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Fortuna Düsseldorf gilt wieder als Abstiegskandidat - und schlägt zum Auftakt Werder Bremen. Etwas Besseres als das hätte kaum passieren können, meint SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp.

Hallo Bundesliga-Freunde,

die vermeintlichen Experten waren sich im Grunde einig, dass das Funkel-Märchen in Düsseldorf, so gut es der Liga auch tat, auserzählt ist.

Am Rande eines DFL-Termins neulich in Dortmund diskutierten ein paar Fußball-Obere über die neue Saison. "Fortuna geht runter", war einer sicher, selbst im Westen tätig - ohne Widerrede, "Heribert hat das schon richtig beschrieben."

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Was Heribert, also Heribert Bruchhagen beschrieben hatte, war nichts anderes als das jetzt bevorstehende Ende der Düsseldorfer Erfolgsstory.  "Die glauben doch nicht ernsthaft, dass sie jetzt ein fester Bestandteil der Bundesliga sind," formulierte der langjährige Bundesliga-Manager, zuletzt beim HSV, im Rahmen einer Laudatio auf der 11 Freunde-Meisterfeier in Köln.

Der Geehrte, Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel, bekam von Branchen-Spezi Bruchhagen auch noch ein paar direkte Worte mit auf den Weg. "Die, die dich jetzt ehren, werden mit Blumentöpfen nach dir werfen", prophezeite er und wusste: "Am Ende der Schlacht werden die Toten gezählt."

So amüsant Bruchhagen seine Aussage auch verpackte, im Kern, so glaubten viele, hatte er recht. Und als Ex-Chef von Funkel, zu gemeinsamen Frankfurter Zeiten, kenne er den Fußball-Lehrer alter Schule sowieso besser als die meisten anderen. Und dessen Kompatibilität mit dem modernen Fußball-Business.

Es war so ziemlich das Beste, was der Bundesliga passieren konnte, dass Funkel direkt am ersten Spieltag demonstrierte, beim 3:1 in Bremen, wie sehr ihn das Sommerpausen-Geschwätz der Neunmalklugen tatsächlich interessiert. Was zählt, is auf'm Platz. Gern geschehen, Phrasenschwein.

Der Aufsteiger von 2018 verlor nach einer beeindruckenden Premieren-Saison mit Dodi Lukebakio und Benito Raman allein im Angriff zwei herausragende Puzzleteile, ihrem Spiel in Bremen war das nicht anzumerken. Fast spektakulär und nicht hoch genug zu bewerten, welchen Wiedererkennungswert der Düsseldorfer Fußball trotz des personellen Neu-Starts hat.

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Sieben Vereine gingen mit neuen Trainern in die Saison, wer die Übungsleiter gerade der jüngeren Fraktion so reden hört, meint immer häufiger, er wäre im Hörsaal statt beim Fußball. Die schnörkellosen Erfolge der Erfahrenen sind da Gold wert. Das bestmögliche Gegengewicht zur immer wissenschaftlicheren Komplexifizierung des Volkssports.

Es wäre wunderbar, wenn der Düsseldorfer Funkel-Weg Schule macht und eine grundsätzliche Unaufgeregtheit wieder zum großen Erfolgsfaktor reift. Nach Kontinuität rufen, das machen sie alle gern. Aber wer lebt die Beständigkeit denn wirklich?

Der SC Paderborn macht sich gerade auf, ein hochinteressantes Kapitel Bundesliga-Geschichte zu schreiben. Beim Sensations-Aufsteiger scheinen sie aus ihrer wilden Vergangenheit gelernt zu haben. Sollen die anderen sie doch abschreiben, die Paderborner wollen sich treu bleiben. Cheftrainer Steffen Baumgart liebt den einfachen Fußball, das Abrakadabra der Kollegen amüsiert ihn.

"Jeder erfindet den Fußball neu. Fußball ist ein einfacher Sport", erklärte Baumgart im ZDF-"Sportstudio", seelenruhig. "Das Runde muss ins Eckige. Dann ist es ein Tor. Meistens. Außer, es meldet sich einer aus Köln."

Einfach gut.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp ab sofort als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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