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München - Marco Reus will die beste Saison seiner Karriere krönen und den BVB zur lang ersehnten Meisterschaft schießen. Damit würde er einen persönlichen Makel ablegen.

Der Unvollendete ist zurück.

Rechtzeitig zum Saisonfinale darf Marco Reus bei Borussia Dortmund wieder mitmischen. Bei seinem Ex-Klub Borussia Mönchengladbach will der BVB-Kapitän seine Dortmunder zum Sieg schießen - und mit Glück auch zum größten Erfolg seiner persönlichen Karriere. (Bundesliga: Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund, Samstag 15.30 Uhr im LIVETICKER)

Mit dem Meistertitel würde sich Reus einen Herzenswunsch erfüllen und dazu seine persönliche Trophäensammlung ordentlich aufpolieren. Denn bis auf zwei Supercupsiege steht als größter Erfolg des 29-Jährigen lediglich der DFB-Pokalsieg aus dem Jahr 2017 zu Buche.

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Als der gebürtige Dortmunder Reus 2012 in seine Heimat zurückkehrte, war das Team des damaligen Trainers Jürgen Klopp gerade zum zweiten Mal in Folge Deutscher Meister geworden und holte sogar das Double. Mit Königstransfer Reus sollten weitere Titel folgen - taten es jedoch nicht.

Dabei hatte er gleich in seinem ersten Jahr die Chance auf den ganz großen Wurf. Doch Arjen Robben versetzte mit seinem Treffer zum 1:2 kurz vor Schluss des deutschen Finales in der Champions League 2013 dem BVB einen Stich ins Herz. Reus stand in Wembley in der Startelf, holte den Elfmeter zum zwischenzeitlichen Ausgleich heraus.

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Die Folgejahre von Reus beim BVB wurden von zwei Dingen bestimmt. Zum einen von der Tatsache, dass sich der FC Bayern, gereizt vom Konkurrenten aus Dortmund, anschickte, die Bundesliga mit sechs Titeln in Serie auf eine nie dagewesene Art und Weise zu dominieren.

Verletzungspech bleibt Reus treu

Zum anderen war da Reus' unglaubliches Verletzungspech. Am 6. Juni 2014 zog er sich im letzten WM-Vorbereitungsspiel der DFB-Elf gegen Armenien einen Syndesmoseriss zu. Während seine Nationalmannschaftskollegen in Rio den Titel feierten, blieb dem Dortmunder nur die Zuschauerrolle.

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In der Folge warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück. Auch die EM 2016 musste er kurz vor dem Start mit einer Schambeinverletzung absagen, insgesamt pausierte er deswegen ein halbes Jahr.

2017 gewann er mit dem BVB seinen ersten großen Titel, doch diesen musste er teuer bezahlen. Im Finale gegen Eintracht Frankfurt riss er sich das Kreuzband und fiel die komplette Hinserie der Saison 2017/18 aus.

In der aktuellen Spielzeit ist Reus endlich von größeren Verletzungen verschont geblieben, wenn man von einem Anfang Februar erlittenen Muskelfaserriss einmal absieht. Reus ist in dieser Saison fit wie nie - und das merkt man. Er spielt die Saison seines Lebens, erzielte 27 Scorerpunkte in 26 Bundesligapartien. Nur Jadon Sancho hat beim BVB noch mehr.

Reus mit überragender Hinrunde

Vor allem in der Hinrunde drehte Reus mit elf Treffern auf, wurde dreimal zum "Spieler des Monats" der Bundesliga gewählt. Neun Punkte war der BVB dem Konkurrenten aus München in der Tabelle zwischenzeitlich enteilt, mit sechs Punkten Vorsprung wurde das Team von Lucien Favre Herbstmeister. Unter Favre ging Reus' Stern einst in Gladbach auf, auch in Dortmund scheint diese Kombination zu fruchten.

Doch Anfang Februar leistete sich Dortmund eine Schwächephase - auch, weil Reus verletzt ausfiel. Innerhalb von nicht einmal einem Monat schmolz der Vorsprung auf die Bayern von sieben auf null Punkte.

Für kurze Zeit wieder vorn, gerieten die Dortmunder durch die 0:5-Klatsche gegen die Bayern erneut ins Hintertreffen. Vor zwei Wochen im Revierderby gegen Schalke erwies Reus seiner Mannschaft mit seinem Platzverweis dann einen Bärendienst. Es war Reus' erste glatt Rote Karte seiner Bundesliga-Karriere.

Doch der BVB-Kapitän hatte Glück im Unglück, der DFB beließ aufgrund der Ersttäterschaft bei nur zwei Spielen Sperre.  

Reus nimmt keine Rücksicht auf Ex-Klub

So hat Reus die Möglichkeit, sich gegen seinen Ex-Klub seinen Traum zu verwirklichen. Dass er den Fohlen einen möglichen Champions-League-Platz zunichte machen kann, darauf kann und wird Reus keine Rücksicht nehmen.

"Mit Dortmund als Dortmunder Junge das Ding irgendwann einmal hochzuhalten, das wäre brutal schön, gigantisch", hatte Reus vor einiger Zeit der FAZ erzählt.

In dieser Saison war die Chance des BVB und für Reus auf die Schale so groß wie noch nie - und ist sie immer noch. Das weiß auch Reus. Doch er weiß auch, dass er nicht jünger wird. Ende des Monats feiert er seinen 30. Geburtstag. Ob er mit dem BVB in naher Zukunft wieder eine so große Chance auf die Meisterschaft erhalten wird, ist ungewiss.

Reus wird am Wochenende gegen Gladbach noch einmal alles in die Waagschale werfen. Das Tragische daran: Wie viele Tore er gegen seinen Ex-Klub auch erzielt, sie könnten alle zu wenig sein. Und zwar dann, wenn die Bayern gegen Eintracht Frankfurt nicht verlieren. Denn dann bliebe Reus weiter der Unvollendete.

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