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München - Nach SPORT1-Informationen will Clemens Tönnies nach seinen rassistischen Äußerungen nicht als Schalker Aufsichtsratsboss zurücktreten. Wie entscheidet der Ehrenrat?

Tag der Entscheidung für Clemens Tönnies! 

An diesem Dienstag entscheidet der Ehrenrat von Schalke 04 nach Tönnies’ rassistischen Äußerungen über die Zukunft des mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden beim Traditionsklub. 

Wie setzt sich der fünfköpfige Ehrenrat zusammen und wie objektiv ist Gremium wirklich? Wie läuft die Sitzung bzw. Anhörung ab? Was hat Tönnies vor? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Tönnies: "Werde das wiedergutmachen"

Tönnies muss sich für seine Aussagen am vergangenen Donnerstag auf dem Tag des Handwerks in Paderborn verantworten. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", hatte Tönnies in seiner Festrede zum Thema Klimawandel und Kraftwerkebau in Afrika gesagt. 

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Es folgten mehrere Entschuldigungen. Unter anderem bei den "Fans, Mitgliedern und Freunden des FC Schalke 04". Bei den rassistisch beleidigten Menschen entschuldigte sich Tönnies explizit nicht.

Der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung sagte der 63-Jährige kurz darauf: "Ich bin über mich selbst bestürzt, dass mir so etwas passieren konnte. Da hilft kein drum herumreden, da hilft auch keine Verschlimmbesserung, es war schlicht töricht. Ich werde das wiedergutmachen." 

Seitdem schweigt Tönnies. Nach SPORT1-Informationen denkt er nicht an einen Rücktritt.

Ehrenrat befragt ehemalige und aktuelle Spieler 

Die Sitzung des Ehrenrats findet wahrscheinlich am Dienstagabend an einem geheimen Ort statt. 

Dazu fliegt Tönnies nach Bild-Informationen aus Mallorca ein. 

Der Ehrenrat will laut des Blattes auch ehemalige und aktuelle Schalker Spieler mit dunkler Hautfarbe und ausländischen Wurzeln über Tönnies aussagen lassen. Dabei soll es sich um den jetzigen U23-Teammanager Gerald Asamoah, Thilo Kehrer (PSG), Naldo (AS Monaco), Salif Sané und Suat Serdar handeln.

Gremium gilt als Tönnies-freundlich 

Der Ehrenrat setzt sich aus den fünf Mitgliedern Hans-Joachim Dohm (evangelischer Pfarrer), Prof. Dr. Klaus Bernsmann (Leiter des Lehrstuhls für Straf- und Prozessrecht an der Ruhr-Universität Bochum), Götz Bock (Richter am Hessischen Finanzgericht), Bernhard Terhorst (Steuerberater) und Kornelia Toporzysek (Richterin am OLG Düsseldorf) zusammen. 

"Wir wollen Fairness für alle Beteiligten", wird Dohm in der Bild zitiert. 

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Doch wie objektiv und unabhängig ist der Ehrenrat wirklich? Bernsmann etwa war 2011 für Tönnies als Anwalt tätig, als sich der Fleisch-Fabrikant wegen des Vorwurfs der Falsch-Etikettierung vor Gericht verantworten musste. 

Grundsätzlich gelten alle Mitglieder des Ehrenrats als Tönnies nahestehende Personen.

Große Entscheidungs-Spannbreite 

Paragraph 2 der Schalker Satzung besagt: "Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral. Er bekennt sich zu den Grundsätzen der Menschenrechte. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen, insbesondere aufgrund ihrer Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, sexuellen Orientierung oder Behinderung, aktiv entgegen. In diesem Sinne ist er insbesondere bestrebt, die soziale Integration ausländischer Mitbürger zu fördern." 

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Der Ehrenrat kann Tönnies nach dessen rassistischen Aussagen als Aufsichtsratsvorsitzenden absetzen. Möglich ist auch eine vorübergehende Suspendierung. Auch denkbar: Tönnies verliert den Vorsitz im Aufsichtsrat, bleibt aber mächtiges Mitglied. 

Eine Entscheidung müsse allerdings nicht zwingend in der Sitzung am Dienstag getroffen werden, "es bestünde auch die Möglichkeit, sich zu vertagen", hieß es vonseiten der Königsblauen auf SID-Anfrage: Man gehe aber davon aus, dass es am Dienstag zu einer Entscheidung kommen werde.

Eine Pressekonferenz ist nach der Entscheidung nach SPORT1-Informationen nicht geplant. Der Verein wird wohl in Form einer Pressemitteilung über die Entscheidung informieren.

Schalkes Probleme bei einem Tönnies-Aus 

Das Ende von Tönnies’ Ära wäre für Schalke nicht unproblematisch. 

Erst vor gut einem Monat wurde der 63-Jährige erneut in den Aufsichtsrat gewählt. Von 9568 stimmberechtigten Mitgliedern votierten 5599 für Tönnies. Sein Status als Boss der Königsblauen galt als zementiert. 

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Anfang des Jahrtausends hatte er den Verein in dessen großer Finanzkrise mit 4,7 Millionen Euro Kredit aus seinem Privatvermögen über Liquiditätsprobleme hinweggeholfen. Ebenso fädelte er den millionenschweren Deal mit dem russischen Gazprom-Konzern ein. 

Tönnies’ Demission würde ein großes Vakuum hinterlassen. 

Wahrscheinlich würde, zumindest vorübergehend, Tönnies’ bisheriger Vertreter Dr. Jens Buchta das Amt übernehmen.

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