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Köln und München - Horst Heldt ist zusammen mit Trainer Markus Gisdol der Architekt des Aufschwungs beim 1. FC Köln. Im SPORT1-Interview skizziert Heldt den Kölner Rettungsplan.

Es liegen turbulente Wochen hinter dem 1. FC Köln.

Ende Oktober gingen zunächst der Klub und Geschäftsführer Armin Veh getrennte Wege, wenige Tage später musste Trainer Achim Beierlorzer gehen. Köln befand sich zu diesem Zeitpunkt in akuter Abstiegsgefahr.

Als neuer Geschäftsführer wurde Horst Heldt installiert, als Trainer mit Markus Gisdol auf einen abstiegskampferprobten Übungsleiter gesetzt. Und die Kombination passte. Stück für Stück arbeiteten sich die Kölner zurück in die Spur. Zuletzt feierten die Geißböcke vier Siege in Folge. (Service: Bundesliga-Spielplan)

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Am Freitag steht beim BVB der nächste Brocken an (Bundesliga: Borussia Dortmund - 1. FC Köln, ab 20.30 Uhr im Liveticker).

Geschäftsführer Heldt verrät bei SPORT1, weshalb er seinem Team in Dortmund durchaus zutraut, etwas zu holen. Außerdem spricht er über die Stellschrauben, an denen er und Gisdol gedreht haben, und erklärt, wieso Gisdol der richtige Mann für den Abstiegskampf ist.

Gisdol: Höhenflug ist "sicher kein Zufall"

Als Heldt in den Verein gekommen ist, bei dem er einst sein Profi-Debüt gefeiert hatte, habe er bei der Mannschaft ein Stück weit Verunsicherung und Resignation vorgefunden. "Das konnte man spüren, sowohl bei dem einen oder anderen Spieler als auch im Umfeld des Klubs. Man ist nicht zufrieden mit dem gewesen, was auf dem Spielfeld passiert ist. Das hat sich so ein bisschen wie ein roter Faden durchgezogen", erklärte Held bei SPORT1.

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Doch gerade diese Verunsicherung ist ein Problem im Abstiegskampf. "Wenn man enttäuscht und resigniert ist und das Selbstvertrauen nicht vorhanden ist, sind das Begleiterscheinungen, die es schwer machen, zu punkten", erklärte der 50-Jährige. Es sei kein ungewöhnliches Bild gewesen, das sie vorgefunden hätten, "aber es war natürlich eine Herausforderung, das zu verändern".

Genau das hat Gisdol geschafft. "Die Mannschaft hat den Spaß an der täglichen Arbeit wiedergefunden. Die Jungs waren von Anfang an sofort total offen. Wir haben gemerkt, dass wir uns als Team entwickeln können", sagte der Trainer auf der Pressekonferenz zum Spieltag auf SPORT1-Nachfrage. Für Gisdol sei der aktuelle sportliche Höhenflug "sicher kein Zufall und kein Glück".

Heldt skizziert Kölner Rettungsplan

Für Heldt sei wichtig, dass man authentisch bleibe und nicht nur etwas verändere, um etwas zu verändern. "Wir haben von Beginn an eine klare Linie nach innen und nach außen transportiert, wie wir die Sache angehen wollen, dass wir uns auch die nötige Zeit nehmen", skizzierte Heldt den Rettungsplan.

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Es ginge bei Gisdol einzig und allein nach dem Leistungsprinzip, Alter und Nationalität würden keine Rolle spielen. "Markus bietet jedem die Möglichkeit, sich anzubieten, er nimmt sich die Zeit, jeden kennenzulernen. Wenn man nach dem Leistungsprinzip geht, beinhaltet das immer, dass eine Tür in beide Richtungen aufgeht", sagte Heldt. Jeder Spieler müsse sich immer wieder neu beweisen und dem Trainer anbieten.

Das gilt auch für die jungen Spieler, die unter Gisdol regelrecht aufblühen. Mit Noah Katterbach, Ismail Jakobs und Jan Thielmann sind unter Gisdol gleich drei Jungspunde in die Stammelf gerutscht. Gisdol wurde von vielen für diese mutige Entscheidung beglückwünscht. "Das Wort Mut hat Markus nicht gefallen", erklärte Heldt. Er verbinde seine Entscheidung nicht mit Mut, habe vielmehr faktenorientiert entschieden. "Er hat nach dem klaren Leistungsprinzip entschieden."

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Doch die jungen Spieler würden nicht so gut funktionieren, gäbe es nicht auch erfahrene Mitspieler, die sie unterstützten. "Sie können mit diesem Selbstvertrauen agieren, weil sie durch die Erfahrungen der älteren Spieler begleitet und unterstützt werden. Vor allem unser Kapitän Jonas Hector agiert da vorbildlich", lobte Heldt.

Keine Angst vor Haaland - Respekt vor dem BVB

Auch für seinen Trainer hat Heldt Lob übrig. "Er ist fokussiert, konzentriert, mit einer klar erkennbaren Handschrift. Das ist wichtig, weil es den Spielern Orientierung gibt", erklärte er. Auch vor den vier Siegen in Folge habe Gisdol einen klaren Plan verfolgt. "Auch gegen Union Berlin, wo wir eine klare Niederlage eingefahren haben, haben wir gezeigt, dass wir versuchen, Hebel in Bewegung zu setzten, die uns wieder in die Erfolgsspur bringen."

Von Spiel zu Spiel müsste seine Mannschaft die Herausforderung neu annehmen. "Was uns Selbstsicherheit bringt, ist, dass wir erkannt haben, was jeder einzelne leisten muss, um erfolgreich zu sein", sagte Heldt.

Darauf wird es auch beim BVB ankommen. Dort warten mit Erling Haaland der neue Shootingstar der Bundesliga, der den FC Augsburg mit drei Treffern bei seinem Debüt am vergangenen Wochenende quasi im Alleingang auf die Verliererstraße schoss. "Der erste Auftritt war nicht schlecht", bewertete Held das Haaland-Debüt. Der BVB sei allerdings auch vorher schon stark gewesen, jetzt vielleicht noch ein Stück stärker geworden.

Angst vor dem Norweger hat Heldt keine. "Egal, welche elf Spieler anfangen, sie alle werden für uns eine Herausforderung sein. Wer da anfängt, ist im Prinzip egal", erklärte der Köln-Geschäftsführer. Natürlich habe er gezeigt, wozu er in der Lage sei, aber es gebe auch noch mehr BVB-Spieler, die in der Lage seien, so zu spielen.

"Wir können nicht beeinflussen, wer da am Freitag auf dem Platz steht", erklärte Heldt und fügte an: "Wir wissen, das ist absolute Qualität. Aber wir sind in der Lage, dagegenzuhalten. Deswegen fahren wir dorthin und versuchen, etwas mitzunehmen."

Auch der Coach hat Respekt, ist aber auch selbstbewusst: "Wir wollen uns auf dem nächsten Level präsentieren, wollen wieder unseren eigenen Fußball zeigen", sagte Gisdol: "Wir fahren nicht dahin, um uns die Zeit zu vertreiben."

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