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David Wagner stellt mit Schalke 04 derzeit Lucien Favre (l.) in den Schatten
David Wagner stellt mit Schalke 04 derzeit Lucien Favre (l.) in den Schatten © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images
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München - Schalke 04 überholt nach vier Siegen in Folge Erzrivale Borussia Dortmund, der Erfolg basiert auf mehreren Faktoren. Schalke hat dem BVB etwas voraus.

Erst ein glückliches 0:0 bei Borussia Mönchengladbach, dann ein deutliches 0:3 gegen den FC Bayern. Ende August sah es danach aus, als ob die Tristesse der vergangenen Saison mit Platz 14 beim FC Schalke 04 auch unter dem neuen Trainer David Wagner anhalten würde.

Anstatt wie im Frühjahr zu pfeifen oder zu meckern, verabschiedeten die Schalker Fans die Mannschaft nach dem Bayern-Spiel allerdings mit Standing Ovations.

"Das ist überragend. Sie haben ein unglaubliches Gespür für Leistung und Einstellung der Mannschaft", sagte Sportvorstand Jochen Schneider hinterher im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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Vier Spiele und vier Siege mit insgesamt 13 Toren später stehen die Königsblauen auf Platz vier der Tabelle, nur einen Punkt hinter Spitzenreiter FC Bayern - und, was für die S04-Fans besonders wichtig ist, vor Erzrivale Borussia Dortmund. (SERVICE: Tabelle der Bundesliga)

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Schalke wird wieder zum Malocher-Klub

Das gab es zuletzt im Mai 2018, dementsprechend glücklich waren die Verantwortlichen nach dem 3:1-Coup bei den bislang ungeschlagenen Leipzigern - dem ersten Sieg gegen einen Spitzenreiter seit acht Jahren.

"Wenn wir so spielen, sind wir ein Topteam", schwärmte Matchwinner Amine Harit hinterher - und lag damit richtig. Schalke trat bei RB wie eine Spitzenmannschaft auf, verteidigte aggressiv, konterte schnell und traf durch starke Standards.

Während bei Nachbar BVB im Moment eine Mentalitätsdebatte tobt, hat der "Malocher-Klub" diese wieder zu seinem Markenzeichen gemacht.

"Mentalität schlägt manchmal auch Qualität. Und die haben wir auf den Platz gebracht", sagte Keeper und Kapitän Alexander Nübel.

Gegen Leipzig liefen die Königsblauen fast 125 Kilometer, der zweithöchste Wert in der Klubgeschichte. Die 231 Sprints pro Spiel sind Spitze in der Liga. Die Arbeiter-Mentalität, die Wagner auch beim einstigen Sensations-Aufsteiger Huddersfield Town in der Premier League lebte, bringt der Trauzeuge von Jürgen Klopp nun bei S04 ein.

"Den Jungs kam in den letzten fünf Minuten das Laktat aus den Augen. Das sind Laktat-Junkies", schwärmte auch Wagner am Samstag.

Doppelt so viele Tore als im vergangenen Jahr

Und der Aufschwung könnte noch weiter gehen: Die nächsten beiden Gegner Köln und Hoffenheim schwächeln derzeit, anschließend kommt der BVB zum Revierderby in die Veltins-Arena. (SERVICE: Spielplan der Bundesliga)

"Der Trainer erreicht die Spieler und macht sie besser. Harit ist ein ganz anderer als letzte Saison. Sie stehen gut und haben eine starke Umschaltbewegung", lobte Schalkes Ex-Coach Markus Weinzierl am Sonntag im CHECK24 Doppelpass.

Der Aufschwung im Vergleich zur vergangenen Saison liegt vor allem im verbesserten Offensivspiel. Obwohl Schalke fast genauso viele Torschüsse (13 pro Spiel) wie 2018/19 (12) abgibt, haben sie doppelt so viele Tore erzielt (2,2 zu 1,1 pro Spiel). Rechnet man die beiden torlosen Auftaktspiele der Saison weg, gelangen im Anschluss sogar 3,25 Tore pro Spiel.

Grund dafür ist die deutliche bessere Chancenverwertung. 21 Prozent aller Tormöglichkeiten resultieren in einem Treffer, das macht Platz 3 in der Liga. Vor Jahresfrist lag der Wert noch bei zwölf Prozent, nur die drei Absteiger waren schlechter.

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Auch defensiv präsentiert sich S04 deutlich stabiler, statt 1,6 kassiert Schalke nur noch genau ein Gegentor pro Spiel. "Wir verteidigen wie die Tiere", wählte Abräumer Omar Mascarell einen kuriosen Vergleich.

Wagner setzt auf Viererkette

Das liegt auch an der Taktikumstellung, im Gegenzug zu seinen Vorgängern Domenico Tedesco und Huub Stevens setzt Wagner ausschließlich auf eine Viererkette.

Die vier Verteidiger vor Keeper Nübel lässt Wagner auch unverändert, lediglich Salif Sané ersetzte nach dem dritten Spieltag Matija Nastasic an der Seite von Benjamin Stambouli.

Während der Senegalese vor allem offensiv (schon 2 Tore) beeindruckt, dominiert sein Nebenmann defensiv. Stambouli steigerte seine Zweikampfquote im Vergleich zu 2018/19 laut Opta von 55 auf 64 Prozent und verpasste noch keine Pflichtspielminute.

Neben den beiden Innenverteidigern gehören zwei weitere Spieler zu einer neuen, vielversprechenden Achse, die Wagner gebaut hat.

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Im zentralen Mittelfeld glänzt Suat Serdar als eisenharter Zweikämpfer (56 Prozent gewonnen) und Torschütze (2 Tore), nicht zufällig kam der Ex-Mainzer beim ersten Saisonsieg am 3. Spieltag erstmals zum Einsatz.

Nübel lobt "geilste Fans auf der Welt"

In der Offensive hat sich Harit unverzichtbar gemacht. Der Marokkaner macht derzeit den Unterschied und hat bereits sechs Scorerpunkte in dieser Saison gesammelt. Mit vier Toren schoss der 22-Jährige bereits genau so viele Treffer wie in seinen zwei Jahren zuvor. Gegen Leipzig verwandelte er selbstbewusst einen an ihn verursachten Elfmeter, weil der etatmäßige Schütze Daniel Caligiuri nur auf der Bank saß.

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Gibt es dann doch mal einen Rückschlag wie das unglückliche Gegentor in Leipzig, das auf Nübels Kappe ging, können sich die Schalker auf die Fans verlassen.

Der 23-Jährige bekam nach seinem Patzer aufmunternden Applaus und Sprechchöre und sprach hinterher laut FAZ von den "geilsten Fans auf der Welt".

Die Zukunft des Torwarts über das Saisonende hinaus ist weiter unsicher, die Aussage dürfte den Zuschauern deshalb wie Öl runtergehen. Auf Schalke scheint derzeit alles rund zu laufen.

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