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Nicht nur Christian Streich unterstützt Fridays for Future. Doch das Verhältnis der Bundesliga zum Klimaschutz ist nicht frei von Widersprüchen.

Ein Fußballprofi demonstriert beim globalen Klimastreik der Initiative "Fridays for Future" auf der Straße und schwänzt dafür das Training. Unvorstellbar? Für Trainer Julian Nagelsmann von Bundesliga-Spitzenreiter RB Leipzig zumindest nicht unmöglich: "Wenn es für eine gute Sache ist, könnte ich darüber hinwegsehen und sagen: Da bewegt er sich ja auch ein bisschen."

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Der Fall trat am Freitag zwar nicht ein, dennoch unterstützten einige Profivereine den Klimastreik, bei dem Millionen Menschen weltweit gegen unzureichende Umwelt-Maßnahmen der Politik protestierten. So stellten unter anderem der FSV Mainz 05, der SC Freiburg und Werder Bremen ihre Mitarbeiter für die Teilnahme an Demonstrationen und Kundgebungen frei. Außerdem bot Mainz 500 Fans eine klimafreundliche Anreise zum Auswärtsspiel am Freitag bei Schalke 04 im subventionierten Sonderzug für einen Fahrpreis von 25 Euro an.

Streich unterstützt Klimastreik

Der SC gehörte zu den 500 Organisationen, die die größte Demonstration der Nachkriegszeit in Freiburg unterstützten. Die Bewegung habe "eine große Berechtigung", meinte SC-Trainer Christian Streich, der bei allen Bemühungen im Profifußball noch "eine große Diskrepanz" bei der Umsetzung der Maßnahmen sieht.

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"Wenn die Kinder mit mir reden und fragen würden: 'Sag' mal, wie sieht es eigentlich bei dir aus?' Dann müsste ich das ein oder andere Mal beschämt den Kopf abwenden", erzählte Streich. Aber genau darum gehe es, ergänzte der 54-Jährige, "dass es ausgesprochen wird, dass ein Bewusstsein geschaffen wird".

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Nagelsmann ist auch durch seinen Schwager, der als Ingenieur nachhaltige und besser zu recycelnde Joghurt-Becher und Verpackungen herstellt, mit dem Umweltthema vertraut. "Ich glaube, wir wohnen auf einem sehr schönen Planeten. Ich glaube, dass wir eine tolle Welt haben, die sollten wir auch erhalten", sagte der 32-Jährige.

Doch Profifußball und Umweltschutz: das ist so eine Sache. Laut einer Studie des Klimaschutzberaters Patrick Fortyr im Deutschlandfunk-Auftrag braucht es eine Baumfläche von 48 Fußball-Feldern, um die CO2-Emissionen eines einzigen Bundesliga-Spieltages auszugleichen. Die Anreise der vielen Fans, die Bratwürste, das Bier - alles hat Einfluss auf den immens negativen CO2-Fußabdruck.

Zuletzt forderte die für streitbare Wortmeldungen bekannte Deutsche Umwelthilfe (DUH) von der Deutschen Fußball Liga (DFL) einen Beschluss zum Einsatz von Mehrwegbechern von der Bundesliga bis zur 3. Liga. Laut DUH werde sich in der Saison 2019/2020 ein Müllberg aus über sieben Millionen Einweg-Plastikbechern anhäufen.

Mainz Vorreiter in Sachen Umweltschutz

Der FSV Mainz, bei dem im Stadionumlauf noch Einwegbecher aus biokompatiblem PLA zum Einsatz kommen, argumentiert auf Grundlage einer in Auftrag gegebenen Studie, dass Mehrweg-Becher "nicht pauschal umweltfreundlicher" seien. 

Mainz ist als erster klimaneutraler Verein so etwas wie der Vorreiter in der Bundesliga in Sachen Umweltschutz. Das Stadion, die Geschäftsstelle, der Fanshop und auch das Catering am Bruchweg sind auf Ökostrom umgestellt worden, der vollständig aus regenerativen Energien und frei von Atomstrom erzeugt wird. 

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Um die Klimaneutralität final zu erreichen, kompensierte der Klub die Restmengen des unvermeidbaren CO2. Auch die TSG Hoffenheim hat ihre Aktivitäten auf eine Klimaneutralität umgestellt und plant demnächst einen Aktionstag zu dem Thema für die Belegschaft und die Teams. 

Werder Bremen unterstützt die Klimaziele durch seine aktive Mitarbeit in der Initiative "Sports for Future". Der Klub verweist zudem auf seine Ökostrom-Zertifikate und Photovoltaik-Anlage am Weserstadion, die mit einer Leistung von 800.000 Kilowattstunden die größte gebäudeintegrierte Anlage Europas ist. Zudem soll in den kommenden Wochen ein Konzept zur Einführung von Dienstfahrrädern vorgestellt werden.

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