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München - Der Arbeitsplatz von Niko Kovac beim FC Bayern scheint trotz der Chance auf zwei Titel nicht gesichert. Ein Pro und Contra zur Zukunft des Münchner Trainers.

Niko Kovac hat das Double vor Augen - und sieht sich dennoch anhaltender Diskussionen um seine Zukunft ausgesetzt.

Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß vermeiden ein öffentliches Bekenntnis, Sportdirektor Hasan Salihamidžic sind die Hände gebunden.

Wird Kovac gar zum ersten Meistertrainer, der gehen muss? Und wäre das womöglich sogar die einzig richtige Entscheidung?

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Ein Pro und Contra zur Zukunft des Bayern-Trainers.

CONTRA: Kovac kann Bayerns Zukunft nicht gestalten

Sascha Haas, Leiter News/Leiter Fußball TV:

Für den FC Bayern ist das Beste gerade gut genug. Das ist der eigene Anspruch. Und da liegt das grundlegende Problem.

Niko Kovac war nie die A-Lösung für die Nachfolge von Jupp Heynckes, sondern maximal Kandidat zwei oder drei für die Trainerposition beim Rekordmeister.

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In Frankfurt konnte er in Ruhe und mit maximaler Rückendeckung des Vereins schalten und walten. Auch die Spieler standen nahezu uneingeschränkt hinter ihm. In München ist das anders. Viele Alphatiere in der Führung und Spieler im Kader, die aufgrund ihres Charakters und ihrer Reputation große Macht innehaben.

Ein Umfeld, in dem es ohnehin schwer ist, sich Respekt zu erarbeiten. Fehlt dann auch noch die Unterstützung der Oberen, beginnt die Mission nahezu unmöglich zu werden.

Die Krise im Herbst überstand er nur mit tiefen Kratzern. Wirklich erholt hat er sich von ihnen nie. Fortan war er immer im Erklärungsmodus, auf Dauer kann das nicht gut gehen.

Zwar kann er mit seinem Team am Samstag den Meistertitel klar machen, der ist in München aber schon lange zur Routine geworden. Die Königsklasse ist das Nonplusultra - und an der Säbener Straße sieht man sich unter den Top 5 in Europa. Womit wir wieder am Anfang und beim grundlegenden Problem wären.

Der FC Bayern ist von Europas Spitze derzeit ein gutes Stück entfernt, das wurde den Bossen beim Aus gegen Liverpool schmerzlich vor Augen geführt.

Der Kader braucht ein neues Gesicht, alte Helden müssen verabschiedet und absolute Topspieler geholt werden. Unabhängig davon, wie viele Titel Kovac noch holen sollte, ist er bereits zu stark angeschlagen, um die Zukunft des FC Bayern zu gestalten.  

Hält der Rekordmeister weiter an ihm fest, droht ein ähnliches Szenario wie bei Carlo Ancelotti. Trotz erheblicher Zweifel setzte man damals darauf, dass sich alles zum Guten wenden würde. Wenig später wurde nach nur wenigen Wochen der neuen Saison die Reißleine gezogen.

Ein Szenario, das Kovac nicht verdient hätte.

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PRO: Kovac kann den Umbruch vollenden

Martin van de Flierdt, verantwortlicher Redakteur:

Wenn du sechs Mal in Folge Meister geworden bist, und das auch zumeist sehr souverän mit einem beträchtlichen Vorsprung, hast du natürlich einen anderen Anspruch.

Dann möchtest du nicht bis zum letzten Spieltag um die Titelverteidigung zittern müssen und wärst auch ganz glücklich, wenn dir der Endspielgegner im DFB-Pokal-Finale nicht wie jetzt RB Leipzig auf Augenhöhe begegnet. Von dem ernüchternden Aus in der Champions League ganz zu schweigen.

Aber wenn du einen Umbruch einleitest, solltest du eben auch ein gewisses Maß an Geduld und Verständnis dafür aufbringen, dass es auch Reibungsverluste geben kann. Niko Kovac mag die Münchner im Herbst auch durch seine übermäßige Rotation in die Krise geführt haben. Er hat dabei sicher einige Schrammen abbekommen. Und die Art und Weise des Ausscheidens aus der Königsklasse hat sein Standing sicher nicht verbessert.

Aber Kovac hat aus dem Herbst die richtigen Konsequenzen gezogen (wenn auch womöglich erst auf Intervention der Vereinsbosse) und womöglich auch aus dem Liverpool-Spiel gelernt.

Als beratungsresistent hat er sich bislang ja nicht erwiesen. Dass er die alternden Klublegenden Arjen Robben und Franck Ribéry noch ein Jahr mitnehmen musste, ist nicht ihm anzulasten. Dass er es verstanden hat, künftige Hoffnungsträger wie Serge Gnabry, Leon Goretzka oder Kingsley Coman weiterzuentwickeln, steht außer Frage.

Und das ist es doch, worauf es in naher Zukunft ankommt. Nun gilt es, mit Benjamin Pavard, Lucas Hernández und sicher noch weiteren Neuzugängen den Umbruch zu vollenden.

Mit Ruhe im Umfeld wäre das durchaus möglich - auch für Kovac.

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