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Kitzbühel und München - Armin Veh hat Köln als Geschäftsführer zurück in die Bundesliga geführt. Mit SPORT1 spricht er über Personalmaßnahmen, harte Entscheidungen und das Saisonziel.

Armin Veh ist ein alter Hase im Fußball-GeschäftIhm macht man so schnell nichts vor. Und genau diese Souveränität und Entspanntheit zeigt der 58-Jährige während der Saisonvorbereitung des 1. FC Köln in Österreich.

Seit knapp anderthalb Jahren hat Veh als Geschäftsführer Sport bei den Geißböcken das Sagen. Für viele Diskussionen sorgte seine Entscheidung, Markus Anfang trotz Tabellenführung in der 2. Liga als Coach zu beurlauben.

Der Aufstieg gelang den Kölnern auch mit Interimstrainer Andre Pawlak. Nur zwei Wochen später holte Veh Achim Beierlorzer als neuen Cheftrainer, der zuvor zwei Jahre erfolgreich bei Jahn Regensburg gearbeitet hatte.

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SPORT1 traf Veh im Trainingslager der Geißböcke in Kitzbühel und sprach mit ihm unter anderem über die Machtverhältnisse beim FC, Neu-Coach Beierlorzer und die Ziele für die kommende Saison.

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SPORT1: Herr Veh, wie bewerten Sie die bisherige Vorbereitung?

Armin Veh: Die Bedingungen waren top. Es gab keine Beanstandungen – weder, was den Platz angeht, noch das Hotel. Das erste Trainingslager in Donaueschingen hat sechs Tage gedauert, und wir haben auch da richtig gut gearbeitet. Dort waren die Bedingungen ebenfalls ganz hervorragend. Wenn wir so spielen, wie die Bedingungen jetzt waren, dann glaube ich, dass wir keine schlechte Saison vor uns haben. (lacht)

SPORT1: Und wie fällt Ihr Urteil über Achim Beierlorzer in den ersten Wochen aus?

Veh: Wir haben ihn ja schon länger beobachten lassen, gute Gespräche geführt und deshalb verpflichtet. Dieser Eindruck von Achim hat sich absolut bestätigt. Er führt die Mannschaft so, wie ich mir das vorgestellt habe. Wir haben aber nicht nur einen guten Cheftrainer, sondern insgesamt ein sehr gutes Trainerteam. Das passt gut. Ich habe einfach ein gutes Bauchgefühl bei ihm.

SPORT1: Welche Eigenschaften haben Sie an Beierlorzer überzeugt?

Veh: Wie er mit einer Mannschaft auf dem Platz arbeitet, wusste ich ja schon vor seiner Verpflichtung. Viel entscheidender ist seine menschliche Art. Es ist ganz wichtig heutzutage, dass man Menschen, in seinem Fall Spieler, führen kann und sich dazu nicht verstellen muss. Achim Beierlorzer ist authentisch. Wichtig ist als Trainer, dass man Dinge sagt, die man selbst glaubt. Auch wenn wir noch kein einziges Punktspiel gemacht haben, bin ich mir sicher, dass Achim fähig ist, ein Team zu führen. Ich sehe, dass die Mannschaft in guten Händen ist. Auch bei unseren Konditionstrainern. Es ist der Umgang miteinander, der mich so positiv stimmt. Und dass es außer Fußball auch noch ein paar andere spannende Themen gibt, die man mit ihm beackern kann. Wir sind nicht weit voneinander entfernt, was eine gemeinsame Wellenlänge angeht.

Veh: "Wünsche mir, dass man gerne zu uns ins Stadion kommt"

SPORT1: Sie wurden kritisiert, dass Sie Achim Beierlorzer bereits beobachtet hatten, als Markus Anfang noch da war.

Veh: Das ist aus meiner Sicht absolut legitim und professionell. Genauso wie den Spielermarkt sollte man als Verantwortlicher auch den Trainermarkt im Blick haben. Es gibt ja auch Situationen, in denen der Trainer sagt, er verlängert seinen Vertrag nicht. Da wäre ich ein schlechter Geschäftsführer, wenn ich nicht vorbereitet wäre. Ich beobachte sehr gerne und intensiv, wie andere Fußballlehrer arbeiten.

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SPORT1: Beierlorzer ist nach nur zwei Jahren in der 2. Liga in der Bundesliga gelandet. Ist seine Verpflichtung auch etwas mutig, weil er dort null Erfahrung hat?

Veh: Er hat relativ viel Lebenserfahrung, denn Achim ist 51 Jahre alt (schmunzelt). Und fußballerisch auch. Er hat Erfahrung als Trainer und als Assistenzcoach. Er hat zwei Jahre in der 2. Liga gearbeitet und bei Jahn Regensburg hervorragende Arbeit abgeliefert.

SPORT1: Wie soll das neue Gesicht des FC aussehen?

Veh: Das ist einfach zu beantworten: Ich wünsche mir, dass man gerne zu uns ins Stadion kommt und unsere Spiele anschaut, auch auswärts. Und wir wollen so erfolgreich sein, dass wir uns in der Bundesliga etablieren.

SPORT1: Wie beurteilen Sie die Neuzugänge?

