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München - Borussia Dortmund soll sich "intensiv" mit einem Transfer von Emre Can befassen. Kein Wunder: Er verkörpert vieles von dem, was der BVB brauchen kann.

Es könnte der aus deutscher Sicht spektakulärste Transfer des Winters werden: Nationalspieler Emre Can macht sich Gedanken über eine Rückkehr in die Bundesliga.

Nach SPORT1-Informationen ist der 25 Jahre alte Nationalspieler offen für einen Wechsel nach Deutschland, sollte sich bis dahin nichts an seinem Reservistendasein beim italienischen Meister Juventus Turin ändern (wonach es nicht aussieht).

Der FC Bayern München wäre eine Option, Borussia Dortmund ebenso. Der BVB scheint im Moment das größere Interesse zu haben, soll sich einem Bericht der Bild zufolge "intensiv" mit der Personalie befassen.

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Was kein Wunder ist: Der Deal würde für die Mannschaft von Trainer Lucien Favre aus vielen Gründen Sinn ergeben, auch und gerade mit Blick auf den Titelkampf mit den Bayern.

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Transfer wäre für BVB vergleichsweise günstig

Can ist in der Defensive praktisch überall einsetzbar, sein jüngster Auftritt als Innenverteidiger mit der Nationalmannschaft beim 6:1 gegen Nordirland ist dafür nur der aktuellste Beleg.

In der Abwehrkette kann Can innen und rechts außen spielen, auch auf der Sechser-Position im defensiven Mittelfeld ist er eine Option - eine, die eine Mannschaft mit "Robustheit und Zweikampfstärke" veredelt, wie Bundestrainer Joachim Löw eben erst hervorhob.

Brauchen kann der BVB eine so flexible Alternative definitiv, umso mehr, nachdem der kampfstarke Thomas Delaney bis Januar verletzt ausfällt.

Aus Sicht der Dortmunder wäre Can als Winter-Transfer auch ein Glücksfall, weil Juve ihn nicht für die Champions League gemeldet hat (wie auch den ebenfalls immer wieder mit dem BVB in Verbindung gebrachten Stürmer Mario Mandzukic). Can wäre für den BVB also auch dort spielberechtigt - und vergleichsweise günstig zu haben (kolportierte Ablösesumme: 20 Millionen Euro).

Emre Can verkörpert Führungsqualitäten

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt: Can ist ein anerkannter Führungsspieler, verkörpert das seit jeher auf und neben dem Platz, setzt Reizpunkte auch im Umgang mit seinen Mitspielern.

Eben erst berichtete der ehemalige Kapitän der deutschen U17 im kicker, wie er bei Juve jungen Talenten Beine machte, die aus seiner Sicht die falsche Einstellung an den Tag legen.

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"Sie haben die Chance ihres Lebens, wenn sie bei den Profis mittrainieren dürfen. Dennoch legen manche teilweise eine Körpersprache an den Tag, die mich fast schon wütend macht", erzählte er. "Ich gehe bei Juventus oft zu diesen Spielern hin, rede mit ihnen, versuche ihnen zu verdeutlichen, welche Möglichkeiten sich ihnen bieten, wenn sie Gas geben und sich zeigen."

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Selbstbewusst auch nach Rückschlag bei Juventus

Can hat vorgelebt, wie man sich durchbeißt, auch durch Karriere-Entscheidungen, die nicht jeder getroffen hätte.

Den FC Bayern verließ er 2013 mit 19 Jahren von sich aus, obwohl der Rekordmeister das Talent damals halten wollte. Ein Jahr nach seinem Wechsel zu Bayer Leverkusen ging er schnell den nächsten Schritt zum FC Liverpool, wo er sich international etablierte.

Auf den Rückschlag bei Juve zu Beginn der Saison reagierte er auch bemerkenswert: Er kuschte nicht vor der Entscheidung von Trainer Maurizio Sarri, der im Sommer bei Juve Meister-Coach Massimiliano Allegri abgelöst hat. Er machte öffentlich deutlich, dass er "sauer und wütend" über seine Nicht-Nominierung für die Königsklasse ist und sie für ungerechtfertigt hält.

Gleichzeitig achtete er darauf, den Bogen nicht zu überspannen: "Aus Respekt für Juventus und meine Teamkollegen, deren Erfolg immer meine erste Priorität war, sage ich nicht mehr."

Einer mit Mentalität

Ein Spieler mit Cans Selbstbewusstsein würde dem BVB in Sachen Mentalität einen Schub versetzen - ein ungeliebtes Thema, das durch die Art und Weise, wie Dortmund mit 0:4 das Topspiel gegen den FC Bayern verlor, neu und mehr denn je aufgeflammt ist.

Und anders als der prinzipiell auch meinungsstarke Neuzugang Mats Hummels bringt er auch nicht den Rucksack des Ex-BVB-Kapitäns mit, der sich durch seine Wiedereingliederung in die BVB-Hierarchie hinter Spielführer Marco Reus zurücknehmen und Empfindlichkeiten berücksichtigen muss.

Der Bedarf nach einem Spieler wie Can ist beim BVB aktuell größer als bei Bayern, wo es nach SPORT1-Infomationen trotz großer Wertschätzung für seine Qualitäten eher nicht nach einer Rückholaktion im Winter aussieht.

Wenn der BVB Can von sich überzeugen und die internationalen Mitbewerber ausstechen kann, könnte der Wechsel die Dynamik im Meisterschaftskampf durchaus verändern.

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