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München - Das Debütalter für die Bundesliga soll herabgesetzt werden. Doch verspricht ein frühes Debüt automatisch eine Weltkarriere? SPORT1 macht den Check.

Ein 16-Jähriger in der Bundesliga? Aktuell noch eine absolute Ausnahme, bald vielleicht schon Normalität.

Bisher debütierten lediglich zwei Spieler mit unter 17 Jahren in Deutschlands höchster Spielklasse. Nach einem vermeintlichen Plan der DFL, über den Bild und Welt berichtet hatten, soll die Altersgrenze auf 16 Jahre herabgesetzt werden.

"Ich finde diese Idee absolut sinnvoll und begrüße sie. Warum soll man Spieler, die vom biologischen Alter her schon total weit sind und Herrenspielern ähneln, nicht die Chance in der Bundesliga geben?", sagte U20-Nationaltrainer Manuel Baum im Gespräch mit SPORT1

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Doch der Blick in der Vergangenheit zeigt: Nicht immer ist ein frühes Bundesliga-Debüt gleichbedeutend mit einer großen Karriere. SPORT1 blickt auf die zehn jüngsten Debütanten zurück und zeigt, was aus ihnen wurde.

Nuri Sahin

BVB-Fans fiebern einem Bundesliga-Debüt von Youssoufa Moukoko entgegen. Dass der 15-Jährige für die Schwarzgelben debütieren wird, steht wohl außer Frage, lediglich der Zeitpunkt steht noch nicht fest.

Da werden unweigerlich Erinnerungen an den bislang jüngsten Bundesliga-Debütanten wach, denn der kommt ebenfalls aus Dortmund. Mit 16 Jahren, elf Monaten und einem Tag stand der gebürtige Lüdenscheider das erste Mal in Deutschlands Eliteliga auf dem Feld.

Sahin fügte sich prima ein, wurde auf Anhieb Stammspieler und Leistungsträger in Dortmund. Er krönte seine Zeit beim BVB mit dem Meistertitel 2011. Im Anschluss verließ der Mittelfeldspieler Dortmund in Richtung Real Madrid.

Doch bei den Königlichen konnte sich Sahin nicht durchsetzen, nach einem Jahr wurde er an den FC Liverpool verliehen, bevor er Anfang 2013 nach Dortmund zurückkehrte.

An die Leistungen vor seinem Abschied konnte er nie ganz anknüpfen, war allerdings weiterhin wichtiger Bestandteil der Mannschaft. 2018 wechselte er zu Werder Bremen. Bis heute hat der 31-Jährige über 270 Bundesligaspiele absolviert.

Ibrahim Tanko

Ein Gegenbeispiel zu Sahin ist Ibrahim Tanko. Als 17-Jähriger debütierte er 1994 in Dortmund, gewann in Jungen Jahren fast alles, was es auf Vereinsebene zugewinnen gibt. Nachhaltig durchsetzen konnte er sich nicht, wurde zudem in der Saison 2000/2001 des Marihuana-Konsums überführt.

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Der BVB trennte sich vom Offensivspieler, für Tanko ging es weiter zum SC Freiburg. Doch auch dort blieb der lang erhoffte Durchbruch aus. Mit 30 Jahren beendete der Ghanaer 2007 seine Karriere.

Giovanni Reyna

Erst am vergangenen Wochenende debütierte ein weiterer BVB-Jungspund. Giovanni Reyna, der im Sommer aus den USA kam, ist seit der Rückrunde fester Bestandteil des Profikaders, wurde gegen den FC Augsburg eingewechselt.

Die Bilanz des US-Amerikaners liest sich gut, in der U19-Bundesliga erzielte er in elf Spielen vier Tore und gab sieben Assists, auch in der UEFA Youth League war der Sohn des ehemaligen Bundesliga-Spielers Claudio Reyna viermal erfolgreich.

Julian Draxler

Auch beim BVB-Konkurrenten FC Schalke 04 startete ein Spieler nach seinem Debüt mit 17 Jahren eine Weltkarriere. Julian Draxler spielte sich nach seinem im Januar 2011 auf Anhieb in die Stammelf und in die Schalker Herzen.

Vier Jahre und 170 Pflichtspiele später verließ der Weltmeister von 2014 die Königsblauen, um seine Weltkarriere voranzutreiben. Daher nahmen ihm auch viele Fans übel, dass er zum VfL Wolfsburg wechselte. 43 Millionen Euro zahlten die Niedersachsen im Jahr 2015.

Seit Anfang 2017 spielt Draxler für Paris Saint-Germain an der Seite der Superstars Neymar und Kylian Mbappé, wurde bislang zweimal französischer Meister und Pokalsieger.

Marc Stendera

Auch ihm sagten Experten eine große Zukunft voraus. Gegen keinen Geringeren als den FC Bayern München durfte Marc Stendera im April 2013 als 17-Jähriger seine ersten Bundesliga-Luft für Eintracht Frankfurt schnuppern.