Veh: Ihre Beurteilung hat schon stattgefunden, denn wenn ich sie nicht positiv sehen und glauben würde, dass Sie uns weiterhelfen, hätte ich sie gar nicht verpflichtet. Das nächste Kriterium sind die Punktspiele. Die sind sehr aussagekräftig, komplettieren das Bild von einem Spieler und bestätigen bestenfalls diese Einschätzung. Und es spielt eine Rolle, wie sich ein Spieler in die Mannschaft einfügt. Unsere Neuzugänge sind super aufgenommen worden und passen gut rein in die Truppe.

Veh: "Skhiri ist noch entwicklungsfähig"

SPORT1: Warum haben Sie den Sechser Ellyes Skhiri verpflichtet?

Veh: Wir brauchen auf dieser Position einen Spieler, der zweikampfstark ist, Übersicht hat und bei dem wir uns sicher sind, dass er uns direkt weiterhelfen kann. Obwohl er bereits viel Erfahrung gesammelt hat, ist er mit 24 Jahren auch noch entwicklungsfähig und kann den FC mit seiner Spielweise in den nächsten Jahren mitgestalten. 

SPORT1: Ist er der Königstransfer?

Veh: Entscheidend ist immer die gesamte Personalpolitik. Da sollte man mehr Treffer als Nieten haben. Die Spieler, die wir bisher verpflichtet haben, werden uns definitiv verstärken. Skhiri ist einer davon, die Ablösesumme sollte aber kein Gradmesser sein. Es wird sich am Ende der Saison herausstellen, wer der Königstransfer war. Es kommt auch vor, dass Spieler sich im ersten Jahr "nur" weiterentwickeln und erst im zweiten Jahr richtig durchstarten. Das Wort Königstransfer ist mir deshalb immer zu hochtrabend.

SPORT1: Es soll auch noch einen Innenverteidiger kommen. Wie weit sind hier Ihre Überlegungen?

Veh: Wir haben noch relativ viel Zeit bis zum Transferschluss am 2. September. Der Markt in England schließt schon früher, da wird nochmal Bewegung reinkommen. Denn viele Vereine glauben gerade, dass sie Spieler nach England verkaufen können, um viel Geld einzunehmen. Wir sind relativ früh dran und brauchen nur noch einen Spieler - den werden wir auch bekommen.

Veh: "Der Trainer steht am meisten im Wind"

SPORT1: Der Kader musste etwas verkleinert werden. Tun Sie sich damit schwer?

Veh: Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen. Es geht darum, das Beste für den Klub herauszuholen. Wenn man einen Spieler unbedingt verpflichten will, kann man nicht immer warten, bis ein anderer verkauft ist. Ich denke aber, der eine oder andere Spieler, der bei uns kaum Chancen auf Einsatzzeiten hat, hat auch selbst das Interesse zu wechseln.

Kölns Geschäftsführer Sport Armin Veh (r.) im Gespräch mit SPORT1-Reporter Reinhard Franke
Kölns Geschäftsführer Sport Armin Veh (r.) im Gespräch mit SPORT1-Reporter Reinhard Franke © SPORT1

SPORT1: Sie sind jetzt seit rund anderthalb Jahren beim FC. Wie haben Sie sich verändert im Vergleich zum früheren Trainer Armin Veh?

Veh: Die Position als Geschäftsführer ist eine ganz andere. Auch bei meinen früheren Stationen als Trainer war ich in alle Management-Aufgaben eingebunden. Deswegen war der Schritt für mich auch nicht so groß. Der Trainer steht am meisten im Wind. Er hat jeden Tag seine Truppe mit 25 Leuten zu führen. Das ist jetzt anders. Die Position, in der ich mich jetzt befinde, ist eine verantwortungsvollere. Verändert haben sich also vor allem meine Aufgaben, ich persönlich habe mich nicht verändert.

SPORT1: Haben Sie den Machtkampf gegen Werner Spinner gewonnen?

Veh: Es ging hier nie um einen Machtkampf. Es ging darum, in einer schwierigen Situation das Beste für den Klub zu machen. Aber wichtig ist für mich das Hier und Jetzt. Ich bin 30 Jahre in dem Geschäft. Und wenn ich der Meinung bin, dass ich etwas tun muss, dass dem FC gut tut, dann entscheide ich so. Das war bei der Entlassung des Trainers nicht anders. Das hat etwas mit Professionalität und Wissen zu tun. Wenn man in einer Führungsposition ist, dann kann man nicht immer den leichtesten Weg gehen.

SPORT1: Ihr Vertrag läuft im nächsten Sommer aus. Wie ist Ihre Planung?

Veh: Das habe ich klar kommuniziert. Im September wird es ein neues Vorstandsteam geben. Dann werden wir Gespräche führen.

SPORT1: Was ist das Ziel für den Verein in der neuen Saison?

Veh: Wir müssen demütig, aber dennoch mutig in die neue Saison gehen. Wir sind kein normaler Aufsteiger, weil wir etliche Spieler haben, die schon in der Liga gespielt haben. Ich freue mich, wenn es endlich wieder losgeht. Und wir werden vorbereitet sein.

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