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München - Nach Sanches' Verkauf spielt Joshua Kimmich beim Duell mit Schalke auf der Sechs. Das dürfte häufiger passieren und hat für den FC Bayern mehrere Vorteile.

Joshua Kimmich lachte, als kam, was kommen musste.

"Es sind immer die gleichen Fragen", antwortete er. Lachend, nicht genervt. Er wusste wohl, dass es für die immergleiche Frage einen aktuellen Anlass gab.

Der 24-Jährige hatte beim FC Bayern München mal wieder auf der Position spielen dürfen, die eigentlich die ist, auf der er sich langfristig etablieren will. Im Spiel beim FC Schalke 04 verschob ihn Trainer Niko Kovac von der rechten Außenverteidigung als Sechser ins Mittelfeld, als Ersatz für den angeschlagenen Thiago.

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Eine Rochade, die aufmerksam registriert wurde - gerade jetzt, wo nach dem Verkauf von Renato Sanches zum OSC Lille die Frage im Raum steht, ob der Rekordmeister noch einen weiteren Sechser verpflichten sollte.

Kimmich allerdings war die Bemühung anzumerken, die Aufmerksamkeit nicht größer werden zu lassen.

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Joshua Kimmich auf der Sechs, Pavard als Rechtsverteidiger

"Mir gefällt es auf der Position", erwiderte er nach dem mit 13:1 gewonnen "Traumspiel" gegen den Vilshofener Fanclub am Sonntag auf die entsprechende Reporterfrage: "Aber mir gefällt es allgemein auf dem Platz. Ich hoffe, dass ich auch rechts hinten nicht wirke, als hätte ich da keinen Bock."

Das dürfte niemand Kimmich unterstellen - und dennoch lenkt sein Einsatz als Vertretung den Blick darauf, dass sich die Vorzeichen in der Positionsdebatte um Kimmich verändert haben.

Der Verkauf von Sanches erhöht seine Einsatzchancen im defensiven Mittelfeld - während gleichzeitig eine schlagkräftige Alternative für rechts hinten verpflichtet wurde: Benjamin Pavard agierte am Samstag in der Rolle. Derselben, in der er 2018 mit Frankreich Weltmeister wurde.

Pavard hinten rechts, Kimmich auf der Sechs: Das muss keine Dauerlösung sein, aber es ist eine Alternative, die einige Vorteile für Bayern bietet.

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Drei Vorteile für den FC Bayern München

Vorteil 1: Das Überangebot in der Innenverteidigung relativiert sich. Wenn Pavard nach rechts ausweicht, ist sowohl für Niklas Süle als auch für Lucas Hernández Platz in der Stammformation und auch Jérôme Boateng kommt zu mehr Einsatzzeiten, sollte er Bayern nicht doch noch verlassen.

Vorteil 2: Kimmich kann stärker hineinwachsen in die Sechser-Rolle, die er in der Nationalmannschaft inne hat und in der er sich irgendwann auch bei Bayern festbeißen will.

In der vergangenen Saison spielte er in fünf der ersten zwanzig Liga-Spiele im Mittelfeld, danach nicht mehr, nachdem er sich bei der 1:3-Niederlage in Leverkusen schlechte Kritiken abholte – mit Kimmich als Rechtsverteidiger verlor Bayern danach kein Spiel mehr. In der Champions League spielte Kimmich in den letzten beiden Gruppenspielen als Sechser, ab dem Zeitpunkt also, als der Achtelfinal-Einzug Formsache war.

Vorteil 3: Kimmich könnten auf der Sechs die beste Ergänzung für Zugang Philippe Coutinho auf der Zehn sein. Neben dem oft mit Verletzungsproblemen kämpfende Javi Martínez ist Kimmich der einzige defensiv orientierte Spieler fürs Mittelfeld-Zentrum.

Er bringt eine andere Balance ins Spiel als Thiago, der im Supercup gegen Dortmund und beim Liga-Auftakt gegen Hertha einige Lücken in der Rückwärtsbewegung hinterließ.

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Renato Sanches' Abgang wird intern aufgefangen

Kimmich könnte der Faktor sein, der den FC Bayern zum Entschluss bewegt hat, den ungeplanten Sanches-Verkauf intern aufzufangen.

Wie die Sport Bild berichtete, nahm der Klub Abstand von der zwischenzeitlich erwogenen Verpflichtung Marc Rocas von Espanyol, der 22-Jährige würde nicht die gewünschte Defensivstärke mitbringen. 

Nach einer alternativen Lösung scheint Bayern auch nicht zu suchen. "Stand jetzt bleibt alles so, wie es ist", berichtete Kovac am Sonntag bei SPORT1.

Für Kimmichs weitere Karriere-Planung keine schlechte Nachricht.

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