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München - Die Auszeichnung von Marco Reus zum Fußballer des Jahres sorgt für Kritik von Lewandowskis Berater. SPORT1 nimmt die Leistung des BVB-Kapitäns unter die Lupe.

Als ein BVB-Spieler zum letzten Mal zum "Fußballer des Jahres" ausgezeichnet wurde, war Marco Reus gerade einmal acht Jahre alt.

22 Jahre später gewann der Kapitän der Dortmunder die Auszeichnung des kicker und wurde damit Nachfolger von Jürgen Kohler, der 1997 im Jahr des Champions-League-Sieges der Borussia triumphiert hatte.

Mit 158 Stimmen setzte sich Reus bei der Abstimmung ausgewählter Sportjournalisten vor Kai Havertz von Bayer Leverkusen (121) und Joshua Kimmich vom FC Bayern (35) durch.

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Barthel kritisiert Auszeichnung von Reus

Doch nicht alle waren einverstanden mit dem Ergebnis. Maik Barthel, Berater von Robert Lewandowski, ließ bei Twitter seinem Unverständnis über die Wahl freien Lauf. "Fußballer des Jahres! Da musst du einfach nix gewinnen, dann hast du die größten Chancen!", motzte Barthel auf Twitter. Sein Schützling wurde bei der Wahl nur Siebter, obwohl der Pole Torschützenkönig wurde und mit dem Rekordmeister das Double holte.

Dass Barthel mit seiner Argumentation grundsätzlich daneben liegt, zeigt ein Rückblick auf die vergangenen Jahre. In diesem Jahrtausend wurden neben Reus lediglich Michael Ballack (2002) und Miroslav Klose (2006) zum Fußballer des Jahres gekürt, ohne in der betreffenden Saison mit ihrer Mannschaft einen Titel gewonnen zu haben. 

Matthäus unterstützt Barthel-Kritik

Reus gewann die Auszeichnung 2012 schon einmal, damals noch im Dress von Borussia Mönchengladbach. Auch damals gewann er keinen Titel mit der Mannschaft.

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Lothar Matthäus kann Barthels Kritik nachvollziehen. "Reus hat eine überragende Hinrunde gespielt, aber eine Saison hat 34 Spieltage", sagte Matthäus dem Sportbuzzer. Er sei der Meinung, dass die Erfolge bei so einer Ehrung auch eine Rolle spielen sollten. "Und daran war Lewandowski nun mal entscheidend beteiligt."

Barthel legte in Bild nach. "Keiner der ersten zwei taucht in irgendeiner Statistik vorne auf oder hat zu irgendeinem Titel beigetragen", kritisierte der Lewandowski-Berater.

Wie gut war Reus wirklich?

Hat er Recht? SPORT1 wirft gemeinsam mit Datenanbieter opta einen Blick auf die Statistiken der vergangenen Bundesliga-Saison von Reus.

Mit 17 Treffern in 27 Einsätzen belegte Reus Platz drei der Torschützenliste, Lewandowski wurde mit 22 Toren in 33 Spielen Erster. Statistisch gesehen liegen beide mit ungefähr 1,5 Einsätzen pro Tor auf einem Level.

Auch bei den Scorern (Tore und Assists) belegt Reus mit 25 Punkten Rang drei, hier ist der Abstand allerdings geringer, Lewandowski kommt als bester Scorer auf 29. Pro Spiel war Reus also an 0,93 Toren beteiligt, Lewandowski an 0,88.

Reus effektiver als Lewandowski

Erst, wenn man genauer hinschaut, werden die entscheidenden Qualitäten des Dortmunders deutlich. Mit seinen 17 Toren brachte der Kapitän seinem BVB effektiv 12 Punkte, nur Teamkollege Paco Alcácer (13) und Andrej Kramaric (14) von der TSG 1899 Hoffenheim waren in dieser Hinsicht besser. Lewandowski taucht in dieser Statistik nicht einmal in den Top 20 auf.

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Reus zeichnete in der abgelaufenen Saison außerdem eine starke Chancenverwertung aus. 29 Prozent seiner Schüsse gingen ins Tor. Laut "Expected Goals", einem Modell, dass die statistische Wahrscheinlichkeit errechnet, dass ein Ball ins Tor geht, hat Reus ein Tor mehr erzielt, als zu erwarten war. Zum Vergleich: Lewandowskis 22 Treffer resultieren aus 31 "Expected Goals". Statistisch gesehen muss sich Reus also keinesfalls vor Lewandowski verstecken.

Reus als Trumpf für den BVB

Reus kann also nicht nur im Vergleich zu Lewandowski mithalten, auch für seine Mannschaft war der Kapitän in der vergangenen Bundesliga-Saison enorm wichtig. 14 der 15 Spiele, in denen Reus traf, wurden gewonnen, keins verloren. Mit Reus an Bord gewann der BVB 70 Prozent seiner Spiele, ohne ihn nur 57.

Für Teamkollege Axel Witsel kann es keinen anderen Träger der Auszeichnung geben. "Natürlich verdient er es. Er ist ein fantastischer Spieler", sagte Witsel. Der Belgier sieht Reus sogar auf einer Stufe mit seinen Landsmännern Eden Hazard (Real Madrid) und Kevin De Bruyne (Manchester City). "Er ist qualitativ auf demselben Level. Für mich ist er ein Top-Spieler".

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Lediglich in einer Statistik ist Lewandowski klar vorne. Seit dem Bundesliga-Debüt von Reus im Jahr 2009 schoss nur der Bayern-Stürmer mehr Tore als der BVB-Angreifer. Mit 202 zu 116 Treffern geht dieses Duell klar an Lewandowski.

Richtig trösten dürfte den Polen das allerdings nicht. Denn während Reus bereits zum zweiten Mal die Auszeichnung zum "Fußballer des Jahres" gewann, wartet Lewandowski trotz vier Torjägerkanonen weiter auf seine erste Auszeichnung. In diesem Jahr führte allerdings kein Weg am BVB-Kapitän vorbei. Und das ist auch durchaus verdient.

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