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München - Julian Nagelsmann hat RB Leipzig vor dem Duell mit dem FC Bayern schon erstaunlich weit gebracht. Die Kolumne "Auf den Punkt!" von Marcel Reif für SPORT1.

Hallo Fußball-Freunde,

nach der Länderspiel-Pause ist vor dem Topspiel zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern München, zunächst aber noch ein paar Gedanken zur Nationalmannschaft - und zur Frage, warum nicht jeder bei Joachim Löw abliefert, was er in der Bundesliga zeigt.

Leipzigs Timo Werner ist dafür ein Beispiel, aber auch Marco Reus von Borussia Dortmund. Vom Alter und mit seiner Erfahrung ist er in der Team-Hierarchie ganz woanders einzusortieren. Trotzdem gelingt es ihm nicht, im DFB-Team die Akzente zu setzen, für die er beim BVB schon lange steht. Und nicht nur weil er tolle Tore und Pässe spielt, sondern auch weil er als Führungsfigur anerkannt ist und agiert.

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Ich muss von Marco Reus mehr verlangen

Was ist die Erklärung dafür? Man muss berücksichtigen, dass die Nationalmannschaft eine völlig andere Welt ist. Im Klub ist man jeden Tag, hat seine Position, seine Hierarchie. In der Nationalmannschaft muss es jedes Mal wieder ein bisschen zusammenwachsen. Trainer und Spielweise sind anders. Dennoch: Ich muss von Marco Reus mehr verlangen. Diese Nationalmannschaft wird mehr von ihm brauchen, wenn sie diesen Umbruch vollziehen will.

Was das Topspiel Leipzig gegen Bayern angeht: Ich warne davor, am Samstagabend mitzuteilen, dass die Leipziger jetzt auf Meisterkurs sind, wenn sie gewinnen - oder dass sie nicht den Hauch einer Chance gegen die unschlagbaren Bayern haben, wenn es umgekehrt läuft. (Bundesliga: RB Leipzig - FC Bayern, Samstag ab 18.30 Uhr im LIVETICKER).

Auf jeden Fall kriegen wir aber eine kleine Standortbestimmung. Die Leipziger sind dabei weiter, als sie sein dürften. Das ist dort auch eine Zeitenwende mit Julian Nagelsmann als Rangnick-Nachfolger und einigen Abgängen. Das alles so schnell auf Kurs gebracht zu haben und mit dem Tempo und der Spielfreude aufzutreten: Respekt, das hat mich überrascht. Der Kader in Leipzig ist gut. Der Trainer passt da offenbar hin. Das sieht sehr, sehr gut aus. Die Bayern sind gut beraten, Leipzig auf lange Sicht auf dem Schirm zu haben.

Ich selbst habe mich jahrelang auf jedes vermeintliche Topspiel gefreut - irgendwann habe ich aber beschlossen, mich erst danach zu freuen, wenn es wirklich so toll war. Leipzig gegen Bayern hat aber alle Zutaten für ein spektakuläres Spiel.

Die Münchner werden gegen diesen Gegner auch weiter sein müssen, als man verlangen dürfte. Zum Beispiel Philippe Coutinho: Er ist keiner, der den Kader ergänzt, sondern ist ein Spieler, der den Aggregatszustand einer Mannschaft auf dem Platz verändert.

Das kann er aber noch nicht sein, weil er zu wenig gespielt hat beim FC Barcelona. Außerdem spielt er in einer neuen Mannschaft mit neuem System. Das wird noch dauern. Dennoch werden natürlich alle, wenn es nicht läuft, sagen: "Von Coutinho haben wir mehr erwartet." Oder, dass die Bayern alles richtig gemacht haben, wenn es läuft.

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In der Abwehr ist Lucas Hernández ein prima Transfer, den es auch braucht. Niklas Süle hat zwar große Anlagen und ist international ein beachtenswerter Innenverteidiger in der Zukunft - in der Gegenwart ist er das noch nicht ganz. Er braucht einen Nebenmann, um seine Patzer ausgleichen zu können.

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Bayern-Kader immer noch am besten besetzt

Für ihren Kader wurden die Bayern ja böse, teilweise zu böse kritisiert. Offene Fragen gibt es aber tatsächlich weiterhin: Wo ist der Backup für Lewandowski? Wo ist der defensive Sechser, falls Martínez mal verletzt ist? Wo ist der Vidal-Nachfolger, der bei aller Spielkunst fehlt? Trotzdem: Bayerns Kader ist immer noch besser besetzt als die der Konkurrenz - auf den Positionen 1 bis 11 sind sie super aufgestellt.

Jetzt muss das noch eine Mannschaft werden und auf dem Platz funktionieren - und in der Kabine. Das gilt auch für das Zusammenspiel zwischen Mannschaft und Trainer: Einen zweiten James-Fall darf es nicht geben, das wäre für Niko Kovac ganz misslich.

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Vor allem müssen die Bayern Dortmund und Leipzig von Anfang an ernst nehmen, denn noch einmal werden sie neun Punkte Rückstand nicht aufholen - wobei ich nicht glaube, dass sie es sich noch mal leisten werden, so ins Hintertreffen zu geraten.

Dortmund hat zwei Transferperioden hintereinander so gut performt, dass es den Bayern schon gewaltig auf den Keks gegangen ist. Nun aber ist es für den BVB eine andere Saison. Der Fluch der guten Tat wird sie ereilen, das haben sie auch selbst akzeptiert. Sie wollen Meister werden und haben das auch so gesagt, alles andere wäre auch Unsinn.

Wenn bei ihnen alles funktioniert und bei den Bayern manches nicht funktioniert, kann der BVB die Bayern im Meisterrennen schlagen. Wobei die Niederlage gegen Union Berlin ein schlechtes Zeichen für Dortmund war: Die direkten Duelle sind zwar Spektakel, aber die Meisterschaft gewinnt und verliert man gegen genau solche Gegner. Das sind die Spiele, wo du nicht reich, schön und berühmt werden kannst, sondern die musst du abarbeiten.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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