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Belgrad - Hansi Flick hat es geschafft, die mächtige Bayern-Kabine hinter sich zu bringen. Der Rückhalt könnte sogar Flicks Zukunft mitentscheiden.

Die Augen vieler Protagonisten des FC Bayern glänzen dieser Tage, denn Mindestens-bis-Weihnachten-Trainer Hansi Flick hat das Siegerlächeln zurückgebracht.

Die Mannschaft dominiert wieder und fuhr zuletzt drei Siege ein, bei einem Torverhältnis von 10:0. Am Dienstagabend in der Champions League, bei Roter Stern Belgrad, soll der nächste Streich folgen. (Champions League: Roter Stern Belgrad - FC Bayern München, Di. ab 21 Uhr im LIVETICKER)

Auffällig: Die Spieler wurden am Reisetag nach Belgrad nicht müde, Kovac-Nachfolger Flick über den grünen Klee zu loben. Nun sind Lobhudeleien für erfolgreiche Nachfolger erfolgloser oder in die Kritik geratener Vorgänger nicht unüblich. In München jedoch hört man genauer hin, was die Spieler von sich geben, denn bekanntermaßen besitzen die Führungsspieler im Bayern-Kosmos viel Macht.

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In München spricht man daher gemeinhin von einer schwierigen Kabine. Carlo Ancelotti bekam diese zu spüren, zuletzt auch Niko Kovac.

Haben die Bayern-Spieler zu viel Macht?

"Wichtige Entscheidungen für den Verein treffen die Leute, die sie zu treffen haben. Da haben wir Spieler keinen Einfluss drauf", antwortete Joshua Kimmich auf SPORT1-Nachfrage. Doch auch der 24-Jährige weiß nur zu genau: Die Bayern-Bosse registrieren genau, wenn Misstöne aus der Kabine aufkommen. Dazu passend, wie Ex-Präsident Uli Hoeneß klarmachte, dass es einige Spieler gab, die Kovac "weghaben" wollten.

Fakt ist: Aussagen der Spieler sind in München Seismograph für die interne Stimmung und den Zustand des Trainerstuhls.

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Unisono meldeten sich seit der Flick-Übernahme vor allem jene Spieler zu Wort, die mit Kovac so ihre Probleme hatten. Gelobt wurden zuletzt die taktischen Maßnahmen Flicks (höheres, aggressiveres Verteidigen) und seine Kommunikationsstärke. All das, was an Kovac kritisiert wurde ­– mannschaftsintern und öffentlich.

"Mit der taktischen Ausrichtung fühlen wir uns derzeit sehr wohl", erklärte Leon Goretzka in der serbischen Hauptstadt auf SPORT1-Nachfrage und fügte überdeutlich hinzu: "Hansi hat einfach eine sehr positive Art, eine große Empathie und sehr viel soziale Kompetenz. Er kommuniziert auch sehr viel mit den Spielern und holt alle mit ins Boot. Daher ist jeder bereit, Vollgas zu geben."

Läuft es einfach besser oder wird Flick bewusst gelobt, weil er wichtige Teile der Kabine hinter sich hat? "Wahrscheinlich von beidem etwas", sagte Goretzka. "Natürlich ist die Euphorie groß, wenn wir Spiele gewinnen. Das macht das Thema aktuell leichter. Noch viel zuversichtlicher macht aber alle die Art und Weise, wie wir derzeit spielen. Das ist genau der Punkt."

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Flick genießt seine Rolle

Sicherlich auch ein Grund, warum sich immer mehr Spieler für Flick aussprechen – auch als Dauerlösung. Den Bayern-Verantwortlichen wird dies nicht entgangen sein. In der Zukunfts-Frage lassen sie sich aber noch nicht in die Karten schauen. "Wir haben mit Hansi Flick eine Vereinbarung getroffen, dass er bis Winter unser Trainer ist. Dann werden wir weitersehen. Dabei bleibt es auch", erklärte Sportdirektor Hasan Salihamidzic vor der Abreise.

Unklar ist nach wie vor, ob man nach einer Lösung ab Januar sucht, oder erst ab Sommer 2020 – oder man sich tatsächlich eine Dauerlösung mit Flick offenhält. Der Kovac-Nachfolger sagte nach dem Düsseldorf-Sieg, dass er sich selbst "vieles" vorstellen könne.

Derzeit genießt Flick seine neue Rolle, das ist ihm anzumerken. Er flachst mit den Spielern, tat dies auch beim Warm-Up im Abschlusstraining.

Zum Rückhalt seiner Spieler sagte er zuvor im Stadion "Rajko Mitic": "Am Ende ist das Ergebnis auf dem Platz wichtig. Beim FC Bayern ist es auch noch gut, wenn man ein gutes Spiel zeigt. Als Trainer bist du für deine Spieler da. Du musst sie unterstützen, damit sie Hochleistung bringen können. Wir tun alles dafür, dass wir dies den Spielern ermöglichen. Ich nehme mich da nicht so wichtig, denn es geht immer um den Verein. Alles andere ist mir relativ egal."

Man darf gespannt sein, wie egal – oder nicht – der Kabinen-Zuspruch am Ende in der Trainer-Entscheidung sein wird.

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