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Vier Persönlichkeiten leiten die Geschicke des FC Bayern in der Ära nach Uli Hoeneß. Wer übernimmt welche Aufgaben? SPORT1 gibt einen Überblick.

Alle unter einem Dach.

Auf der Jahreshauptversammlung versammelte sich am Freitagabend das zukünftige Führungs-Quartett des FC Bayern – vor den Augen von über 6000 Mitgliedern.

Uli Hoeneß verabschiedete sich als Präsident und wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. Herbert Hainer wurde zu seinem Nachfolger gewählt, Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge, dessen designierter Nachfolger ab 2021, Oliver Kahn, und Bald-Sportvorstand Hasan Salihamidzic waren ebenfalls zugegen.

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Wie präsentierten sie sich und was kann man zukünftig von ihnen erwarten? SPORT1 klärt auf.

Herbert Hainer (65 Jahre alt)

Hainer ist seit Freitagabend 22.42 Uhr neuer Präsident des FC Bayern e.V.. Der frühere Adidas-Boss stellte schon vorab klar: "Ich lieben diesen Verein."

Hainer, zudem auch neuer Aufsichtsrats-Chef, ist ein Mann der klaren Worte. Wenn ihm etwas nicht passt, spricht er es direkt an. Zu merken war das erstmals, als er Bayern-Mitgliedern das Wort entzog, die bei ihren Beiträgen das Zeitlimit überschritten. Hainer ist Geschäftsmann, Diplomat und Stratege. Er wird dem Verein Ruhe verleihen. Abteilung Attacke ist von ihm nicht zu erwarten. Abteilung Klartext hingegen schon. Ehemalige Mitarbeiter bezeichnen ihn als bodenständigen Menschen, als einen Menschenfänger, der Vertrauen schenkt.

"Ich bin jetzt 65 und werde mich auch nicht mehr verändern. So, wie ich die letzten 15 Jahre Adidas geführt habe, werde ich auch versuchen, den FC Bayern zu führen", sagte er auf SPORT1-Nachfrage.

"Wir haben unheimlich viel gemein, aber auch Unterschiede", ergänzte Hainer, um einen Vergleich mit Hoeneß zu ziehen: "Ich habe zum Beispiel ein iPad und ein iPhone. Ich werde meinen Stil einbringen." Die Trainersuche übergab er direkt in die Hände des Vorstands um Boss Rummenigge und Salihamidzic. Als ihn SPORT1 nach einer möglichen Rückkehr von Pep Guardiola fragte, verzichtete er auf ein Dementi, betonte vor allem, den „besten Trainer für Bayern München" holen zu wollen. 

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Karl-Heinz Rummenigge (64)

Seinen "Freund" Hoeneß, wie er ihn selbst bezeichnete, verabschiedete Rummenigge stilvoll.

"Mia san Uli", sagte er am Ende seiner Rede. Rummenigge ist fortan der Mann für die erste Reihe und deren Gesicht. Seine Macht ist nach dem Hoeneß-Rückzug nochmal gestiegen. Von ihm werden weiterhin klare Ansagen erwartet. Er betonte, sich auf die Zusammenarbeit mit Kahn zu freuen, von dem man sich einiges erwarten könne.

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Rummenigge wird auch Salihamidzic weiterhin unterstützen, während er Kahn anlernt. Vehement verteidigte er den angehenden Sportvorstand, als herbe Kritik von Bayern-Mitgliedern an ihm aufkam. Rummenigge wird federführend bei der Trainersuche sein, Salihamidzic wird ihn dabei unterstützen.

Rummenigge wagte sich im Namen des Vereins auch an kontroverse Themen heran. Er sprach sich für den Erhalt der Champions League in seiner jetzigen Form aus, er zeigte Rassismus und Homophobie die Rote Karte, setzt auf Nachhaltigkeit. Was die Bayern und auch er im Auge behalten werden müssen: Die Zusammenarbeit mit Sponsor "Qatar Airways" ist vielen Fans ein Dorn im Auge.

Hasan Salihamidzic (42)

Im Juli 2020 wird sich Salihamidzic Sportvorstand nennen dürfen. Dann nämlich wird sein Sportdirektoren-Vertrag umgewandelt.

Mehr denn je wurde am Freitagabend klargestellt, dass er innerhalb des Vereins größten Rückhalt und sich die Beförderung verdient habe. Ganz gleich, welche öffentliche Meinung über ihn herrschen möge. "Uli war die Benchmark für alle", zog Rummenigge sogar einen Hoeneß-Vergleich, aber "glauben Sie mir eins: Hasan ist auf einem guten Weg, geben Sie ihm die Chance. Er verdient sie."

Hainer stimmte dem "voll zu", sagte: "Glauben Sie uns, dass wir die Entwicklung von Hasan genau begutachtet haben. Dabei haben wir vor allem die Entwicklung am Campus einbezogen." Spät am Abend war es ihm nochmal wichtig klarzustellen, dass sich alle Aufsichtsräte für die neue Rolle von Salihamidzic ausgesprochen haben.

Aus dem Fanlager bekam Salihamidzic durchaus Applaus und Zuspruch. Dennoch gab es vereinzelt Kritik an der Transferpolitik und öffentlichen Auftritten des Sportdirektors. Salihamidzic wird es schaffen müssen, sich mit Erfolgen derart freizuschwimmen, dass eine öffentliche Verteidigung der Bayern-Bosse nicht mehr notwendig ist. Den Campus hat er vorangebracht. Den Kader-Umbruch bei den Profis hat er eingeleitet, muss ihn aber erst noch erfolgreich vollziehen. Vor ihm liegen mögliche Transfer-Brocken wie Leroy Sané, Kai Havertz oder Alexander Nübel. 

Oliver Kahn (50)

Der frühere Welttorwart ist noch gar nicht im Amt, wurde in der Münchner Olympia-Halle aber schon gefeiert wie ein Popstar. Jedes Mal, wenn sein Name am Rednerpult fiel, folgte frenetischer Jubel. Klares Zeichen: Der kommende Vorstands-Boss, der ab Januar kommenden Jahres (Vertrag bis 2024) seine Arbeit als Vorstands-Mitglied beim FC Bayern aufnehmen wird, gilt als Hoffnungsträger für eine erfolgreiche Zukunft.

"Da hast du viel Arbeit, um diese Vorschusslorbeeren zu rechtfertigen", sagte Hoeneß. Kahn selbst äußerte sich auf der Jahreshauptversammlung nicht. Er saß in der ersten Reihe neben Sailhamidzic und hörte zu. Eine Gastrednerin, die zuvor Rummenigge kritisierte, sagte: "Wir sind alle froh, dass unser Oliver Kahn kommt."

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Wie sich Kahn in seinen ersten Tagen und Wochen öffentlich präsentieren wird, ist noch nicht klar. Ebenso wenig, inwiefern er in der Trainersuche involviert sein wird.

In seiner "Kahnalyse" von Sponsor Samsung forderte er vor wenigen Tagen aber deutlich, "sich ganz genau Gedanken darüber zu machen: Was ist der Fußball, für den Bayern München steht und stehen möchte, und was ist ein Trainer, der optimal dazu passt". Es müsse darum gehen, einen Trainer zu finden, der mit seiner Philosophie "eine Ära" prägen könne.

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