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Matthias Becker, stellvertretender Chefredakteur bei SPORT1, kommentiert die angekündigte neue Gangart der Bundesliga-Schiedsrichter ©
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München - Die Bundesliga-Schiedsrichter wollen härter gegen Rudelbildungen und andere Unsportlichkeiten vorgehen. Hoffentlich ziehen sie das durch. Der SPORT1-Kommentar.

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da trat der beliebte Schiedsrichter-Podcast Collinas Erben eine Debatte los.

"Kein großes Gemecker nach Schiedsrichterentscheidungen, keine Rudelbildungen, respektvoller Umgang mit den Gegenspielern, keine Schwalben, kein Zeitspiel durch Ballblockade dank strikter Regeln – der Fußball könnte Einiges vom Handball lernen", schrieb Co-Host Klaas Reese am 14. Januar 2019, als Deutschland bei der Heim-WM gerade im Handball-Fieber lag.

Er erntete dafür viel Zustimmung, aber auch einiges an Spott. 12 Monate später muss man sagen: Im Umgang mit Schiedsrichtern und Gegnern sollte der Fußball sich nicht nur vom Handball einiges abgucken, sondern am besten auch gleich vom Eishockey, Rugby, Volleyball, … - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

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Die Kollegen der Bild berichten vor Rückrundenstart, dass die Bundesliga-Schiedsrichter in den kommenden Wochen deutlich schärfer gegen die Unsitten des Fußballs vorgehen wollen. Gelbe Karten für Schiedsrichter-Belagerung oder in die Luft gemalte Bildschirme, Rot für das Anzetteln einer großen Rudelbildung.

Wenn die Bundesliga-Referees es schaffen, das durchzuziehen, gebührt ihnen großer Dank. Das ist allerhöchste Zeit! Gerade im Vergleich mit anderen Sportarten fällt der Fußball durch den Mangel an Respekt auf, der Schiedsrichtern und Gegner entgegengebracht wird.

Oder wann haben Sie das letzte Mal gesehen, dass ein Eishockey-Schiedsrichter von einer wütenden Meute Spieler auf dem Eis belagert wird? Oder ein Handballer nach einem Foulpfiff den Ball so lange nicht hergibt, bis die Mitspieler nach hinten gelaufen sind?

Das liegt daran, dass es für dieses Verhalten klare Sanktionen gibt, die auch durchgezogen werden. Wer beim Handball nach einem Pfiff den Ball nicht sofort fallen lässt, muss mit einer Zeitstrafe vom Feld (Regel 8.8).

Beim Fußball müssen sich Profis, die sich dem Zeitspiel verweigern oder nicht nach jedem noch so klaren Foul auf den Schiedsrichter zustürmen, noch anhören, sie seien "nicht clever genug".

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Die Regelhüter des DFB haben dieses pubertäre Verhalten auf dem Rasen als Grund dafür ausgemacht, dass es immer wieder zu Angriffen auf Schiedsrichter in unteren Klassen kommt. Das ist als Kausal-Kette sicherlich etwas schwach, aber es spielt natürlich auch eine Rolle.

Alleine deshalb ist die härtere Regel-Auslegung ein Schritt in die richtige Richtung.

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