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München - Einen Tag vor dem Saisonfinale macht ein Bericht die Runde, dass der FC Bayern die Trennung von Niko Kovac bereits beschlossen habe. Was hat das für Folgen?

Dicht umzingelt von Mikros und Aufnahmegeräten hatte Uli Hoeneß am vergangenen Samstag in Leipzig den anwesenden Reportern die rhetorische Frage gestellt, ob sie ernsthaft der Meinung wären, dass es beim FC Bayern in dieser Woche eine Trainerdiskussion geben würde.

Spätestens seit Freitagmittag kann es aber auch der Bayern-Präsident nicht mehr leugnen. Es gibt sie, die Kontroverse um Niko Kovac.

Das Onlineportal Spox verbreitete die Nachricht, dass Kovacs Entlassung bereits feststünde. Ein Urknall im Bayern-Kosmos, dessen Auswirkungen Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge mit einem Dementi noch versuchte einzudämmen. Abwenden konnte er den Schaden damit jedoch nicht.

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Das Problem Kovac ist hausgemacht

Trainer-Theater bei den Bayern. Nur einen Tag nach dem Menschlichkeits-Appell von Kovac ("Nicht immer nur draufhauen"). Nur einen Tag vor dem Meisterschafts-Endspiel in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt (Bundesliga: FC Bayern - Eintracht Frankfurt ab 15:30 Uhr im Liveticker). Nur acht Tage vor dem DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig.

Die Münchner haben nun, was sie einerseits vermeiden wollten, aber mit ihren Aussagen, wie die von Sportdirektor Hasan Salihamidzic zur Kovac-Zukunft ("Wir werden sehen"), selbst heraufbeschworen haben: Eine Trainer-Diskussion, an deren Ende vor allem Kovac der Leidtragende ist, denn die Berichterstattung wird an ihm nicht vorbeigegangen sein.

Dabei hat sich Kovac am Tag vor einem auch für ihn so wichtigen Spiel gewiss mit anderen Themen auseinandersetzen müssen. Wie knackt man Frankfurt? Plane ich mit den scheidenden Franck Ribéry, Arjen Robben und Rafinha in der Startelf? Wie verhindere ich den Super-Gau?

Kovac braucht Titel

Kovac ließ bereits am Donnerstag erkennen, dass ihm die zerpflückende und teils auch kritische 360-Beurteilung seiner Arbeit in seinem ersten Jahr zu schaffen gemacht hat. Wohlwissend, dass er aus eigener Kraft eine schwierige Saison noch mit dem Double abschließen kann.

Gelänge ihm dies, wäre er nach Vereinslegende Franz Beckenbauer der zweite Bayern-Trainer, der als Trainer und Spieler (2003) die Meisterschaft gewonnen hätte – und dass trotz eines zwischenzeitlichen Rückstands von neun Punkten auf Borussia Dortmund.

Kovac wird und muss das Theater um seine Person spätestens am Samstag ausblenden, denn nach SPORT1-Informationen ist seine Zukunft auch davon abhängig, wie die beiden kommenden Endspiele ausgehen. Ergo wird er alles dafür tun, seine Mannschaft auf Frankfurt perfekt vorzubereiten und erfolgreich umzusetzen, was er bereits ankündigte: Voll auf Sieg zu spielen, obwohl bereits ein Punkt (wegen des besseren Torverhältnisses) zum Titel reichen würde.

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Bayern-Stars wollen die Meisterschaft

Wie reagiert die Mannschaft? Die Berichterstattung über ihren Trainer wird in der Kabine Thema gewesen sein. Allerdings sollte sie keinen Einfluss auf die Leistung am Samstag haben. Dafür steht zu viel auf dem Spiel, dafür wird jeder Einzelne motiviert genug sein, den Dortmundern mal wieder eins auszuwischen.

Ribéry kann sogar seinen neunten Meistertitel mit dem FC Bayern einfahren und würde sich in diesem Fall vor Oliver Kahn, Philipp Lahm, Mehmet Scholl und Bastian Schweinsteiger schieben, die diesen Titel bislang acht Mal gewannen. David Alaba, Thomas Müller und Robben könne ihre jeweils achte Meisterschaft feiern.

Hinzukommt der Heim-Vorteil. Erstmals kann der Rekordmeister die Deutsche Meisterschaft in der heimischen Allianz Arena perfekt machen. Überhaupt ist es die erste Titelentscheidung am letzten Spieltag – seit der Saison 2009/10.

Die Vorzeichen sind auch klar: Bayern hat zwei Punkte und 17 Tore Vorsprung auf Verfolger Dortmund. Der siebte Meister-Triumph in Folge wäre zudem ein neuer Rekord in der Bundesliga. Insgesamt wäre es die 28. Meisterschaft.

Thema Kovac wichtiger als der Titelkampf?

Die Trainer-Diskussion um Kovac jedoch wird aber auch am Samstag wie eine dunkle Wolke über der Allianz Arena hängen und vielleicht sogar am Ende das spannendere Thema sein, als der Meisterschaftskampf.

Es wäre traurig, aber selbst verschuldet.

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