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München - Hans-Joachim Watzke stichelt gegen Pierre-Emerick Aubameyang, der reagiert scharf. Doch was steckt hinter dem Zwist? SPORT1 klärt mit einem BVB-Insider auf.

Dieser Tweet schlug hohe Wellen.

Paradiesvogel Pierre-Emerick Aubameyang bezeichnet seinen ehemaligen Boss Hans-Joachim Watzke als "Clown".

Was war passiert? Watzke hatte in der Süddeutschen Zeitung gegen den Gabuner, der mit den Gunners nur in der Europa League spielt, gestichelt. "Pierre-Emerick Aubameyang, der beim FC Arsenal großartig spielt, wird wahrscheinlich warm ums Herz, wenn er auf sein Konto schaut, aber mittwochs guckt er bei der Champions League regelmäßig nur im Fernsehen zu und ist traurig", meinte Watzke. 

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Doch was steckt hinter Watzkes Aussage - und Aubameyangs scharfer Reaktion? SPORT1 klärt mit Welt-Autor, SPORT1-Mitarbeiter und BVB-Insider Oliver Müller auf.

So war das Verhältnis zwischen Aubameyang und Watzke

"Persönlich war das Verhältnis zwischen beiden nie schlecht", sagte Müller, der Teil der Doku "Inside Borussia Dortmund" von Amazon ist, im Gespräch mit SPORT1.

Natürlich habe es "massiv gelitten, nachdem Aubameyang sehr deutlich und mit einigen schmutzigen Tricks versucht hat, seinen Wechsel zu forcieren".  Aber die Beziehung sei "nicht grundsätzlich schlecht" gewesen.

Aubameyang hinterlegte seinen Wechselwunsch bei den BVB-Bossen immer wieder. Doch zum einen fehlten die Angebote eines internationalen Spitzenklubs - Aubameyang träumte immer von Real Madrid - zum anderen ließ ihn der BVB nicht aus dem Vertrag.

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Dabei hatte es nach SPORT1-Informationen in vorausgegangen Vertragsverhandlungen Zusagen gegeben, dass er gehen könne.

Man habe ihm den Verbleib "durch Vertragsverlängerungen und Gehaltsaufstockungen versüßt", erklärte Müller. "Aubameyang hat das auch akzeptiert und immer seine Leistung gebracht, unabhängig von Einzelfällen, in denen er dann für einen Tag zum Shopping nach Mailand geflogen ist, was er nicht durfte. Er war immer ein bunter Vogel, hat sich aber trotzdem eigentlich immer professionell verhalten."

Der Wendepunkt sei der Fall Dembélé gewesen, der sich zum FC Barcelona streikte.

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"Von da an fühlte sich Aubameyang etwas ungerecht behandelt, weil man ihm diese Möglichkeit nicht gegeben hat. Nach dem Motto: 'Guck mal, wenn hier jemand streikt, dann bekommt er seinen Willen. Aber meine Professionalität und Loyalität gegenüber dem BVB wird mir nicht gedankt'", meinte der BVB-Insider.

Darum stichelte Watzke

Watzke ist zwar "ein streitbarer Typ", Müller vermutet aber keinen "tieferen Sinn oder Absicht" hinter Watzkes Aussagen, also auch nicht, dass er von den aktuell sportlich mäßigen Leistungen und Resultaten ablenken wolle.

Auch gebe es keinen "persönlichen Hintergrund" zwischen Watzke und Aubameyang, auch wenn dessen unschöner Abgang mitsamt Streikandrohung "eine Wunde hinterlassen hat".

Allerdings ist im vergangenen Jahrzehnt "ein gewisser Stachel" herangewachsen. Spieler, die den BVB verlassen haben, sprachen häufig vom "nächsten Schritt" oder einem "größeren Verein".  

Doch ein Großteil der Akteure hat sich sportlich nicht zwingend verbessert.

Aubameyang spielt nicht mehr in der Champions League, Mario Götze und Mats Hummels wurden beim FC Bayern nicht glücklich, Henrikh Mkhitaryans Karriere ging den Bach runter, auch Ousmane Dembélé ist in Barcelona nicht durchgestartet. Eine gewisse Genugtuung spielt bei Watzke also mit.

