Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Thomas Müller geht beim FC Bayern in seine zwölfte Saison. Sein Stammplatz war aber wohl nie so gefährdet wie aktuell. Grund ist vor allem ein prominenter Neuzugang.

"Ich finde, dass Thomas Müller nicht so richtig wahrgenommen wird", sagte Niko Kovac nach seinem Amtsantritt als Trainer des FC Bayern im September 2018.

Nach diesem mehrdeutigen Satz versuchte er, das Phänomen Thomas Müller zu erklären. Kovac beschrieb seinen Spieler als vielseitig und für den Gegner kaum greifbar.

"Er kann viele Positionen spielen", fügte er an. Doch fast ein Jahr später scheint bei den Bayern keine Position für den Weltmeister und WM-Torschützenkönig mehr frei zu sein.

Anzeige

Müllers Problem im Kovac-System

Zuletzt war Müllers Problem vor allem das von Kovac bevorzugte 4-3-3-System, das zwei Achter vorsieht, aber keine Position direkt hinter der Spitze bietet. Genau das ist die Lieblingsposition des 29-Jährigen, daraus machte er nie ein Geheimnis.

In dem System ohne echten Zehner pendelte Müller in der letzten Spielzeit zwischen der Position auf der rechten Außenbahn, der als hängende Spitze und der etwas dahinter, im zentralen offensiven Mittelfeld. Zu Beginn der neuen Saison durfte er im Supercup bei Borussia Dortmund (0:2) und im Pokalspiel bei Energie Cottbus (3:1) auf der rechten Außenbahn ran.

DAZN gratis testen und die Freitags- und Montagsspiele der Bundesliga live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Allerdings nur, weil Serge Gnabry wegen einer leichten Blessur nicht zur Verfügung stand. Sobald der Flügelflitzer wieder vollends genesen war, rutschte Müller bei den Bundesligaspielen gegen Hertha BSC (2:2) und bei Schalke 04 (3:0) wieder in die Zentrale im offensiven Mittelfeld.

Für Müller an sich kein Problem. "Die Achterposition ist ja auch eine mittlere Position. Wie ich es seit zehn Jahren versuche zu vermitteln, kann ich meine Stärken da am besten ausspielen", hatte er zuletzt auf SPORT1-Nachfrage verraten. Allerdings konnte er in beiden Partien nicht überzeugen.  

Das Coutinho-Problem

Innerhalb von vierzehn Tagen hat der Offensivspieler nun zwei weitere Probleme vor die Nase gesetzt bekommen: Die beiden Neuzugänge Philippe Coutinho und Ivan Perisic.

Mit Perisic hat der FC Bayern einen Offensivspieler von Inter Mailand ausgeliehen, der über die linke Außenbahn kommt und den Eindruck bestärkt, dass auf den Flügeln kein Platz mehr für Müller ist.

Und in der Mitte? Da kommt nun die nicht unwesentliche Konkurrenz von Coutinho ins Spiel, der vom FC Barcelona ausgeliehen wurde. Die Konkurrenz eines "Weltstars", wie ihn Kovac nach dessen Ankunft nannte. "Er kann auf der Zehn spielen und von links kommen, wie öfter bei Barcelona. Bei der Copa América hat man gesehen, dass er der überragende Spieler war", klärte Sportdirektor Hasan Salihamidzic die Positionsfrage.

Meistgelesene Artikel

Backup für Lewandowski?

Am Samstagabend wurde der Brasilianer in der 57. Minute für Müller eingewechselt und fand sich gleich recht gut ein. Dass er in Zukunft von der Bank kommen wird, ist nahezu ausgeschlossen. Was für Müller bedeuten dürfte, dass auch die offensive Position in der Mitte vergeben ist und er in nächster Zeit im besten Fall seine Qualitäten als Joker zeigen kann.

In der drohenden Reservistenrolle könnte Müller sich zumindest Hoffnungen machen, als Backup von Robert Lewandowski zu fungieren. Dort lief er auf der USA-Reise der Bayern zweimal auf. "Thomas hat vorne gespielt, das hatte Gründe. Wir müssen gewappnet sein, wenn Robert mal eine Pause braucht, aus welchen Gründen auch immer", hatte Kovac im Anschluss erklärt.

Robben ist großer Müller-Fan

Für Kovac ist die Personalfrage Müller keine leichte: der Ur-Bayer Müller geht an der Säbener Straße in seine zwölfte Saison. Er ist Publikumsliebling und eine Identifikationsfigur des Klubs. Neben und auf dem Platz. Dort lebt er Spiel für Spiel die Mentalität des deutschen Rekordmeisters vor. "Er will überall helfen, sowohl offensiv auch defensiv", hatte Kovac es einmal beschrieben. "Das macht ihn so wertvoll."

Jetzt das aktuelle Trikot des FC Bayern bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGE

Der ehemalige Bayern-Star Arjen Robben sieht seinen langjährigen Mitspieler als nahezu unverzichtbar an. "Ich bin ein großer Fan von Thomas. Er hat Qualitäten, die keiner in dieser Mannschaft hat", sagte der Niederländer bei Sky90. Müller sei "ein Mannschaftsspieler. Er läuft die Räume an, geht in die Tiefe. Er ist für mich ein sehr, sehr wichtiger Spieler."

Bei all den Hindernissen, die sich für ihn auftürmen, wäre es nicht Thomas Müller, wenn er in der Verpflichtung von Coutinho nicht auch eine neue Chance sehen würde. "Das Positive könnte für mich ja auch sein, dass es jetzt wieder eine Position hinter den Spitzen gibt", sagte er nach dem "Traumspiel" in Vilshofen am Sonntag. So kann man es auch sehen.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image