Doch der Höhenflug des Eintracht-Juwels wurde vor der Saison 2013/14 jäh gestoppt. Stendera riss sich bei einem Testspiel das Kreuzband. Eine Saison später kämpfte er sich in die Stammelf der Hessen, um dann im Relegationsrückspiel der Saison 2015/16 gegen den 1. FC Nürnberg im Alter von nur 20 Jahren den zweiten Kreuzbandriss zu erleiden.

Durch die zweite schwere Verletzung verlor der Mittelfeldspieler den Anschluss an die erste Mannschaft. Dazu warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück. Seit Saisonbeginn spielt der inzwischen 24-Jährige für Hannover 96 in der 2. Bundesliga.

Christian Wörns

Seine erfolgreichste Zeit hatte Christian Wörns beim BVB und bei Bayer Leverkusen, doch sein Bundesliga-Debüt feierte er einst mit 17 im Jahr 1989 für den SV Waldhof Mannheim.

Zwei Jahre später schnappte sich Bayer das Abwehrtalent. Bei der Werkself reifte Wörns zum gestandenen Bundesliga-Profi, gewann 1993 mit Bayer den DFB-Pokal. Sieben Jahre blieb Wörns in Leverkusen, bevor er den Sprung zu PSG wagte.

Doch nur ein Jahr später kehrte er nach Deutschland zurück. Der BVB zahlte für den damals 27-Jährigen umgerechnet 6,75 Millionen Euro. Über 300 Spiele absolvierte Wörns für die Schwarzgelben, wurde 2002 Deutscher Meister, bevor er 2008 nach insgesamt 469 Bundesliga-Spielen seine Karriere beendete.

Jürgen Friedl

Fast 30 Jahre lang hielt Jürgen Friedl den Rekord für das jüngste Bundesliga-Debüt. Im März 1976 wurde Friedl, eigentlich nur vierter Torhüter von Eintracht Frankfurt, als 17-Jähriger in der Schlussphase des Spiels gegen Hannover 96 eingewechselt.

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Doch eigentlich hätte Friedl gar nicht eingesetzt werden dürfen. Nach den DFB-Statuten durften damals nur A-Jugendliche des älteren Jahrgangs in der Bundesliga eingesetzt werden, Friedl zählte zum jüngeren. Der DFB hatte die Spielgenehmigung allerdings trotzdem erteilt. Nach dem Spiel wurde diese wieder eingezogen.

Drei Jahre später kam Friedl dann noch einmal zu vier Pflichtspieleinsätzen, danach gab es von der Eintracht keinen neuen Vertrag mehr. Mit 1,75 Metern wurde er als zu klein für die Bundesliga eingeschätzt. In der Folge wechselte Friedl in den Amateurfußball.

Simon Asta

Im Mai 2018 feierte Simon Asta mit 17 Jahren sein Debüt für den FC Augsburg. In der Folgesaison spielte er allerdings für die U19 der Fuggerstädter, durfte aber am letzten Spieltag erneut Bundesliga-Stuft schnuppern.

Auch in der aktuellen Spielzeit zählt der gebürtige Augsburger zum Kader der U19. Im Trainingslager der Profis im Januar zog sich der Rechtsverteidiger einen Kreuzbandriss zu.

Yann Aurel Bisseck

Das Verletzungspech des 1. FC Köln war im November 2017 das Gluck von Yann Aurel Bisseck. Mit 16 Jahren und 11 Monaten feierte er sein Bundesliga-Debüt. Drei Einsätze bekam der A-Jugendliche im Team des damaligen Trainers Peter Stöger.

Im Januar 2019 wurde Bisseck an Holstein Kiel verliehen, konnte sich da jedoch nicht durchsetzen. Aktuell ist er in die zweite niederländische Liga zu Roda Kerkrade verliehen, soll Spielpraxis auf höherem Niveau sammeln.

Josha Vagnoman

Beim Hamburger SV scheiterte in der Vergangenheit schon so manches Nachwuchstalent. Doch es gibt auch Positivbeispiele. Josha Vagnoman ist so eines. Mit 17 debütierte der Außenverteidiger im März 2018 in der Bundesliga. Es gab sicherlich schon dankbarere Debüts, Vagnoman wurde bei der 0:6-Klatsche beim FC Bayern eingewechselt.

Der HSV ging im Anschluss erstmals hinunter in Liga zwei, für Vagnoman bedeutete das die Aussicht auf mehr Spielzeit. In der vergangenen Saison waren seine Einsatzzeiten noch eher spärlich, elfmal durfte der gebürtige Hamburger in der 2. Liga ran.

In der aktuellen Saison erkämpfte sich der U21-Nationalspieler dann aber einen Stammplatz, bevor ihn ein Fußbruch außer Gefecht setzte.  

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