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Niko Kovac wird öffentlich demontiert, indem Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic erneut keine klare Aussage über seine Bayern-Zukunft treffen. Der Trainer sollte handeln. Der SPORT1-Kommentar.

"Meinen Sie, dass wir in dieser Woche eine Trainerdiskussion haben werden?"

Als Uli Hoeneß diese, aus seiner Sicht rhetorische Frage, einigen Reportern Samstagabend am Mannschaftsbus stellte, wollte man fast glauben, dass es tatsächlich keine geben wird. Schließlich hat sich der Präsident zum glaubhaften Pflichtverteidiger von Niko Kovac entwickelt, indem er ihn zuletzt entweder öffentlich stärkte oder demonstrativ schwieg.

Wenig später stand aber fest: Die Bayern haben (mal wieder) eine Trainerdiskussion - und sie ist (mal wieder) hausgemacht! Grund: Fast zeitgleich zu Hoeneß trat Karl-Heinz Rummenigge (mal wieder) aus freien Stücken vor die Kamera, um (mal wieder) nicht versprechen zu können, dass Kovac auch in der kommenden Saison Trainer des FC Bayern sei. Der Vorstandsboss betonte, nichts von Job-Garantien zu halten. Er wolle stattdessen die "Spannung hochhalten" und verwies lediglich auf die bis 2021 andauernde Vertragsdauer des Trainers. 

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Spätestens jetzt sollte sich Kovac selbst Gedanken zu seiner Zukunft machen!

Denn auch Hasan Salihamidzic goss ein paar Stunden später Diskussions-Öl ins Trainer-Feuer. Im ZDF-Sportstudio sagte er, dass man abwarten müsse, was mit Kovac passiere. Seine Unterstützung habe er aber. Für seine Chefs könne er aber nicht sprechen. 

Zur Erinnerung: In allen Fällen wussten die Bayern-Verantwortlichen, was sie in den Interviews an Fragen erwartet. Dementsprechend müssen sie auch gewusst haben, welchen Donnerhall ihre Antworten erzeugen und ihre Aussagen für den Trainer bedeuten: Eine öffentliche Demontage, die sein ohnehin schweres Standing innerhalb des Teams nicht verbessern wird.

Kovac hat in seiner Debütsaison vielen Widerständen getrotzt und kann noch immer das Double holen. Er hätte es verdient, die letzten zwei entscheidenden Wochen der Saison mit maximaler Unterstützung oder Ruhe angehen zu können. Er hat es wiederum nicht verdient, derart geschwächt und in Frage gestellt zu werden.

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Es ist nicht zu verurteilen, dass Rummenigge oder auch Salihamidzic in Frage stellen, ob Kovac der richtige Mann für den Umbruch, die Zukunft und höchste Ansprüche in der Champions League ist. Dafür hat er Fehler gemacht, die Mannschaft spielerisch zu selten auf ein ansehnliches Niveau gehoben und nur wenige Spieler verbessert. Gegen Liverpool spielte man auf großer Weltbühne zudem zweimal Angsthasen-Fußball. Power-Fußball der Marke Klopp oder ten Hag? Oftmals Fehlanzeige.

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Kovac hat aber die Herbst-Krise überstanden, mit seinem Team die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte hingelegt und Dortmund abgeschossen. Er vertritt Werte, die dem Verein gut zu Gesicht stehen und hat kritische Führungsspieler wieder hinter sich bringen können. Trotzdem scheint er nicht genügend Kredit für eine langfristige Bayern-Zukunft zu haben.

Kovac sollte nach dem Pokalfinale daher über einen Rücktritt nachdenken und seinen Bossen zuvorkommen – auch wenn dies seinem Naturell des Kämpfers widerspräche. Kovac würde dennoch erhobenen Hauptes gehen. Vielleicht sogar mit dem Double.

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