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München - Sieben Jahre hat Thomas Helmer für FC Bayern gespielt. Im Interview spricht der SPORT1-Moderator über den wohl nahenden Abschied seines früheren Chefs Uli Hoeneß.

191 Bundesligaspiele absolvierte Thomas Helmer zwischen 1992 und 1999 für den FC Bayern. Fünf Titel holte er in dieser Zeit nach München. Im SPORT1-Interview spricht der Gastgeber des CHECK24 Doppelpass über seinen ehemaligen Chef Uli Hoeneß und den wohl nahenden Abschied des Bayern-Präsidenten.

SPORT1: Herr Helmer, wie beurteilen Sie Uli Hoeneß‘ angeblich feststehenden Entschluss, beim FC Bayern aufzuhören?

Thomas Helmer: Erstmal ist das natürlich seine persönliche Entscheidung, die zu respektieren ist, egal wie sie ausfällt. Ich hatte Uli Hoeneß zuletzt bei einer Veranstaltung Anfang Juni gesehen, da hat er es nochmal so ähnlich gesagt wie vorher im Doppelpass: Er möchte den FC Bayern, den er über all die Jahre aufgebaut hat, in die richtigen Hände geben. Wenn er die nun gefunden hat, dann wird er den Schritt wahrscheinlich auch vollziehen. Der eine oder andere hat ja gesagt: Uli Hoeneß kann nicht ohne den FC Bayern. Sollte er den Schritt jetzt tatsächlich gehen, wäre das damit aus der Welt geschafft.

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SPORT1: Sind Sie überrascht über die Meldung oder hätten Sie es nach den Begegnungen, die Sie hatten, erwartet?

Helmer: Dass Hoeneß angeblich auch vorzeitig als Aufsichtsratschef aufhören will, überrascht mich eher. Es ist aber natürlich auch nachvollziehbar, so ist es ein klarer Schnitt.

SPORT1: Ist es ein gutes Zeichen für den FC Bayern, wenn Hoeneß zum Schluss kommt, dass der Klub auch ohne ihn kann?

Helmer: Seit langem ist Thema, dass die Nachfolge von Hoeneß und Rummenigge irgendwann geregelt werden muss. Nun passiert es offensichtlich. Das ist etwas, was nicht von heute auf morgen geht, das muss auch klar sein, aber die Weichen werden nach und nach gestellt und das ist auch richtig so. Ich habe auch den Eindruck, dass es Uli Hoeneß selbst auch ganz gut tut, dass der Prozess eingeleitet ist.

Verbindung wird bleiben

SPORT1: Erwarten Sie wirklich einen konsequenten Rückzug, nach so einer langen und intensiven Verbindung?

Helmer: Die Verbindung zwischen UIi Hoeneß und dem Verein wird immer bleiben, das ist doch ganz klar. Und ich würde auch allen raten, seine Tipps weiter einzuholen. Aus dem operativen Geschäft aber wird dann eben raus sein.

SPORT1: Und wird er sich auch mit öffentlichen Wortmeldungen zurückhalten?

Helmer: Er muss seinen Nachfolgern Freiheit geben, Luft zum Atmen, das weiß Hoeneß auch selbst. Oliver Kahn kann und wird auch Fehler machen, so wie zum Beispiel auch Hasan Salihamidzic. Die neue Führung muss in ihre Aufgabe reinwachsen, das geht auch nicht von heute auf morgen. Ich denke deshalb nicht, dass Hoeneß weiter so vorpreschen wird, wie wir es in der Vergangenheit von ihm gewohnt waren. Zuletzt war es ja zum Beispiel auch wieder etwas ruhiger um ihn, er kann sich sehr wohl auch zurückhalten.

SPORT1: Herbert Hainer, der angeblich designierte Nachfolger, ist 65 Jahre alt, nur zwei Jahre jünger als Hoeneß. Ist die nächste Nachfolgedebatte da nicht absehbar?

Helmer: Auf dem Papier ist das natürlich keine große Verjüngung. Aber die andere Frage ist: Ist eine Führungskraft um die 40 gleich qualifiziert, den Aufsichtsrat des FC Bayern zu führen? Erfahrung gehört dazu und die hat Herbert Hainer. Die Arbeit zwischen einem Mann wie ihm und einem jüngeren Klubboss wie Oliver Kahn aufzuteilen, ist vielleicht genau die richtige Idee.

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