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München - Der FC Bayern hat doch noch auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Bei SPORT1 spricht der frühere FCB-Profi Ivica Olic über Niko Kovac, Ivan Perisic und Philippe Coutinho.

Die Erleichterung bei den Fans des FC Bayern ist groß. Mit Philippe Coutinho gibt es einen neuen Superstar beim Rekordmeister.

Nach der Kritik am defensiven Transferverhalten war es in den vergangenen Tagen Schlag auf Schlag gegangen. Auch der französische U20-Nationalspieler Michael Cuisance ist neu, kommt für fünf Jahre von Borussia Mönchengladbach. Zudem wurde der Kroate Ivan Perisic auf Leihbasis unter Vertrag genommen.

Ihn kennt der frühere Bayern-Profi Ivica Olic sehr gut. Beide spielten in der kroatischen Nationalmannschaft (2011 bis 2015) und beim VfL Wolfsburg (2013 bis 2015) zusammen.

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Auch Bayern-Trainer Niko Kovac und Olic haben eine gemeinsame Vergangenheit, der frühere Stürmer spielte 2013 bis 2015 unter Nationaltrainer Kovac für sein Land.

Im SPORT1-Interview spricht Olic über Kovac, Perisic und Coutinho.

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SPORT1: Herr Olic, der FC Bayern hat mit Philippe Coutinho einen neuen Superstar. Was sagen Sie dazu?

Ivica Olic: Top! Er ist ein Weltklasse-Spieler. In der vergangenen Saison konnte man beim FC Barcelona nicht sehen, was er zuvor bereits beim FC Liverpool geleistet hat. Aber sein Name und die Erfahrung, die er hat, reichen, um erleichtert zu sein. So ein Spieler ist in jeder Mannschaft auf dieser Welt willkommen. Er wird in München schnell wieder auf ein gutes Niveau kommen.

SPORT1: Niko Kovac wirkte am vergangenen Freitag nach dem 2:2 gegen Hertha BSC sehr erleichtert, dass Coutinho kommt.

Olic: Das kann er auch sein. Jetzt hat er einen weiteren top Spieler. Er braucht auch Power von der Bank, denn da war gegen Hertha keiner. Mit Ivan (Perisic, d. Red.) und Coutinho sind zwei Powerspieler für die Offensive da. Die Saison ist lang und da können immer wieder Verletzungen aufkommen. Es ist sehr gut, dass der Kader jetzt breiter ist. Auch ich bin erleichtert.

SPORT1: Sie haben ihn schon angesprochen. Der FC Bayern hat vergangene Woche Ihren Freund Ivan Perisic von Inter Mailand ausgeliehen. Wie bewerten Sie diese Personalentscheidung? 
 
Olic: Das ist für beide Seiten eine tolle Sache. Es ist ein Deal, der sich absolut auszahlen wird. Ivan spielt schon seit Jahren auf hohem Niveau. Die vergangenen drei Jahre war er bei Inter Mailand absoluter Leistungsträger. Ivan hat eine sehr ordentliche Statistik auf seiner Position. Ich habe mit ihm in Wolfsburg gespielt und bin nach wie vor von seiner Qualität überzeugt.

SPORT1: Beschreiben Sie diese bitte...

Olic: Ivan spielt beidfüßig, also links und rechts gleich stark. Ich glaube er weiß selbst nicht, welches sein stärkerer Fuß ist. Das kann man wirklich nicht erkennen. Ich habe ihn oft gesehen, als er Elfmeter mit rechts getreten hat und dann wieder mit links. Er ist zudem extrem stark im Kopfballspiel. Und trotz seiner Größe ist er auch noch schnell genug. Er läuft viel und ist in der Nationalmannschaft einer der Spieler, der die Schnelligkeits-Statistik anführt.

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SPORT1: Er ist mit seinen 30 Jahren aber kein Spieler für einen Umbruch.

Olic: Das nicht. Ivan ist im Februar 30 Jahre alt geworden und die Medien haben geschrieben, dass er vielleicht schon zu alt für den FC Bayern ist. Das ist Blödsinn. Ich kenne seinen Körper, seine Ausdauer - und er war nie verletzt. Ich bin überzeugt davon, dass er bald auf dem Platz seine Stärken zeigen wird. Ivan kann bestimmt noch vier bis fünf Jahre auf Top-Niveau Fußball spielen.

© Reinhard Franke

SPORT1: Ist Perisic nicht doch nur die B-Lösung, weil Bayern Leroy Sané nicht bekommen hat?

Olic: Die Bayern-Bosse haben so lange versucht Sané zu bekommen und das zurecht, denn er ist ein Weltklasse-Spieler. Am Ende haben sie es nicht geschafft, da spielt auch seine schwere Verletzung eine Rolle. Er braucht jetzt bestimmt mehr als ein halbes Jahr. Bayern wird sich weiter um Sané bemühen. Nachdem der Deal geplatzt ist, hat man sich bei den Bayern nach anderen Spielern auf dem Markt umgeschaut und die Wahl fiel auf Ivan. Niko kennt ihn sehr gut. Vielleicht war Ivan nicht die erste Wahl und zunächst nicht geplant. Am Ende aber zählt nur seine Leistung. Das war auch bei mir so.

SPORT1: Was meinen Sie?

Olic: Als ich 2009 vom HSV nach München kam, haben auch viele gesagt ich werde keine große Rolle spielen. Ich habe aber immer wieder meine Spiele gemacht. Auch Mario Mandzukic wurde bei den Bayern am Anfang so beurteilt. Am Ende haben wir immer unsere Spielzeiten bekommen. Ich mache mir also überhaupt keine Sorgen wegen Ivan. Er wird am Ende allen zeigen, dass er zurecht ein Spieler von Bayern München ist. Ivan ist keine B-Lösung, sondern eine A-Lösung.

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SPORT1: Wie beurteilen Sie Niko Kovac bisher beim Rekordmeister? Er hat mit Eintracht Frankfurt den Pokal und mit Bayern das Double gewonnen. Dennoch wird er immer wieder kritisch hinterfragt.

Olic: Er hat es absolut, verdient den FC Bayern zu trainieren. Den schwersten Teil hat Niko überstanden. Was Niko nun in die Karten spielt: er hat nach dem ersten Jahr noch mehr Erfahrung. Er wird dort viel Erfolg haben.

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SPORT1: Wie haben Sie ihn in der schweren Zeit wahrgenommen?

Olic: Niko ist in seiner Sicht noch klarer geworden, er hat sich damals sehr auf seine Spieler fokussiert und auf die Aufgaben, die an ihn gestellt wurden. Auf den Druck von außen hat er gar nicht reagiert, sondern einfach seinen Job gemacht, hat selbst gewusst, dass er die sportliche Antwort geben muss. Die Mannschaft musste gewinnen und er hat das hervorragend in der Rückrunde gelöst.

SPORT1: Bayern hatte lange Probleme auf dem Transfermarkt. Wird es auch in Zukunft nicht mehr so einfach sein für die Münchner, Superstars fest zu verpflichten?

Olic: Nein. Die Chance einen Spieler wie Leroy Sané zu bekommen, muss man ergreifen. Am Ende war es seine Verletzung, die den Ausschlag gegeben hat, dass der Transfer leider nicht zustande kam. Wenn es einen interessanten Spieler am Markt gibt, dann werden die Bayern weiter zuschlagen. Bestes Beispiel ist jetzt das Leihgeschäft mit Coutinho.

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