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Rottach-Egern - Wie vor einem Jahr ist die Zukunft von Jérôme Boateng in Rottach-Egern eines der Hauptthemen. Erneut scheint es darauf hinauszulaufen, dass er Münchner bleibt.

"Gut so, Jérôme", rief Niko Kovac lautstark über den Rasenplatz des SC Rottach-Egern. In diesem Moment hatte Boateng in einer Spielform einen Zweikampf gewonnen und einen präzisen Pass folgen lassen.

Nun ist es nichts Besonderes, dass ein Trainer seinen Spieler für Gelungenes lobt. Wohl aber, dass der Innenverteidiger im Trainingslager des FC Bayern in Rottach-Egern erneut eine Hauptrolle spielte ­– wie schon im Jahr zuvor an gleicher Stelle, als sich vieles im Bayern-Kosmos um seine Zukunft drehte.

Boateng wollte die Bayern damals unbedingt verlassen und sich Paris Saint-Germain anschließen. Ein Wechsel scheiterte nicht nur an einer zu hohen Ablösesumme, sondern auch deshalb, weil Kovac sein Veto einlegte.

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Keine konkreten Offerten für Jérôme Boateng

Nun, ein Jahr später, erweckt Boateng nicht unbedingt den Anschein, wegzuwollen. Die Bayern-Bosse haben ihm vor Wochen allerdings einen Wechsel nahegelegt und würden ihm, trotz leichten Zurückruderns in den vergangenen Tagen, bei einem passenden Angebot wohl keine Steine in den Weg legen.

Daran allerdings hapert es. Zwar sind Interessenten für den bald 31-Jährigen vorhanden - konkrete Offerten aber nicht.

Wie vor einem Jahr scheint Kovac dieser Tage erneut eine bedeutsame Rolle im Boateng-Poker zu spielen. Denn womit vor ein paar Wochen nicht zu rechnen war, ist mittlerweile eingetroffen: Boateng ist sportlich für die Münchner wieder von Bedeutung.

Beim Audi Cup trug er im Finale gegen die Tottenham Hotspur die Kapitänsbinde. Im Supercup gegen Borussia Dortmund spielte er neben Niklas Süle über die volle Distanz. Gut möglich, dass er auch im DFB-Pokal bei Energie Cottbus (DFB-Pokal: Energie Cottbus - FC Bayern ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) starten wird.

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Pavard bislang noch nicht stärker als Boateng 

Das hat mehrere Gründe. Zum einen hat sich Neuzugang Benjamin Pavard noch nicht derart in den Vordergrund spielen können, dass er neben Süle gesetzt ist.

Zum anderen ist Aushilfs-Innenverteidiger Javi Martínez angeschlagen (Knie) und Neuzugang Lucas Hernández nach seiner Knie-OP noch in der Reha. Vor allem aber wird Boateng vereinsintern anders wahrgenommen als noch in weiten Teilen der Rückrunde. Da schob er wegen seines Reservisten-Daseins Frust, wirkte lustlos und zeigte das auch offen.

Boateng bittet um Entschuldigung

Ein Fehler, wie er nun bemerkenswert offen einräumte. "Das war nicht in Ordnung, aber ich wollte wirklich niemanden verärgern oder beleidigen. Ich habe nur aus tiefer Enttäuschung über meine Situation gehandelt. Ich konnte irgendwie nicht anders", sagte der 30-Jährige der Bild.

"Ich weiß, dass viele mein Verhalten damals kritisch gesehen haben, auch viele Fans. Und ich verstehe das. Egal, wie es jetzt weitergeht: Ich möchte mich auf jeden Fall dafür entschuldigen."

Mittlerweile aber - so ist nach SPORT1-Informationen die einhellige Meinung im Bayern-Team - gibt sich der Ex-Nationalspieler wieder mehr Mühe und zeigt auch eine ganz andere Körpersprache im Training und in den bisherigen Spielen. Passend dazu zeigte er sich am Mittwoch auf Instagram freudestrahlend im Bayern-Training.

Zudem weiß man, dass Süle und Pavard noch nicht dafür bekannt sind, das Spiel aus der Innenverteidigung heraus einwandfrei aufbauen zu können. Mats Hummels (jetzt Borussia Dortmund) konnte das. Boateng kann es auch, wenngleich ihm auch zuletzt gegen den BVB der eine oder andere Fehlpass unterlief.

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"Mit dem Abgang von Hummels hat sich alles geändert. Die Bayern-Bosse haben das Gespräch mit Boateng gesucht, mussten korrigieren, was sie zuvor über ihn gesagt haben. Sie brauchen ihn für die kommende Saison", sagte SPORT1-Experte Stefan Effenberg im CHECK24 Doppelpass.

Flick lobt Boateng

Das Lob von vielen seiner Wegbegleiter ließ zuletzt zusätzlich aufhorchen - darunter das des neuen Co-Trainers Hansi Flick ("Einer der besten Innenverteidiger").

Ebenso gelang es der Boateng-Seite, mit Videos, in denen er sich hart arbeitend im Urlaub zeigte, innerhalb der Mannschaft Eindruck zu hinterlassen.

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Ob Boateng indes bis zum Transferschluss am 2. September doch noch zu einem anderen Verein vermittelt wird, ist offener denn je.

Derzeit läuft es wie vor einem Jahr darauf hinaus, dass er am Ende doch bleibt.

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