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München - Der FC Bayern München hat unter Hansi Flick in die Spur zurückgefunden. Nicht alle Spieler profitieren vom neuen Trainer. SPORT1 zeigt Gewinner und Verlierer unter Flick.

Knapp drei Monate ist Hansi Flick im Amt. Seitdem hat sich einiges verändert beim FC Bayern München.

Der 54-Jährige brachte nach dem Scheitern von Vorgänger Niko Kovac nicht nur Ruhe in den Klub, er ließ auch den Erfolg beim Rekordmeister wieder einkehren. Zehn von zwölf Pflichtspielen haben die Bayern unter dem Kovac-Nachfolger gewonnen, lediglich eine kleine Schwächephase Ende November mit Niederlagen gegen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach verhinderte eine makellose Bilanz.

Die Mannschaft präsentiert sich wieder als Einheit, harmoniert auf dem Platz miteinander. Auch fußballerisch zeigte sich die Flick-Elf verbessert. Am vergangenen Wochenende wurde der FC Schalke 04 mit 5:0 aus der heimischen Allianz Arena gefegt, der Rückstand auf Tabellenführer RB Leipzig auf einen Punkt verkürzt.

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Doch nicht für alle Bayern-Spieler war der Trainerwechsel bisher ein Segen. SPORT1 zeigt, wer vom neuen Trainer des Tabellenzweiten profitiert – und wer nicht.

Gewinner unter Hansi Flick:

Thomas Müller

Unter Kovac saß der Ur-Bayer zwischendurch sechs Spiele in Folge auf der Bank, was er vor wenigen Tagen kritisch bewertete. "Ich konnte es weder damals noch heute nachvollziehen, dass ich sechs Spiele in Folge auf der Bank war, weil ich das Gefühl habe, der Mannschaft helfen zu können", sagte der 30-Jährige dem Sportbuzzer.

Unter Flick hilft er der Mannschaft wieder – und wie! Nur zweimal stand Müller nicht in der Startelf, übernahm dabei entweder den offensiven Part des Dreiermittelfelds oder die rechte Außenbahn. In den zwölf Spielen unter Flick lieferte Müller fünf Tore und acht Vorlagen – ein starker Wert.

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Nicht nur deshalb attestierte ihm Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, zu seiner alten Form wiedergefunden zu haben. "Thomas kommt jetzt so ein bisschen in den zweiten Frühling zurück", sagte Rummenigge zuletzt auf SPORT1-Nachfrage.

Der Bayern-Chef brachte ebenso wie Bayern-Präsident Herbert Hainer sogar eine EM-Teilnahme ins Spiel. "Ich möchte Jogi Löw grundsätzlich keine Ratschläge geben. Er ist erfahren genug, er hat mit der Nationalmannschaft große Erfolge gefeiert. Aber wenn einer top spielt, und ich hoffe, dass Thomas weiter auf diesem Niveau spielt, dann wird da möglicherweise ein Umdenken stattfinden", warb Rummenigge für seinen Schützling.

Leon Goretzka

Gegen seinen Ex-Klub Schalke überragte Goretzka auf der Spielmacherposition. Er steuerte eine Vorlage bei, erzielte dazu einen Treffer per Seitfallzieher. Er belebte die Offensive, arbeitete mit nach hinten, war Dreh- und Angelpunkt des Bayern-Spiels.

Der Nationalspieler erinnerte mit seiner Wucht an den früheren DFB-Kapitän und Bayern-Star Michael Ballack. "Er war ein herausragender Spieler, deswegen gibt es Schlimmeres, als mit ihm verglichen zu werden", sagte Goretzka im Gespräch mit SPORT1 und fügte hinzu, er könne die Vergleiche nachvollziehen, weil sich der Spielstil ähnele.

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Unter Kovac kam der 24-Jährige in dieser Saison überhaupt nicht in die Spur, was aber größtenteils seinem Verletzungspech geschuldet war. Unter Flick ist Goretzka, sofern er fit ist, gesetzt. Meist agierte er neben Joshua Kimmich, gegen Schalke durfte er weiter vorn agieren und überzeugte. Auch ein handfester Trainingszoff mit Jérôme Boateng änderte nichts an seinem derzeit guten Standing.

Alphonso Davies

Er ist die Überraschung der Bayern-Saison. Alphonso Davies, ursprünglich für die offensive Außenbahn eingeplant, wurde schon zum Ende der Kovac-Zeit als Linksverteidiger eingesetzt. Unter Flick spielte sich der 19 Jahre alte Kanadier auf dieser Position fest und verpasste erst zehn Pflichtspielminuten.

