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Niko Kovac wird von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge öffentlich gemaßregelt. Legitim ob der herrschenden Hierarchie - aber dennoch äußerst riskant.

Führung kann anstrengend sein. Denn als Chef eines Teams, einer Abteilung, einer Firma oder eines Klubs hat man stets verschiedene Hüte auf. Führungsstile sind situationsabhängig. Mal ist man Entscheider und Bestimmer, mal Förderer und Vertrauensperson. 

Das ist manchmal ein schmaler Grat, wie der Umgang der Verantwortlichen beim FC Bayern München in diesen Tagen zeigte. Was war passiert? Eine Äußerung am vergangenen Sonntag durch Cheftrainer Niko Kovac, der sagte, er sei zuversichtlich, dass man Leroy Sané verpflichten könne, wurde zwei Tage später vom Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge öffentlich und überraschend harsch kritisiert.

Das Vorgehen war aus der Sicht von Rummenigge durchaus legitim. Eine mögliche Botschaft: "Lieber Herr Kovac, Sie haben Ihr Kerngebiet verlassen, das kommt bitte schön nicht mehr vor." Eine andere Botschaft: "Ich bin der Boss und hier macht nicht jeder das, was er will."

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Das kann Sinn ergeben, wenn Rummenigge das Gefühl hatte, dass sein Mitarbeiter Kovac das gemeinsame Ziel gefährdet und er dadurch selbst Kritik ausgesetzt wird. Der Anpfiff ist dann wie ein Wake-up-Call zu verstehen. Ein gewagtes Spiel.

Denn öffentliche Kritik birgt immer die Gefahr, einen fatalen Effekt auf das Vertrauensverhältnis zu haben, wenn sie von dem Kritisierten als überzogen und ungerecht empfunden wird. Zumal er nach einem solchen Angriff einen internen wie externen Autoritätsverlust zu verkraften hat.

Mounir Zitouni - Autor dieses Textes - arbeitet als Business-Coach für Veränderung, Entwicklung und Persönlichkeit (www.mounir-zitouni.de). Als Ex-Profifußballer (unter anderem Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt) und ehemaliger Sportjournalist (kicker Sportmagazin) weiß er genau um die Anforderungen und den Druck in einem spannungsgeladenen und leistungsausgerichteten Umfeld.

Eine übergeordnete Führungskraft wie Rummenigge muss deshalb abwägen: Worum geht es mir? Will ich das uneingeschränkte Vertrauen meines Untergebenen behalten, sein Standing im Team, im Verein und in der Öffentlichkeit nicht schädigen? Dann rede ich mit ihm unter vier Augen und schütze ihn öffentlich.

Oder aber Rummenigge merkt, dass etwas aus dem Ruder läuft. Dann kann er sich für eine Machtdemonstration entscheiden, damit sich alle wieder auf ihr eigentliches Kerngebiet konzentrieren und er selbst als "Chef" wahrgenommen wird, der sagt, wo es lang geht.  

Rummenigge hat sich für den letzteren Weg entschieden. Augenhöhe hat es bei dieser Form der Kommunikation nicht gegeben. Keine Ebene von: "Ich bin okay, du bist okay". Eher eine, die zum Ausdruck bringt: "Du bist okay, wenn du das tust, was ich dir sage". Eine klare Ansage.

Gegenseitiges Vertrauen ist damit schwer aufzubauen. Doch darum ging es dem Münchner Vorstandsvorsitzenden wohl auch nicht. Kovac hat danach sofort öffentlich ein Fehlverhalten eingeräumt, sich entschuldigt. So wie es sich für einen in der Hierarchie weiter unten stehenden Mitarbeiter gehört.

Ein konstruktives und offenes Vier-Augen-Gespräch hätte diese Eskalationsstufe vermeiden können. Mit einem solchen vertrauensvollen Austausch hätte ja sogar die Chance bestanden, die Beziehung der beiden zu stärken. Dies wurde verpasst.

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