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München und Düsseldorf - Nach der sportlichen Talfahrt der letzten Wochen reagiert Fortuna Düsseldorf. Trainer Friedhelm Funkel muss seinen Hut nehmen, der Nachfolger hat ehrgeizige Pläne.

Fortuna Düsseldorf hat sich von Trainer Friedhelm Funkel getrennt. Das gab der Verein am Mittwochmorgen offiziell bekannt.

"Der gesamte Verlauf der Saison hat uns gezeigt, dass wir es bisher nicht geschafft haben, auf Strecke die nötigen Punkte zu holen. Wir stellen mit 18 eigenen Treffern die torärmste Offensive und mit 40 Gegentoren die drittschwächste Defensive der Bundesliga", sagte Sportvorstand Lutz Pfannenstiel in einer Presseerklärung.

"Das führt dazu, dass wir in der aktuellen Konstellation nicht mehr an den Turnaround für den Klassenerhalt glauben. Daher mussten wir zu diesem Zeitpunkt reagieren", meinte Pfannenstiel  weiter.  

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Die Mannschaft wurde nach SPORT1-Informationen am Mittwochmorgen vor dem Training über den Schritt informiert und überrascht. Die Übungseinheit am Mittwoch leitet Thomas Kleine.

Funkel erklärte noch am Mittag sein Karriereende als Trainer. Als Nachfolger heuert Uwe Rösler bei der Fortuna an.

Uwe Rösler: "Friedhelm hat hier Geschichte geschrieben"

"Der Friedhelm hat hier Geschichte geschrieben und hinterlässt große Fußstapfen", sagte Rösler auf der Pressekonferenz zu seiner Vorstellung. Der neue Coach will versuchen, "mit dem Funktionsteam und der Mannschaft Geschichte zu schreiben im Sinne von: die Klasse zu halten. Ich denke, das wäre im Sinne von Friedhelm."

Zuletzt war der 51-Jährige bei Malmö FF in Schweden tätig gewesen. Für den ehemaligen Angreifer ist es die erste Trainerstation in Deutschland, als Coach war er in Norwegen, England und Schweden tätig gewesen.

"Ich war seit vielen vielen Jahren im Ausland tätig. Finally in der Bundesliga gelandet. Für mich immer ein Riesenziel", sagte Rösler, der sich der Aufgabe beim Tabellenletzten gewappnet sieht. "Ich bin schon einige Male in einer ähnlichen Situation gewesen, das ist kein Neuland, und ich glaube schon, die Fähigkeiten und die Energie zu besitzen, das zu schaffen."

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Der Trainer sei "sehr dankbar, diese Chance bekommen zu haben": "Ich werde alles dafür tun, dass wir die Klasse halten." Der erste Kontakt zwischen ihm und dem Klub habe am Montagabend stattgefunden. "Ich war gerade auf Mallorca beim Umzug", erzählte Rösler. "Am Dienstag haben sich die Gespräche intensiviert, heute sitze ich hier."

"Die Trainerfrage stellt sich bei uns nicht"

Mit Funkels Freistellung reagiert der Verein auf die sportliche Entwicklung der letzten Wochen. Aus den vergangenen neun Spielen hatten die Düsseldorfer nur einen Sieg holen können. Nach der Winterpause gingen beide Bundesliga-Spiele gegen Werder Bremen (0:1) und Bayer Leverkusen (0:3) verloren, die Rheinländer stürzten auf den letzten Tabellenplatz ab.

Schon in der vergangenen Woche gab es Berichte über eine bevorstehende Trennung von Funkel, sollte er in den Spielen gegen Leverkusen und Frankfurt nicht die Wende schaffen. Sportdirektor Pfannenstiel versicherte aber noch am Abend nach dem 0:3 in Leverkusen in der Bild: "Die Trainerfrage stellt sich bei uns nicht!"

Angesprochen auf die nun doch vollzogene Trennung von Funkel sagte Pfannenstiel: "Direkt nach dem Spiel in Leverkusen stellt sich die Trainerfrage nicht. Wir haben dann den ganzen Sonntag und auch den Montag genutzt und sind letztlich zu diesem Entschluss gekommen - und danach wurde Uwe Rösler kontaktiert."

Einen Glaubwürdigkeitsverlust erkenne Pfannenstiel nicht. "Nein. Warum? Ich wurde gefragt, ob es ein Zwei-Spiele-Ultimatum gab. Es gab kein Ultimatum von unserer Seite."

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Auch Vorstandsboss Thomas Röttgermann hatte vor Rückrundenstart jeden Anschein des Zweifels an Funkel dementiert. "Es gibt keinen Trainer, der noch aktiv ist, der über eine so große Erfahrung im Abstiegskampf verfügt. Wir vertrauen ihm, seinen Maßnahmen und seinen Einschätzungen", sagte Röttgermann dem Express: "Wir haben nicht umsonst den Vertrag schon jetzt verlängert, bevor der Klassenerhalt feststeht. Wir sind uns sicher, dass er es schafft, dass die Mannschaft wieder das zeigt, was sie in der Vorsaison stark gemacht hat."

Funkel-Ehrung am Vorabend

Der Vertrag von Funkel war vor Weihnachten angepasst worden. Hätte der 66 Jahre alte Coach den Klassenerhalt geschafft, hätte sich sein Kontrakt automatisch um ein Jahr bis Saisonende 2021 verlängert.

Funkel hatte die Fortuna im März 2016 in der 2. Liga übernommen und 2018 in die Bundesliga geführt. Besonders kurios: Noch am Dienstagabend hatte die Fortuna ihrem Cheftrainer zur Auszeichnung als Düsseldorfs Trainer des Jahres gratuliert.

Der Vertrag von Funkels Nachfolger gilt sowohl für die 1. als auch die 2. Bundesliga. Man wolle nach vorne denken, sagte Pfannenstiel, für den Rösler "genau der richtigen Mann ist, einen neuen Impuls zu setzen".

Rösler selbst werde einen neuen Assistenztrainer installieren, "aber er wird nicht am Samstag bereit sein, das wird ein paar Tage dauern". Die bisherigen Co-Trainer Kleine und Axel Bellinghausen werden im Trainerteam bleiben. Seinen Vorgänger wird Rösler "nicht sofort kontaktieren", aber: "Unter Kollegen tauscht man sich immer aus."

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