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München - Der FC Bayern steht nach der ersten Pleite vor wichtigen Wochen. Kovac hat gute Voraussetzungen, aber auch schlechte Erinnerungen an den nächsten Gegner.

"Gibt's was umsonst?", fragte Niko Kovac, als er am Donnerstag zur Pressekonferenz im prallgefüllten Presseraum erschien.

Trotz dieser Frage wusste der gut aufgelegte Bayern-Trainer sicherlich, warum so viele Journalisten vor Ort waren. Immerhin geht die Saison in eine heiße und entscheidende Phase, der deutsche Rekordmeister hat das letzte Bundesligaspiel verloren - und dann gab es ja noch den Eklat um Kovacs Aussagen bezüglich "Notnagel" Thomas Müller.

Dem Thema Müller nahm er mit einer Entschuldigung die Schärfe, die er nach SPORT1-Informationen auch schon intern überzeugend kommuniziert hatte.

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Rummenigge setzt Kovac unter Druck

Auch sonst strahlte der Kroate vor dem langen Schlussspurt der ersten Saisonhälfte Zuversicht aus. In zwei Monaten stehen nun 15 Spiele an. Es geht um das Weiterkommen in der Champions League, das Überwintern im Pokal und die Herbstmeisterschaft in der Bundesliga.

Rein sportlich ist der deutsche Rekordmeister größtenteils auf Kurs. In der Königsklasse winkt nach zwei überzeugenden Siegen der Gruppensieg, im Pokal wartet in der 2. Runde der VfL Bochum und in der Bundesliga blieb der Klub in den ersten sechs Spielen ohne Niederlage.

Die 1:2-Heimpleite am 7. Spieltag gegen die TSG Hoffenheim aber dämpfte die gute Stimmung. Eine Niederlage, die überraschend kam, nur vier Tage nach der Gala-Vorstellung beim historischen 7:2-Sieg bei Tottenham Hotspur.

Seine Mannschaft sei noch nicht so weit, "drei oder vier Spiele am Stück zu liefern", meinte Kovac danach. Karl-Heinz Rummenigge sah das anders. "Unsere Mannschaft muss in der Lage sein, solche Spiele zu gewinnen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Welt und stellte klar, dass er mit der Entwicklung der letzten Wochen noch nicht gänzlich zufrieden ist.

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Neuer Druck für Kovac, der mit dem Team vor der Länderspielpause durch die erste Saisonniederlage die Tabellenführung verpasste. Diese soll zum Start in die heißen Herbstwochen am Samstag in Augsburg (Bundesliga: FC Augsburg - FC Bayern ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) zurückerobert werden. Rummenigge hofft, dass der FC Bayern dann wieder "das Gesicht aus London" zeigt.

Augsburg stürzte den FC Bayern in die Krise

Voraussetzung ist ein Sieg beim schwächelnden FC Augsburg. Auf dem Papier kein größeres Problem, wären da nicht die schlechten Erinnerungen an die Vorsaison.

Im letzten Jahr waren die Bayern mit sieben Siegen aus den ersten sieben Pflichtspielen in die Saison gekommen. Dann folgte am 5. Spieltag der Bundesliga das Duell mit Augsburg.

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Arjen Robben schoss die Gastgeber in der Allianz Arena noch in Führung, wenige Minuten vor dem Abpfiff glich der FCA aber in Person von Felix Götze, Bruder von Mario Götze, doch noch aus.

Was nach dem Remis folgte, war die erste und einzige echte Krise der vergangenen Spielzeit. Es setzte Niederlagen bei Hertha BSC (0:2) und gegen Borussia Mönchengladbach (0:3), sowie ein glückliches Remis gegen Ajax Amsterdam (1:1).

Danach standen 13 Punkte nach sieben Spieltagen. In dieser Saison sind es deren 14, die das klare Signal senden: Weitere Punktverluste kann sich der FC Bayern nun nicht mehr leisten.

Die Voraussetzungen sind vielversprechend

Kovac weiß um die Bedeutung der nächsten Wochen und hat bessere Voraussetzungen, als er sie im letzten Herbst hatte. Damals sorgte die Maulwurf-Affäre für Ärger, das Dauerthema um die Einsatzzeiten von Robben und Franck Ribéry für Unruhe, und die Personalsituation machte dem Coach Sorgen.

Nun hat Kovac eine Mannschaft und ein Umfeld ohne die ganz großen Störfeuer. Der kleine Brand, den der Müller-Aufreger zunächst entfacht hatte, scheint vorerst gelöscht zu sein.

Zudem ist der Bayern-Trainer in Sachen Personal nahezu sorgenfrei. "Wir könnten gar nicht besser aufgestellt sein", schwärmte Kovac bei der PK.

Trotzdem warnt er vor der Aufgabe in Augsburg. "Es ist ein kleines Derby und es war auch letztes Jahr schwierig", betonte der 48-Jährige. "Ich erwarte ein Spiel, wo wir dagegenhalten müssen. Wir müssen die Chancen, die wir haben, auch konsequent nutzen."

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Gewinnt der FC Bayern in Augsburg, dann könnte der Titelverteidiger unter Umständen zurück an die Tabellenspitze springen. Gewinnen die Münchner nicht, dann haben sie an der Säbener Straße eine Bundesliga-Krise.

Eine Krise, die zur Unzeit käme, stehen in den nächsten 21 Tagen doch sieben wegweisende Spiele in allen Wettbewerben an - mit dem Bundesliga-Kracher gegen Borussia Dortmund am 9. November als krönendem Schlusspunkt.

Das weiß auch Kovac, der die Pressekonferenz am Donnerstag vielleicht auch deshalb so nachdenklich beendete, wie er sie lustig begonnen hatte: "Das Interessante am Sport und am Leben ist: Man weiß nie, was passiert."

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