg mit Allofs bis zur Trennung vom Ex-Nationalspieler zusammenarbeitete, hat hingegen eher in der Administration besondere Fähigkeiten. Das Management-Handwerk lernte der Westfale beim Fortuna-Nachbarn Borussia Mönchengladbach.

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