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München und Dortmund - Paco Alcácer wechselt womöglich doch nicht im Winter zum FC Valencia. Was würde der geplatzte Deal für den BVB bedeuten? Und dessen Werben um Emre Can? Ein Überblick.

Geschmollt, verhandelt, geeinigt - und am Ende wird wohl doch geschmort. Der anvisierte Wechsel von Paco Alcácer noch in diesem Winter von Borussia Dortmund zum FC Valencia kommt offenbar nicht zustande.

Dabei waren sich der Spanier und der Klub aus seiner Heimatregion bereits einig. Die Alcácer-Seite verhandelte in erster Linie mit dem La-Liga-Klub, der Stürmer wäre sogar zu Einbußen beim Gehalt (derzeit rund sechs Millionen Euro) bereit gewesen (SPORT1 berichtete). Es hakte jedoch bei der Ablösesumme.

Das letzte Angebot der "Blanquinegros" lag unter den Vorstellungen des BVB. Ein Nachbessern wäre wohl nur möglich, wenn Valencia seinerseits den spanischen Angreifer Rodrigo an den FC Barcelona abgeben würde. Doch dieser Stein im Transfer-Domino scheint nicht zu fallen: Übereinstimmenden spanischen Medienberichten zufolge ist Barca nicht gewillt, die von Valencia geforderten 60 Millionen Euro für den möglichen Luis-Suárez-Ersatz auszugeben.

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Ganz vom Tisch ist Alcácers Abschied aber nicht, denn urplötzlich zeigt auch der FC Villarreal Interesse. Laut Marca will der Tabellenachte der spanischen Liga den BVB-Stürmer bis zum Saisonende ausleihen - samt Kaufoption. Allerdings dürfte diese Version bei den BVB-Verantwortlichen keine ernsthafte Alternative sein. 

Stand jetzt steht für den Angreifer also ein weiteres Halbjahr in Dortmund bevor. Welche Folgen hat das für ihn, den BVB - und auch Emre Can? SPORT1 gibt einen Überblick.

Der Preis für Alcácer wird kaum steigen

Kurz bevor der Alcácer-Transfer nach Valencia in weite Ferne gerückt war, griff der spanische Radiosender Cadena Ser die Einigung zwischen Spieler und Klub auf und spekulierte, dass der Deal sogar für 60 Millionen Euro über die Bühne gehen könnte.

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Gelingt der Transfer im grundsätzlich hochpreisigen Wintertransferfenster nicht, wird sich Dortmund von der Aussicht auf eine solch hohe Ablöse wohl verabschieden müssen.

Welcher Klub würde im Sommer ohne Not in diese Millionen-Regionen vordringen, um einen Abwanderungswilligen loszueisen?

Zumal sich Alcácer nach aktuellem Stand in der Rückrunde wenig Chancen bieten werden, sich ins Rampenlicht zu spielen und mit Toren und guten Auftritten seinen Preis in die Höhe zu treiben.

Haaland, der neue Liebling - Alcácer außen vor

Denn das Verhältnis Alcácers zu Lucien Favre ist nicht unterkühlt, es ist nicht existent.

Der Trainer der Borussia setzt nicht auf den einstigen Super-Joker der Bundesliga. In den beiden bisherigen Rückrundenspielen beim FC Augsburg (5:3) und gegen den 1. FC Köln (5:1) durften vorne Thorgan Hazard, Jadon Sancho und Marco Reus ran.

Obendrein hat Dortmund einen neuen Super-Joker, der demnächst auch von Beginn an erste Wahl und gesetzt sein dürfte: Transferkracher Erling Haaland, der mit seinen fünf Toren in 57 gespielten Minuten Rekorde aufstellt und Fans und Fachleute gleichermaßen begeistert.

Alcácer wird wie in der Hinrunde nur der Platz auf der Bank bleiben, wo er neben einem gewissen Mario Götze ein unzufriedenes Duo bilden wird.

EM-Teilnahme in Gefahr - Ansporn für Alcácer?

Damit rückt auch ein großes Ziel Alcácers in weite Ferne: die Teilnahme mit der spanischen Nationalmannschaft an der Europameisterschaft im Sommer.

Nachdem er bereits die EM 2016 und die WM 2018 verpasste, droht der 26-Jährige nun auch das nächste große Turnier mit der "Furia Roja" zu verpassen, sollte er in der Rückrunde nicht Spielpraxis sammeln und starke Auftritte zeigen können.

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Doch genau dieses Szenario könnte Ansporn genug sein, sich - anders als zuletzt - nicht hängen zu lassen. Während Alcácer in den letzten Wochen durch augenscheinliche Lustlosigkeit und Abkapselung auffiel, besteht die Chance, dass vollendete Tatsachen auf dem Transfermarkt für ein Umdenken sorgen werden.

Nach SPORT1-Informationen wirkt sein Umfeld bereits auf ihn ein, in der Rückrunde alles zu geben, auch wenn dies auf dem Trainingsplatz in Brackel geschehen muss - und auch Alcácer selbst hat signalisiert, sich aufraffen und Gas geben zu wollen.

Der BVB beweist Stärke

Sollte der Spanier seine Formkrise überwinden und durch Engagement und starke Leistungen auch Coach Favre davon überzeugen, wieder auf ihn zu bauen, darf sich die Bundesliga womöglich auf noch mehr schwarz-gelbe Ballershows gefasst machen.

Während Haaland danach lechzt, auch von Beginn an alles in Grund und Boden zu schießen, hat Alcácer bereits bewiesen, dass er ähnlich bemerkenswerte Joker-Qualitäten hat. Der BVB hätte zwei torhungrige Knipser in seinen Reihen - die erhoffte Kader-Korrektur, nachdem Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf der Mitgliederversammlung im November eingestanden hatte, bei den Sommertransfers "einen Fehler gemacht" zu haben.

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Und noch an anderer Stelle würde ein Alcácer-Verbleib die Dortmunder Linie untermauern. "Wir haben eine klare Ansage gemacht. Der nächste Spieler, der Zicken macht oder streiken will, den lassen wir schmoren", hatte Watzke vor knapp einem Jahr ein Machtwort gesprochen.

Dass der BVB trotz des schmollenden Stürmers nicht einknickt und ihn für einen Schleuderpreis auf Teufel komm raus abgibt, beweist Stärke.

Was wird aus Emre Can?

Bleibt noch die Frage nach Emre Can: Kommt der Mittelfeldspieler von Juventus Turin noch doch nicht zur Borussia?

Klar ist: Mit den Millionen, die ein Alcácer-Verkauf eingebracht hätte, wäre ein Transfer des deutschen Nationalspielers sowie dessen wohl üppiges Gehalt leichter zu stemmen gewesen, zumal bereits für Haaland 20 Millionen Euro nach Salzburg überwiesen wurden.

Dennoch: Die sinnvolle Verstärkung mit Can sollte nicht am Ausbleiben zeitgleicher Transfereinnahmen scheitern. Mit 26 Jahren ist der gebürtige Frankfurter zudem nicht nur eine Sofortlösung für die Rückrunde, sondern wäre eine Investition mit Blick auf die kommenden Jahre.

Der BVB lebt nicht von der Hand in den Mund, sondern kann mittel- und langfristig planen. Ein Can-Transfer ist nicht vom Tisch - zumal im Sommer eine dreistellige Millionen-Summe für Jadon Sancho ins Haus flattern dürfte.

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