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München - Im Bayern-Kosmos herrscht aktuell Unzufriedenheit. Auffällig ist, wie unterschiedlich diese von der Führungsetage der Münchner aufgearbeitet wird.

Der FC Bayern befindet sich in einer Spiel-Krise.

Rein von den Ergebnissen betrachtet, sind die Münchner in allen drei Wettbewerben auf Kurs. Was den FCB-Bossen aber Sorge bereitet, ist die Erkenntnis, dass sich die Mannschaft unter Trainer Niko Kovac spielerisch seit Wochen schwertut, Siege teils zitternd statt überzeugend einfährt und keine klare Spielphilosophie zu erkennen ist.

Auffällig auch, wie unterschiedlich die Führungsachse aus Präsident Uli Hoeneß, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic die gegenwärtige Situation öffentlich bewertet.

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Hoeneß: Druck rausnehmen, siegreich zurückziehen

In 23 Tagen wird Hoeneß kein Bayern-Präsident mehr sein und sich in die zweite Reihe verabschieden. Melancholie ist ihm dieser Tage nicht anzumerken. Auf der Athen-Reise gab er sich meinungsstark, aber größtenteils gelassen. Er lachte und scherzte mit den Mitreisenden, unterhielt sich auf dem Bayern-Bankett intensiv mit Kovac.

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Hoeneß gab zu verstehen, dass er von einer erneuten Herbstkrise nichts wissen wolle, die Frage danach sei "Käse". Der Bayern-Macher betonte, dass im Verein Ruhe herrsche. Spielerische Probleme wird auch er sehen, spricht sie aber nicht an.

Er redete Kovac mit der Forderung nach Javi Martínez zwar in die Aufstellung herein, verteidigte seinen Trainer aber auch dafür, dass Thomas Müller in den letzten Spielen nur Reservist war.

Hoeneß wollte zuletzt aber nichts von einer offensichtlichen Defensiv-Schwäche wissen. Für ihn ist die Chancenverwertung ein großes Problem.

Hoeneß will seine Bayern siegen sehen. Er will Titel sammeln. Den Verein strahlen lassen. Dafür verteidigt er seine Spieler wie zuletzt Manuel Neuer und auch Kovac. Dafür legt er sich auch mit den Medien an.

Rummenigge: Zurück zum schönen, dominanten Spiel

Siege alleine reichen dem Vorstandsboss nicht. Rummenigge wird immer mehr zum Chef-Mahner und spricht sachlich und zutreffend die aktuellen Missstände des Bayern-Spiels an. Zuletzt auf dem FCB-Bankett in Athen. Er kritisierte die löchrige Defensive, die Punktverluste gegen kleinere Teams der Liga, die Einstellung.

Die ambitionierten Ziele in dieser Saison sieht er schon jetzt in Gefahr, weshalb er auch in Richtung Kovac klarmachte: "Wir müssen langsam die Kurve kriegen."

Rummenigge forderte im SPORT1-Interview im Juli eine klare Spielidee, die Kovac "kultivieren" müsse. Er will auf dem Platz eine Bayern-DNA sehen, einen Wiedererkennungswert - auch in Form eines festen Systems.

Tritt Hoeneß als Präsident ab, wird Rummenigge noch mächtiger, sein Wort wird noch mehr Bedeutung gewinnen. Denn noch ist völlig unklar, wie Hoeneß' Erbe Herbert Hainer und Rummenigges designierter Nachfolger Oliver Kahn öffentlich auftreten werden.  

Intern gilt Rummenigge weiterhin als Kovac-Skeptiker, stärkt aber Salihamidzic, mit dem er sich wiederum intensiv auf dem Bankett austauschte. Seine Forderung aber bleibt: Mit den Zitter-Auftritten muss ab sofort Schluss sein!

Salihamidzic: Weniger Baustellen und einen neuen Vertrag

Der Sportdirektor schärft zunehmend sein Profil, indem er wenig beschönigt und zur richtigen Zeit mahnt und kritisiert. Auch eigene Spieler weist er sachlich zurecht, wenn sie sich, wie zuletzt Thomas Müller, öffentlich beklagen.

Deutliche Worte gab es von ihm auch nach dem 3:2 in Piräus: "Alles muss besser werden”, forderte der 42-Jährige und weiter: "Wir müssen besser spielen, verteidigen und mehr zusammenspielen. Mehr Kontrolle über das Spiel haben."

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Der Ex-Profi wird vor allem am Personal gemessen, denn er ist der Kader-Bauer. Viele Transfers lassen sich aber noch nicht final bewerten. Alphonso Davies, einer seiner Wunschspieler, spielt noch keine Rolle, ebenso wie Fiete Arp oder Michael Cuisance.

85-Millionen-Mann Lucas Hernández konnte seiner hohen Ablöse bislang nur selten gerecht werden und fällt vorerst verletzt aus. Dafür ist Benjamin Pavard Stammspieler. Ivan Perisic kam zuletzt wenig zum Einsatz. Philippe Coutinho tut sich noch schwer.

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Gut ist die Entwicklung im Bayern-Nachwuchs, für die er mitverantwortlich ist. Rückendeckung erhält Salihamidzic vor allem von Rummenigge, aber auch von Hoeneß. Er kämpft darum, dass sein Vertrag im Sommer verlängert wird und bestenfalls eine Beförderung zum Sportvorstand beinhaltet.

Salihamidzic selbst gibt indes Kovac weiter Rückendeckung. Eine Trainer-Diskussion lässt er zu keiner Zeit aufkommen, weitere Baustellen will er vehement vermeiden.

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