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In einem spektakulären Schlagabtausch erkämpft sich RB Leipzig einen Punkt bei Dortmund. Daran hat auch Julian Nagelsmanns Kniff seinen Anteil. Die SPORT1-Taktikanalyse.

Eigentlich reiste RB Leipzig mit viel Schwung zum Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund.

Die Sachsen hatten zuletzt mehrfach deutliche Siege eingefahren und ihre Offensivstärke regelmäßig unter Beweis gestellt. Im spektakulären Topspiel bei Borussia Dortmund waren sie erstmals seit langem die unterlegene Mannschaft und kamen zu einem recht glücklichen 3:3.

In den vergangenen Partien war Leipzig vor allem deshalb stark, weil es den Ballbesitz dominierte, den Gegner systematisch ausspielte und zwangsläufig Tore erzielte. Das gelang gegen den BVB nach einer zu erwartenden Abtastphase jedoch nicht, weil die Hausherren mit ihrem aufs Zentrum fokussierten Pressing gerade Leipzigs Mittelfeldspieler Konrad Laimer und Diego Demme komplett aus dem Spiel nahmen.

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Hummels und Zagadou bereiteten Leipzig Probleme

Folglich ergriff der BVB frühzeitig die Kontrolle und Leipzig war dazu gezwungen, aus der 4-4-2-Verteidigungsformation heraus zu agieren. In den letzten Jahren war Pressing noch eine Paradedisziplin der Mannschaft. Unter Cheftrainer Julian Nagelsmann hingegen ist das Spiel von Leipzig weniger auf intensives hohes Pressing und mehr auf Ruhe und Ballsicherheit ausgelegt.

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Sein Team fand in der ersten Halbzeit jedoch selten Mittel, um den Spielaufbau des BVB zu stoppen. Gerade Mats Hummels mit seinen Pässen und Dan-Axel Zagadou mit seinen kurzen Läufen aus der Abwehr durchbrachen vielfach das Pressing von Leipzig und setzten insbesondere Spielmacher Julian Brandt in Szene. Leipzig zog sich daraufhin bis an den Strafraum zurück und verteidigte in einem tiefen 4-4-2 ohne nennenswerten Zugriff auf die Dortmunder.

Diese konnten sich über die starken Jadon Sancho, Marco Reus sowie den bereits erwähnten Brandt mehrfach in den Strafraum der Gäste kombinieren, die in ihrer statischen und passiven Verteidigungsformation nicht die Dynamik entwickeln konnten, um entscheidende Zweikämpfe überhaupt zu führen. Der Auftritt Leipzigs wirkte deshalb erschreckend schwach. Erst kurz vor der Halbzeitpause gab es erste Entlastungsangriffe, als Dortmund selbst etwas die Intensität rausnahm und passiver verteidigte.

Nagelsmann mit minimaler taktischer Anpassung

Dieses Bild sollte sich in der zweiten Halbzeit fortsetzen. Der BVB übte weniger Druck auf Laimer und Demme sowie den spielstarken Innenverteidiger Dayot Upamecano aus. Nagelsmann beschränkte sich nach der desolaten Halbzeit scheinbar auf personelle Wechsel: Mit Christopher Nkunku brachte er mehr Dynamik auf die linke Seite, da Emil Forsberg dort gegen Achraf Hakimi und Manuel Akanji selten ins Dribbling kam.

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Und später wechselte Leipzigs Cheftrainer noch Patrik Schick für den schwachen Yussuf Poulsen ein, um einen neuen Zielspieler im Mittelsturm zu platzieren.

Obwohl es auf dem Papier keinen Formationswechsel gab, praktizierten die Leipziger das 4-4-2 in der zweiten Halbzeit ein wenig anders. Nkunku auf der linken und später auch der eingewechselte Matheus Cunha auf der rechten Seite suchten seltener den Ballkontakt im Zentrum und kamen häufiger über die Flügel.

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Insgesamt forcierte Leipzig das Flügelspiel gegen Dortmund, das im 3-4-3 auf beiden Seiten jeweils nur einen nominellen Spieler positioniert hatte. Auch deshalb brachte Lucien Favre im Verlauf der zweiten Halbzeit den defensivstarken Łukasz Piszczek für die rechte Außenbahn.

Die Wechsel und die kleine Umstellung machten sich bezahlt, wenngleich Leipzig natürlich von den Fehlern von Roman Bürki und Brandt vorm 1:2 und 2:2 profitierte. Ob die Sachsen auch aus eigener Kraft wieder in die Partie gekommen wären, darüber kann nur spekuliert werden.

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