Zudem gehe es darum, eine Message zu senden. Der Klub will, auch als Reaktion auf die Abgänge der Vergangenheit, aufzeigen, "dass man den BVB nicht verlassen muss, wenn man auf internationalem Topniveau spielen will."

Die Klub-Verantwortlichen haben im Sommer nicht nur betont, dass sie Deutscher Meister werden wollen. "Sie wollen sich auch in der internationalen Spitze etablieren und sehen sich dazu in der Lage, auch wenn es ihnen von vielen immer abgesprochen worden ist", erklärte Müller. "Nach dem Motto: 'Borussia Dortmund ist ganz nett und hat vor allem in der Klopp-Zeit für gewisse Furore gesorgt, aber Dortmund ist nicht in der Lage, dauerhaft mit den großen internationalen Spitzenvereinen mitzuhalten.' Das soll sich ändern. Sie sind wild entschlossen, das hinzubekommen."

Watzke will betonen, dass die Borussia ein europäischer Spitzenverein ist, "und zwar mehr, als es in der Wahrnehmung vieler Beobachter der Fall ist, auch im Vergleich zu einem Verein wie Arsenal."

Darum schlug Aubameyang zurück

Auch wenn es Watzkes Stichelei "nicht unbedingt gebraucht" habe, hat er rein faktisch Recht, was Aubameyang sicher stört. Bellt hier also ein getroffener Hund oder steckt mehr dahinter?

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"Was das Problem dieser Aussage ist: Er setzt es in Verbindung mit Geld. Dadurch erweckt er den Eindruck, dass es Aubameyang nur ums Geld gegangen sei, was diesen natürlich ärgert", erklärte Müller. "Das ist zwar bei 99 Prozent der Spitzenfußballer so, aber trotzdem mag keiner es gerne, wenn es öffentlich formuliert wird."

Deswegen könne man bei Watzke "über die Stilfrage genauso diskutieren wie damals bei Aubameyang, als er trotz eines laufenden Vertrages auf den Wechsel hingearbeitet hat. Es ist ein bisschen schwierig, eine Opfer- oder Täterrolle auszumachen."

Zudem stößt Aubameyang Watzkes Einstellung auf - vor allem wegen Dembélé.

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"Ich erinnere mich, als sie sagten, dass Ousmane (Dembélé, Anm. d. Red.) niemals verkauft wird, dann haben sie mehr als 100 Millionen Euro gesehen und waren der Erste, der das Geld nahm. Sprechen Sie nicht über Geld", schrieb der Stürmer in seinem Tweet.

Der Fall habe seiner Ansicht nach "auch nicht ganz zu Unrecht eine gewisse Doppelmoral bei Borussia Dortmund freigelegt", sagte Müller. "Einerseits sagen: Sich nicht erpressen lassen, hohe moralische Maßstäbe nach außen formulieren – und dann tatsächlich trotzdem das Geld zu nehmen."

Zorc rüffelt Aubameyang

Michael Zorc sprang in der Pressekonferenz vor Dortmunds Auswärtsspiel beim SC Freiburg Watzke zur Seite und rüffelte Aubameyang.

"Ich finde, Auba hat sich dort im Ton und in der Wortwahl vergriffen. Aki (Hans-Joachim Watzke, Anm. d. Red.) hat nichts Böses gesagt und schon gar nicht Böses gemeint", erklärte der Sportdirektor. 

Zorc betonte zudem, dass "wir uns fast immer, auch in schwierigen Situationen, hinter ihn gestellt haben. Deswegen kann ich die heftige und überzogene Reaktion nicht wirklich nachvollziehen."

Was Aubameyang mit seiner Drohung ("Es ist besser für Sie, wenn ich niemals darüber spreche, warum ich Dortmund wirklich verlassen habe") meint, kann Zorc nicht verstehen. "Vor allem, da ich alle Hintergründe kenne. Wir haben uns in keinster Weise etwas vorzuwerfen", sagte der 57-Jährige, der das Thema dann aber abschließen wollte.

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Auch bei Watzke persönlich kann es durchaus sein, dass er Aubameyangs Angriff nicht auf sich sitzen lässt, zumindest, wenn er darauf angesprochen wird. Denn wer lässt sich schon gerne als Clown bezeichnen?

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