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München - Fünf Mal muss Schalkes Torwart Markus Schubert hinter sich greifen, an zwei Gegentoren ist er direkt beteiligt. Der Frust sitzt tief, doch es gibt auch viel Trost.

Deutlicher hätte Markus Schubert seinem Frust nach dem 0:5 beim FC Bayern wohl keine Luft machen können. Nach dem Abpfiff in der Allianz Arena nahm Schalkes Torhüter seine Trinkflasche und warf sie wütend über das Feld. Sauer, enttäuscht und frustriert, vor allem über seine eigenen Fehler, steuerte er zu seinen Mitspielern in den Mittelkreis – und wurde dort mit offenen Armen empfangen.

Simon Henzler, Schalkes Torwarttrainer, suchte als Erster den Weg zur Noch-Nummer-Zwei des S04. Sekunden später war Kapitän Omar Mascarell beim 21 Jahre alten Torwart-Talent. "Ich bin zu ihm gegangen, um ihn zu umarmen. Wir sind ein Team", sagte Mascarell später im Gespräch mit SPORT1. Schalkes Kapitän verriet, was er Schubert direkt nach Abpfiff bereits selbst klargemacht habe: "Wir wissen, dass er ein sehr guter Torwart ist. Wir vertrauen ihm zu 100 Prozent. Er hat vorher perfekte Spiele gemacht und das wird er wieder machen."

Wagner weicht Stammplatz-Frage aus

Die Frage ist nur, wann? Alexander Nübel, den Schubert bis zum Bayern-Spiel aufgrund dessen Rotsperre glänzend vertrat, ist am kommenden Freitag bei Hertha BSC wieder spielberechtigt. Nach Schuberts Wackel-Auftritt in München dürften sich die Chancen für Nübel deutlich erhöht haben, trotz seines bevorstehenden Wechsels im Sommer zu den Bayern wieder in den S04-Kasten zurückzukehren.

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Trainer David Wagner wollte sich mit Blick auf das Hertha-Spiel noch nicht festlegen, reagierte auf Nachfrage genervt. Zur Leistung von Schubert und des gesamten Teams sagte Wagner: "Markus hat super Bälle gehalten, aber bei zwei Toren war er dabei - das muss man nicht totschweigen. Für die gesamte Mannschaft gilt, dass es nicht die beste Leistung war."

SPORT1-Experte Marcel Reif befand im CHECK24 Doppelpass: "Schubert ist in der Geschichte Nübel/Neuer die ärmste Sau. Er muss jetzt zeigen, dass er es genauso gut wie Nübel kann. Dann spielst du gegen die Bayern, herzlichen Glückwunsch."

Trost von Schiri Gräfe und Neuer

Mascarell tat unterdessen einiges dafür, dass Schubert öffentlich nicht allzu sehr mit sich hadern musste. Auch Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte daran seinen Anteil. Zu beobachten war, wie sich der Bundesliga-Routinier beim obligatorischen Händeschütteln Schubert zur Brust nahm, ihm etwas zuflüsterte und ihm einen aufmunternden Klaps auf den Nacken gab.

Was er Schubert gesagt hatte, wollte Gräfe nicht verraten. "Das bleibt unter Fußballern", sagte der 46-Jährige auf SPORT1-Nachfrage. Es seien aber "aufbauende Worte" gewesen, versicherte er.

Auch Bayern-Torwart Manuel Neuer, der ab Sommer von Nübel herausgefordert werden wird, suchte den Weg zum Schalke-Keeper – sogar bevor er mit den eigenen Fans feierte. Mit ausgestreckten, nach unten wippenden Armen schien er Schubert klarmachen zu wollen: Es ist nichts passiert, locker bleiben, weitermachen.

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Hinterher erklärte Neuer: "Mit seiner allerbesten Leistung hätten wir heute trotzdem gewonnen. Von daher ist es gut, dass diese Erfahrungen jetzt gemacht wurden. Es geht trotzdem weiter für ihn."

Der Betroffene selbst äußerte sich nach Spielende nicht und verschwand um 21.04 Uhr schnellen Schrittes und mit Kapuze über dem Kopf in den Mannschaftsbus.  

Schade eigentlich, denn der frühere Dresdener hätte sicher auch Stellung dazu beziehen können, dass er trotz zweier folgenschwerer Patzer bei etlichen Bällen glänzen konnte und vor allem seine Stärken auf der Linie nachwies.  

Neuer sah es genauso: "Er hat überragende Bälle gehalten, das muss man auch sagen. Ich wünsche ihm alles Gute."

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