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München - Der BVB-Kader ist qualitativ so breit aufgestellt wie selten zuvor. Das öffnet Trainer Lucien Favre völlig neue Möglichkeiten, birgt aber auch Gefahren und Probleme.

Vom "neuen" BVB war am Samstagabend nicht wirklich etwas zu sehen.

Über 100 Millionen Euro gab der BVB schon für Neuzugänge aus, doch im Vergleich zur vergangenen Saison stand im Finale des Supercups lediglich Nico Schulz als einzige Neuverpflichtung auf dem Feld.

Doch auch der "alte" BVB genügte an diesem Abend, um den Bayern den ersten Titel der Saison wegzuschnappen. Neben Paco Alcácer, der das Führungstor beim 2:0-Sieg im Signal Iduna Park erzielte, glänzte vor allem Jadon Sancho, der den ersten Treffer auflegte und den zweiten nach tollem Konter selbst besorgte.

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BVB-Kapitän Marco Reus: "Nicht der richtige Maßstab"

Natürlich wollte beim BVB niemand diesen Prestigeerfolg gegen die Bayern zu hoch hängen. "Wir sind uns alle einig, dass dieses Spiel nicht der richtige Maßstab für die neue Saison ist, weil beide Mannschaften noch in der Vorbereitung sind", erklärte Kapitän Marco Reus nach dem Spiel. (Die Stimmen zum Spiel)

Auch wenn das Spiel auf beiden Seiten noch längst nicht das Niveau der Vorsaison erreichte, lässt sich aber festhalten: Zwei Wochen vor dem Saisonstart zeigt sich der BVB bestens gerüstet für die kommende Spielzeit, der Sieg gegen den Titelverteidiger war nicht unverdient. Vor allem das Umschaltspiel des BVB funktionierte bereits und stellte die Bayern vor arge Probleme.

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Hummels und Co. noch in der Hinterhand

Dabei konnten die Dortmunder ihren größten Trumpf für die kommende Saison noch gar nicht ausspielen. Sowohl die namhaften Neuzugänge Julian Brandt und Thorgan Hazard, als auch Rückkehrer Mats Hummels mussten neben Torwart Roman Bürki verletzungsbedingt passen. Gesellen sie sich zum Team, bekommt der BVB-Kader eine qualitative Tiefe wie selten zuvor.

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Anders als der Konkurrent aus München, der händeringend nach Verstärkungen sucht, hat Dortmund seine Personalplanungen in Sachen Zugängen bereits so gut wie abgeschlossen, auch wenn Favre nichts ausschließen möchte. "Es (das Transferfenster, Anm. d. Red.) ist ja noch vier Wochen geöffnet, und es kann auf allen Positionen und in alle Richtungen noch so viel passieren", erklärte er in der vergangenen Woche den Ruhr Nachrichten.

BVB-Kader soll ausgedünnt werden

Eines wird auf jeden Fall noch passieren: Der aktuell stark aufgeblähte Kader wird noch weiter ausgedünnt werden. Shinji Kagawa und Maximilian Philipp sollen gehen, auch über einen möglichen Verkauf von Raphael Guerreiro wurde zuletzt gemutmaßt. Doch Favre will den Portugiesen unbedingt halten. "Er ist ein sehr guter Spieler und wir hoffen, dass er bleibt. Er wird bleiben", sagte er nach dem Supercup-Finale.

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Doch auch ohne Kagawa und Philipp umfasst der BVB-Kader aktuell 26 Akteure, dazu noch garniert mit einigen Talenten aus dem Nachwuchs. Gerade in der Offensive hat Dortmund sich qualitativ sehr breit aufgestellt, besitzt mit Hazard, Brandt, Reus, Sancho, Götze und Alcácer sechs absolute Hochkaräter für die vier Offensivpositionen im 4-2-3-1 von Favre. Dazu kommen noch Jacob Bruun Larsen, Marius Wolf und Guerreiro, der wie im Supercup ebenfalls die linke Offensivposition bekleiden kann.

In der Abwehr hat sich quantitativ nicht viel getan, mit der Verpflichtung von Hummels für Abdou Diallo sicherte sich Favre allerdings jemanden, der der jungen BVB-Mannschaft mit seiner Erfahrung von hinten heraus die nötige Stabilität geben kann.

Ob es der beste BVB-Kader aller Zeiten sei, könne er erst nach der Saison sagen, erklärte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in einem Interview mit der dpa. "Wir passen unsere Strategie nur an unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten an", sagte er.

Mit den gestiegenen Möglichkeiten steigt auch der Anspruch beim BVB. Nicht umsonst wurde vor der Saison offensiv verkündet, "ohne Wenn und Aber" um die Deutsche Meisterschaft mitspielen zu wollen.

Reus vermutet "Hartefälle"

Mit dem aktuellen Kader eröffnen sich Favre völlig neue Möglichkeiten. Gerade in Sachen Dreifachbelastung kann der Schweizer nun besser reagieren. Damit könnte er möglicherweise diesmal verhindern, dass den Dortmundern wie in der abgelaufenen Spielzeit gegen Ende die Luft ausgeht.

Dass Dortmund qualitativ das Zeug hat, um die Deutsche Meisterschaft mitzuspielen, ist wohl unbestritten. Doch ein großer Kader bringt auch ein Problem mit sich, das weiß auch Reus. "Wir wollen diesen Konkurrenzkampf auf ganz hohem Niveau, weil wir in allen Wettbewerben über längere Zeit vertreten bleiben wollen. Es wird ein paar Härtefälle geben, aber wir haben dieses klare Ziel", erklärte der Kapitän.

Diese "Härtefalle" werden Unzufriedenheit mit sich bringen, gerade in den wichtigen Spielen will jeder auf dem Platz stehen.

Auch Mario Götze könnte es des Öfteren treffen. Der Weltmeister von 2014 saß schon im Supercup trotz einiger Verletzter 90 Minuten auf der Bank. Gefallen haben dürfte ihm das nicht. Zumal er in sein letztes Vertragsjahr geht und eine Entscheidung über eine Verlängerung noch nicht getroffen wurde.

Vor einigen Wochen nannte Favre seine optimale Kadergröße: 22, 23 Feldspieler, dazu drei Torhüter und ein paar junge Spieler. Auf diese Größe arbeitet der BVB aktuell hin, ist dazu in der Breite besser aufgestellt als in der Vorsaison. Neben seiner sportlichen Arbeit muss es Favre gemeinsam mit seinem Trainerteam schaffen, die Motivation bei den Reservisten hochzuhalten.

Die Unzufriedenen müssen ihr eigenes Befinden dem gemeinsamen Ziel unterordnen. Gelingt dies, scheint für den "neuen" BVB alles möglich.

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