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München - Hasan Salihamidzic steht vor einer Herkulesaufgabe. Bayerns Sportdirektor muss den Umbruch vorantreiben. Dass acht Verträge 2021 auslaufen, kommt erschwerend hinzu.

Wenn die Bundesliga in der Sommer- und Winterpause ruht, haben die Sportdirektoren der Bundesligisten häufig ihre stressigsten Tage im Jahr. 

Bei Hasan Salihamidzic ist das nicht anders. Im Wintertrainingslager von Doha musste Bayerns Manager unter anderem die Wünsche von Hansi Flick, der öffentlich noch "mindestens zwei Neuzugänge" für seinen ausgedünnten FCB-Kader gefordert hatte, wegmoderieren.

Dass der Transfermarkt im Winter für Bayerns gehobene Ansprüche wenig hergibt, hat Salihamidzic seinem Cheftrainer inzwischen vermittelt. Er betonte aber, dass er Flick helfen wolle und der Klub die Augen weiter offen hält.

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Gesucht wird händeringend nach einem Rechtsverteidiger, Flick wünscht sich zusätzlich noch einen Flügelspieler. Eine Garantie für Neuzugänge gibt es aber nicht. 

"In so einer Phase muss man besonders eng zusammenstehen und gemeinsam überlegen, was das Beste ist", sagte der Bosnier. Heißt übersetzt: Das Verletzungspech vieler Stars ist gleichzeitig die Chance für den Nachwuchs - die Joshua Zirkzee zum Ende der Hinrunde eindrucksvoll ergriff. 

Bleibt Flick langfristig Bayern-Trainer?

Für Salihamidzic geht der Blick aber ohnehin schon Richtung Frühjahr, wenn er die entscheidenden Zukunftsfragen beantworten muss: Was passiert mit Philippe Coutinho und Ivan Perisic? Kommt Leroy Sané? Und möglicherweise auch Kai Havertz?

Salihamidzic ist nicht entgangen, dass die potenziellen Neuzugänge ihre Entscheidung auch vom Trainer abhängig machen. Der heißt bis Saisonende Flick, aber was passiert dann?

Auf die Frage, ob die Münchner die Trainersuche aktuell eingestellt hätten, sagte Salihamidzic am Wochenende der Bild am Sonntag: "Natürlich! Wir haben doch gerade erst mit Hansi Flick ein halbes Jahr verlängert, und es ist ganz klar, dass wir unsere ganze Kraft verwenden, um ihn zu unterstützen."

Nach SPORT1-Informationen ist es Flicks Traum dauerhaft Cheftrainer des deutschen Rekordmeisters zu werden, seine Zukunft hängt aber nach wie vor maßgeblich vom Erfolg in den nächsten Monaten ab.

Fakt ist: Flicks Arbeit ist auch außerhalb der bayerischen Landeshauptstadt nicht unbemerkt geblieben. Wie SPORT1 erfuhr, gibt es bereits Interesse von ausländischen Klubs am 54 Jahre alten Fußballlehrer.

Acht Verträge laufen 2021 bei den Bayern aus

Die Trainerfrage ist das eine, aber seit Salihamidzic im Juli 2017 seine Arbeit als Sportdirektor an der Säbener Straße aufnahm, steht er in seinem Job als Kaderplaner zum ersten Mal vor einer echten Mammutaufgabe: Der Umbruch beim Rekordmeister muss vorangetrieben werden - und Salihamidzic ist derjenige, der ihn hauptverantwortlich zu schultern hat. 

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Zwar wird der frühere Mittelfeldspieler erst am 1. Juli zum Sportvorstand befördert, doch Vorstandsformat wird er schon in seinem letzten Halbjahr als Direktor beweisen müssen. Salihamidzics Herkulesaufgabe: Er wird womöglich dreistellige Millionenbeträge, die bei den Bayern lange Zeit tabu waren, in die Hand nehmen müssen. Die Frage ist nur, auf welche Konten er sie überweist. 

Neben den potenziellen Neuzugängen Sané und Havertz, neben der Frage nach Coutinhos Zukunft, stehen für Salihamidzic weitere richtungweisende Vertragsentscheidungen an. Ganze acht Arbeitspapiere laufen im Jahr 2021 aus, und jeder einzelne davon wird auf dem Schreibtisch des Managers landen. 

