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München - Seit der Einführung des VAR sollen Abseitsentscheidungen erst verspätet angezeigt werden. Bayern-Trainer Hansi Flick sieht die Regelung kritisch.

Alphonso Davies rannte im Vollsprint dem enteilten Moussa Diaby hinterher, luchste dem Flügelstürmer an der Strafraumkante den Ball ab und erntete Szenenapplaus für seine Rettungstat.

Dabei hätte sich der Linksverteidiger des FC Bayern diesen Einsatz auch sparen können, denn anschließend ging die Fahne des Schiedsrichterassistenten hoch: Abseits.

Und an der Seitenlinie schimpfte Hansi Flick.

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Es sind Szenen wie diese, die den Interimstrainer des FC Bayern zunehmend ärgern.

Flick: "Situationen, bei denen ich Angst habe"

"Ich finde, dass man die Fahne direkt hochziehen kann, wenn es ein klares Abseits ist", betonte Flick beim Fanclub-Besuch in Feuchtwangen am Sonntag. "Das sind Situationen, bei denen ich manchmal Angst habe."

Flick sorgt sich in solchen Szenen um die Gesundheit der Spieler.

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Um den Gegner einzuholen, "muss der Abwehrspieler im Volltempo hinterher und alles rausholen. Dann kommt es oftmals vielleicht zu einem Kontakt und das kann zu einer Verletzung führen", erklärte der 52-Jährige.

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Seit der Einführung des Videoassistenten wird die Handhabe bei Abseitsentscheidungen viel diskutiert.

Empfehlung für "späte Fahne"

DFB-Videochef Jochen Drees sprach sich daher bei knappen Situationen für die so genannten "späte Fahne" aus. Es werde von Schiedsrichtern, bzw. -Assistenten erwartet, "bei Zweifeln mit dem Pfiff beziehungsweise der Abseitsanzeige zu warten, bis der Ball im Tor ist oder die betreffende Situation abgeschlossen ist", sagte Drees im Sommer.

Schließlich hat nur dann der VAR noch die Möglichkeit die Szene zu überprüfen und mit Hilfe der kalibrierten Linien noch mal genau draufzuschauen.

"Das funktioniert grundsätzlich gut und ist mit Blick auf den Hintergrund dieser Anweisung auch sinnvoll", sagt Alex Feuerherdt vom Schiedsrichterpodcast "Collinas Erben" zu SPORT1.

Verletzungsgefahr "nicht von der Hand zu weisen"

Er teilt durchaus Flicks Kritik, dass manchmal auch bei relativ klaren Abseitsstellungen die Fahne des Assistenten erst mit deutlicher Verspätung hoch geht. "Das soll eigentlich nicht sein, auch wenn es verständlich ist, wenn ein Assistent lieber gar kein Risiko eingehen will, falsch zu liegen", meint Feuerherdt.

Die Verletzungsgefahr sei bei dieser Regelung "sicherlich nicht von der Hand zu weisen", ergänzt Feuerherdt, "egal, ob die Abseitsstellung nun knapp oder klar war. Bei knappen ist das Verständnis dafür, dass die Assistenten verzögert winken, allerdings deutlich eher gegeben."

Dieses unnötige Risiko ließe sich in Flicks Augen leicht verhindern: "Wenn ich als Linienrichter sehe, dass es Abseits ist, dann mache ich die Fahne hoch und lasse nicht noch 10 bis 15 Sekunden laufen, bis irgendwas ist. Ich wünsche mir, dass da früher eingegriffen wird."

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Allerdings gibt Feuerherdt hier auch zu bedenken, "dass ein Abseits, das uns als Zuschauer klar erscheint (und im Standbild vielleicht auch ist), sich für die Assistenten als nicht so klar darstellen kann".

Problem des frühen Abseitspfiffs

So geschehen bei der Großchance von Robert Lewandowski bei der 1:2-Niederlage gegen Leverkusen. Kurz vor der Pause lief der Torjäger nach einem Steilpass von Ivan Perisic allein aufs Tor zu, verzögerte vor Lukas Hradecky und schoss den Ball schließlich am Tor vorbei. Erst dann ging die Fahne hoch. Die in Realgeschwindigkeit vermeintlich klare Abseitsposition war allerdings auf den TV-Bildern plötzlich nicht mehr so klar.

Immerhin: verletzt hat sich in dieser Szene niemand.

Für Feuerherdt sei es daher eine Abwägungsfrage, ob man den Schaden größer als Nutzen halte. In dem Fall "muss man zur alten Regelung zurückkehren, dann aber auch damit leben, dass falsche Fahnenzeichen die eine oder andere klare Torchance zunichtemachen".

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