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München - Es hakt bei der angekündigten Transfer-Offensive des FC Bayern. Das Hin und Her der Bosse ist vermutlich gewollt - es gibt jetzt aber noch ein neues Problem.

Am Anfang der Geschichte steht das Zitat und das geht so: "Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben für die kommende Saison...".

Uli Hoeneß' Äußerung von Ende Februar im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 wabert seither durch die Gegend und hat sich seitdem längst zum nächsten seiner zahlreichen Bonmots entwickelt.

Hoeneß referierte damals über eine Transferoffensive seiner Bayern, wie sie die Welt noch nicht gesehen und das Festgeldkonto noch nicht ausgehalten hatte. Die Planungen seien schon weit fortgeschritten, neben den feststehenden Wechseln von Benjamin Pavard und Jann-Fiete Arp sei auch Lucas Hernández schon fest an der Angel. Nun, mehr als ein Vierteljahr später, haben die Bayern verpflichtet: Pavard, Arp und Hernández. Aber eben auch noch keinen weiteren Spieler.

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Es stockt ein bisschen

Es hat sich recht wenig getan an der Säbener Straße, dabei ist die Saison spätestens seit dem vergangenen Samstag mit dem Finale in der Champions League für den Klub-Fußball abgeschlossen, es müsste keinerlei Rücksicht mehr genommen werden auf Spieler, Trainer oder Verantwortliche, die noch im Wettkampfmodus sind. Feuer frei, eigentlich.

Aber derzeit stockt es eher bei den Bayern und die Frage steht im Raum, ob die Münchener nun doch nicht so ganz können wie sie eigentlich wollten - oder ob die letzten Manöver reines Kalkül der Granden Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic sind?

Die Bayern kaufen und verkaufen immerhin seit Jahrzehnten und das nicht eben schlecht, kaum eine Führungsriege - zumindest nicht in Deutschland - dürfte erfahrener sein als Hoeneß und Rummenigge. Beide sind gemäß ihrer Jobbeschreibung zwar nicht federführend in Sachen Personalpolitik und Transfers, das ist Sportdirektor Salihamidzic - es dürfte aber keinen Zweifel daran geben, dass das Duo auch in der Findungsphase nicht nur eingebunden ist, sondern auch ein gewichtiges Wort mitzureden hat.

Hudson-Odoi? Sané? Beide?

Zuletzt hatten die Bayern ein bisschen Pech, das muss man ihnen zugute halten. Callum Hudson-Odois Verletzung gerierte eine völlig neue Gemengelage, nachdem der Spieler sich offenbar einen Wechsel sehr gut hätte vorstellen können. Nach dessen Achillessehnenriss und weil Eden Hazard aber wahrscheinlich zu Real Madrid wechseln wird, eröffnet sich für Hudson-Odoi beim FC Chelsea eine andere Perspektive.

Ganz abgeschrieben haben die Bayern den Spieler nicht, wie Rummenigge jüngst auf einem Event der Bild durchblicken ließ. Die Vorzeichen für die Bayern haben sich aber geändert.

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Dafür rückte in Leroy Sané fast im Gegenzug ein anderer Spieler für die Außenbahn und als potenzieller Nachfolger für Franck Ribéry und Arjen Robben in den Fokus. Seit Wochen ranken sich allerhand Gerüchte, sickern vermeintliche Durchbrüche oder Zahlen durch - und Bayerns Kommunikationspolitik erscheint dabei zumindest diskutabel.

"Man muss ein bisschen skeptisch sein. Es ist eher unwahrscheinlich, dass es klappt", sagte Hoeneß im Werben um Sané dem Kicker und suggerierte damit, dass es letztlich um das liebe Geld gehe und dass er tatsächlich überrascht sei, um wie viel Geld es gehe. "Es geht um Beträge, die sind Wahnsinn."

Bayern mit unklarer Kommunikation

Von einem 80-Millionen-Euro-Angebot der Bayern an Manchester City schrieben englische Medien, was angesichts der Marktlage und dem Entwicklungspotenzial des Spielers, der noch dazu deutscher Nationalspieler ist und hervorragend vermarktbar, eine durchaus angemessene Entschädigung wäre. Und immerhin haben die Bayern für den Abwehrspieler Hernández in einem ähnlichen Rahmen investiert.

Nun soll es aber gar keine Offerte gegeben haben, wie Rummenigge jetzt der Sport-Bild versicherte. "Wir haben kein Angebot für Leroy Sané abgegeben. So weit ist es noch lange nicht", wird Rummenigge da zitiert. Und mehr noch: Derzeit sei noch gar nicht sicher, ob für Sané ein Wechsel nach München überhaupt in Frage käme. "Erst muss der Spieler sich entscheiden, ob er sich vorstellen kann, zum FC Bayern zu kommen. Wenn dies der Fall ist, gehen wir mit Manchester City in konkrete Verhandlungen."

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Die Abwehr spektakulär verstärkt

Es sind die üblichen Spielchen, mit denen Klub-Verantwortliche die Medien auch ein wenig benutzen, um Stimmung zu machen oder irgendwann auch Druck zu erzeugen. Insofern sollte man auf die größeren und kleineren Wendungen nicht zu viel geben. Aber auch beim FC Bayern drängt ein wenig die Zeit. Zwar ist der Trainingsauftakt erst am 8. Juli und damit so spät, wie bei keinem anderen Bundesligisten, bis dahin sollte der Kader aber grundsätzlich stehen.

In der Abwehr haben die Bayern mit Pavard und Hernández nicht nur spektakulär sondern auch nachhaltig und wohl auch schlau eingekauft. Mit jungen, entwicklungsfähigen und doch schon sehr erfahrenen Spielern. Im Mittelfeld und im Angriff gibt es aber noch jede Menge zu tun - zumal jetzt, wo die Kaufoption für James Rodríguez nicht gezogen wird, wie Rummenigge SPORT1 exklusiv bestätigte.

Noch eine Baustelle wegen James

42 Millionen Euro wären für einen Spieler dieser Güteklasse ein überschaubares Risiko gewesen, wenngleich die Beweggründe der Bayern, insbesondere von Trainer Niko Kovac, für einen Verzicht nachvollziehbar sind.

James war zu schwankend in seinen Leistungen, zeigte kaum die klassische Bayern-Mentalität und holte dadurch zu wenig aus seinen herausragenden Voraussetzungen raus. Was bleibt, ist ein veritables Problem: Mit Thiago haben die Bayern nun nur noch einen kreativen Spieler im Zentrum und drumherum eher laufstarke und Box-to-Box-Spieler, Javi Martínez, Renato Sanches, Corentin Tolisso, Leon Goretzka.

Hoeneß legt die Messlatte hoch

Die Bayern werden James' Abgang kompensieren müssen und mit den derzeit zur Verfügung stehenden Bordmitteln dürfte das schwer werden. Es ist die nächste große Aufgabe für Salihamidzic, dem in diesen Tagen wichtigsten Mitarbeiter im Klub.

Hoeneß‘ Vorpreschen im CHECK24 Doppelpass erleichtert die Arbeit nicht gerade, sondern legt die Messlatte so hoch wie noch nie.

Selbst die erfahrenen Bayern wollen in diesem Sommer neue Dimensionen erreichen. Und der Weg ist noch sehr weit.

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