Die ungeschriebene Regel, die Salihamidzic in Zugzwang bringt, lautet: Bevor das letzte Vertragsjahr eines Spielers beginnt, sollte dessen langfristige Zukunft geklärt sein.  

Müller und Neuer schwanken noch

Als einer der Ersten könnte Thomas Müller im Büro des Sportdirektors vorstellig werden. Der Vertrag des Ur-Bayers datiert bis Juni 2021, Müller ist dann 31 Jahre alt. Auf dem Höhepunkt des Konflikts mit Ex-Trainer Niko Kovac deutete sich im Herbst das lange Undenkbare an: Ein Wechsel der Münchener Identifikationsfigur schlechthin.

Unter Nachfolger Flick ist die Lage zwar eine andere - aber der Ausgang immer noch offen. "Mein Fokus liegt ausschließlich darauf, die Saison erfolgreich zu bestreiten. Was dann im Sommer passiert, da werde ich mit dem Verein sprechen und mit mir selbst. Dann schauen wir mal, in welche Richtung das geht", sagte Müller kürzlich im Gespräch mit SPORT1.

SPORT1 weiß: Für Müller ist vieles vorstellbar. Eine Luftveränderung ebenso wie eine Vertragsverlängerung. "Bei so einer Sache werfen alle Parteien ihre Argumente in den Topf. Schauen wir mal, ob man da ein Menü zusammenbekommt. Man muss halt abgleichen, was alle Parteien wollen", erklärte er.

Ähnlich ist der Fall bei Manuel Neuer (Vertrag bis 2021, dann 35) gelagert. Auch beim Kapitän scheint eine Vertragsverlängerung nicht mehr zwingend ausgemachte Sache - spätestens seit SPORT1 aufdeckte, dass Alexander Nübel, Neuers Nachfolger in spe, schriftlich Einsätze zugesichert wurden.

Unterstützung von Oliver Kahn 

Vor allem in dieser brisanten Angelegenheit dürfte Salihamidzic auch auf die Dienste des neuen Vorstandes und ehemaligen Weltklasse-Keepers Oliver Kahn zählen. 

"Wir kennen uns ja wirklich gut und haben einen guten Draht zueinander. Wir haben neun Jahre zusammen Fußball gespielt und große Erfolge gefeiert. Ich merke auch, dass der Olli sich verändert hat", sagte Salihamidzic in Doha.

Für die beiden Ex-Mitspieler wird es in den kommenden Monaten auch darum gehen, die Arbeitsweise des jeweils anderen kennen zu lernen und zu verstehen, um den besten gemeinsamen Weg zu finden.    

Bleibt Alaba in München?

Gemeinsam soll weiterhin auch der Weg mit David Alaba (Vertrag bis 2021, dann 29) bestritten werden. Die Verhandlungen mit dem Stammspieler dürften aber kein Selbstläufer werden. Im Gespräch mit SPORT1 sagte der Österreicher kürzlich: "Ich kann mir beides vorstellen: Hier zu bleiben, oder auch mal einen anderen Weg einzuschlagen."

Einfacher könnte es bei Javi Martínez (Vertrag bis 2021, dann 32) werden. Der Spanier, von Flick geschätzt, hat bislang nicht durchklingen lassen, München verlassen zu wollen. Bei seinem Landsmann Thiago (Vertrag bis 2021, dann 30), gibt es dagegen immer wieder Gerüchte über eine Rückkehr zum FC Barcelona. 

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Was wird aus Ulreich und Boateng?

Arbeit wartet für Salihamidzic plötzlich auch bei Sven Ulreich (Vertrag bis bis 2021, dann 32). Die Ankunft von Nübel hat nicht nur Neuer, sondern auch dessen verlässlichen Vize ins Grübeln gebracht. Als Nummer 3 sieht sich der frühere Stuttgarter nicht, dennoch will er nach SPORT1-Informationen die Münchner nicht um jeden Preis verlassen. 

Während die Zukunft von Keeper Ron-Thorben Hoffmann (Vertrag bis 2021, dann 22) noch völlig ungeklärt ist, deutet sich bei Jérôme Boateng (Vertrag bis 2021, dann 32) der Abschied im Sommer an. Hier könnte es für Salihamidzic nur noch darum gehen, eine angemessene Ablöse für den Weltmeister von 2014 zu bekommen.

Eines steht bei allen offenen Fragen jedenfalls fest: Langweilig wird es Salihamidzic in den kommenden Monaten sicherlich nicht werden. 

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