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Hoffenheims Geschäftsführer Sport Alexander Rosen (r.) muss in der neuen Saison auf Joelinton (l.) und Kerem Demirbay verzichten
Hoffenheims Geschäftsführer Sport Alexander Rosen (r.) muss in der neuen Saison auf Joelinton (l.) und Kerem Demirbay verzichten © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Imago/Getty Images
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München - Die TSG Hoffenheim hat ähnlich wie Eintracht Frankfurt eine volle Kasse dank satten Transfererlösen, aber wichtige Spieler sind weg. Wie gefährlich ist die Lage?

Es war im Januar 2018, als der ehemalige Hoffenheim-Profi Tobias Weis mahnend den Zeigefinger hob.

"Ich mache mir jetzt keine großen Sorgen, aber in Hoffenheim ist es gerade eine merkwürdige Situation und man muss aufpassen. Es ist nicht ganz ungefährlich, wenn jetzt auch noch Demirbay weggehen sollte", sagte Weis damals im Gespräch mit SPORT1. Der heute 33-Jährige spielte von 2007 bis 2014 für die Kraichgauer, wurde 2008 mit dem Klub als Aufsteiger Herbstmeister.

Er hatte offenbar eine Vorahnung, denn inzwischen ist Demirbay weg. Der 24-Jährige wechselte nach der vergangenen Saison zu Bayer Leverkusen.

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Nicht ganz leicht ist auch die aktuelle Situation für die Verantwortlichen der TSG. Doch der Geschäftsführer Sport Alexander Rosen lässt sich auch in schwierigen Momenten selten die Laune vermiesen.

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Er ist als Zahlen-Akrobat gefragt. Mit Trainer Julian Nagelsmann verließ der Cheftrainer den Verein in Richtung RB Leipzig. Ablösefrei, wie es vertraglich vereinbart war. Sein Nachfolger: der Niederländer Alfred Schreuder, der schon von 2015 bis 2017 Co-Trainer im Klub war, zuerst als Assistent von Huub Sevens, dann von Nagelsmann.

Seinem neuen Trainer stellt Rosen bei SPORT1 nach wenigen Wochen schon ein sehr gutes Zeugnis aus. "Alfred Schreuder arbeitet mit einem jungen, ehrgeizigen und eingespielten Team, in dessen Reihen unter anderem zwei der Top-Torjäger der vergangenen Saison und hoch motivierte Neuzugänge stehen, die uns weitere Optionen verleihen."

Neben dem Chefcoach und Demirbay ist auch Nico Schulz nicht mehr da. Der Nationalspieler spielt in der neuen Spielzeit bei Borussia Dortmund

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Joelinton vor Wechsel zu Newcastle United

Als nächster wird der Brasilianer Joelinton den Abflug machen. Ziel: Newcastle United. Die Ablösesumme für den 22-Jährigen: rund 53 Millionen Euro. Auch Nadiem Amiri (Vertrag bis 2020) soll bald weg sein. Laut Bild will Leverkusen den Spieler schon in diesem Sommer verpflichten, es hakt offenbar nur noch an der Ablösesumme.

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Angesprochen auf die Stars, die in anderen Klubs die größere Bühne Champions League suchen, sowie auf den Abgang Nagelsmanns, sagt Rosen: "Wir wissen nichts davon, dass unser Trainer weg ist. Er ist da und arbeitet hervorragend mit einem Kader, der unser Vertrauen hat und den wir als spannend und leistungsstark ansehen."

Der Geschäftsführer Sport sieht die Lage positiv. Zuletzt meinte er bei Bild zur aktuellen Lage: "Unser Lizenzspieler-Etat wächst jedes Jahr um drei, vier, fünf Millionen Euro. So dass wir hinter den ersten sechs, sieben Bundesligisten, die weit weg sind, absolut konkurrenzfähig sind."

Hoffenheim muss Transfererlöse erzielen

Zudem sei Hoffenheim verpflichtet, jedes Jahr eine bestimmte Summe an Transfererlösen zu erzielen. So wie in den Vorjahren bei Spielern wie Kevin Volland, Roberto Firmino, Niklas Süle oder Sandro Wagner.

"Um eine Null zu schreiben, haben wir pro Jahr den Auftrag, je nach Platzierung und Fernsehgeld ungefähr 15 Millionen zu machen“, erklärte Rosen kürzlich im Trainingslager.

Er begründete dies auch: "Der Umsatz, den wir ohne Transfers und sportlichen Erfolg haben, ist einfach noch viel zu gering im Vergleich, wo wir uns sportlich bewegen. Es sind limitierte Faktoren in Hoffenheim im Vergleich zu Klubs aus großen Städten, die mehr Power, mehr Ticketing, mehr Mitglieder, mehr Merchandising, mehr Sponsoring haben."

Volles Bankkonto - keine neuen Stars

Das Bankkonto der Kraichgauer ist prall gefüllt, ähnlich wie das von Eintracht Frankfurt, die für Sébastien Haller und Luka Jovic rund 110 Millionen Euro einnahmen.

Neue Stars sind in Hoffenheim aber derzeit nicht in Sicht. Etwas über 100 Millionen Euro stehen nach den Verkäufen von Demirbay und Schulz sowie dem bevorstehenden Joelinton-Deal auf der Habenseite. Doch auf große Shopping-Tour will Rosen nicht gehen. Er will mit Geld haushalten, anstatt es in vollen Zügen auszugeben.

Mit einem Teil des Geldes sollen, wie in der Vergangenheit schon erfolgreich umgesetzt, Verträge mit Spielern zu besseren Konditionen verlängert werden, wie in den vergangenen Jahren bei Florian Grillitsch, Kevin Vogt oder Andrej Kramaric.

Doch die Frage muss erlaubt sein: Bleiben sportliche Ziele auf der Strecke? Ist Hoffenheim immer mehr nur das Sprungbrett für Spieler und Trainer, um den nächsten Schritt zu machen, den sie bei der TSG nicht gehen können?

Rosen sieht dies anders. "Wir haben stets realistische Ziele, die wir zuletzt gar übertroffen haben. Wir sind maximal ehrgeizig und wissen uns sehr genau einzuschätzen."

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