Mit seiner Schnelligkeit und Physis überzeugt er aktuell auf ganzer Linie und gibt Flick so zusätzliche Optionen in der Defensive. Für das hohe Pressing der Bayern scheint der Kanadier wie gemacht zu sein. "Aufgrund seiner Dynamik und Robustheit war er mehrmals eine Lebensversicherung", lobte ihn Flick im Wintertrainingslager in Doha.

Davies profitiert aktuell auch davon, dass mit Lucas Hernández und Niklas Süle zwei Innenverteidiger ausfallen und somit Linksverteidiger David Alaba innen aushilft. Weltmeister Hernández dürfte zeitnah wieder eine Option darstellen. Dass Davies der Leidtragende der Rückkehr des 85-Millionen-Neuzugang sein wird, ist keineswegs sicher.

Joshua Kimmich

Für Flick ist Joshua Kimmich "ein Musterbeispiel an Profi", wie der Trainer vor dem Schalke-Spiel erklärte. Kimmichs unbändiger Ehrgeiz imponiert dem Bayern-Trainer. Zudem spricht der 24-Jährige Probleme klar an, legt den Finger gerne in die Wunde.

Kimmich war zwar auch unter Kovac gesetzt, musste allerdings des Öfteren zwischen der Sechs und der Rechtsverteidigerposition hin und her wechseln. Kimmich selbst sieht sich eher im defensiven Mittelfeld.

Dort ist er unter Flick auch fest eingeplant. Auch deshalb verpflichtete der Rekordmeister mit Álvaro Odriozola einen weiteren Rechtsverteidiger – auf ausdrücklichen Wunsch Flicks.

Joshua Zirkzee

Als einer seiner ersten Maßnahmen führte er vier junge Talente an den Profikader heran, indem er sie mit den Profis trainieren ließ. Vor allem Stürmer Joshua Zirkee profitierte davon. Der 18 Jahre alte Niederländer kam vor der Winterpause zu zwei Kurzeinsätzen und sorgte mit je einem Treffer gegen den SC Freiburg und den VfL Wolfsburg für zwei wichtige Siege im Meisterkampf.

Flick ist bemüht, den Hype um Zirkzee nicht ausufern zu lassen. Mit Leon Dajaku debütierte gegen Wolfsburg ein weiterer Offensivakteur, der 18-Jährige wurde auch zum Rückrundenstart beim 4:0 gegen Hertha BSC eingewechselt.

Sarpreet Singh ist der Dritte im Bunde, der im Dezember seine ersten Profiminuten schnuppern durfte. Unter Flick ist der Nachwuchs so nah an der Profimannschaft wie lange nicht mehr. Im Gegensatz zu Dajaku und Singh dürfte Zirkzee auch in der Rückrunde eine Alternative bleiben. Die beiden anderen dürften, wenn sich die Verletzungssituation entspannt, wieder dauerhaft ins zweite Glied rutschen.

Verlierer unter Hansi Flick:

Philippe Coutinho

Der Brasilianer hatte einen schwierigen Start unter Flick. In den ersten vier Ligaspielen stand er nur einmal in der Startelf. Danach kam die Partie gegen Werder Bremen – und Coutinho spielte groß auf.

Der Offensivkünstler zeigte beim 6:1 gegen die Bremer, weshalb ihn die Bayern vom FC Barcelona ausgeliehen haben. Er lieferte sein mit Abstand bestes Spiel im Bayern-Dress ab, erzielte drei Treffer und legte zwei weitere auf.

Doch im Anschluss kam nicht mehr viel vom 27-Jährigen, gegen Schalke überzeugte Goretzka auf der Position im offensiven Mittelfeld, Coutinho wurde nur eingewechselt.

Die Bayern müssen sich bald entscheiden, ob sie die Kaufoption im dreistelligen Millionenbereich für Coutinho ziehen wollen. Ins System von Flick passt er derzeit noch nicht optimal rein.

Corentin Tolisso

Nach seiner gelungenen Debütsaison 2017/18 setzte ein Kreuzbandriss Corentin Tolisso fast die komplette vergangene Spielzeit außer Gefecht. In dieser Saison ist der Weltmeister zwar wieder fit, jedoch kaum ein Faktor in der Mannschaft. Das hat sich auch unter Flick nicht geändert.

103 Spielminuten in der Bundesliga bekam Tolisso seit der Amtsübernahme Flicks, dazu ungefähr ebenso viele in der Champions League. Im Dezember fiel er mit einer Muskelverhärtung einige Spiele aus.

Dazu gab der Franzose vor einigen Wochen Einblicke in sein Inneres. Gegenüber Le Parisien gab er zu, dass er sich weiterhin Sorgen um sein Knie macht. Um das Vertrauen in dieses zurückzugewinnen, bedarf es Spielpraxis, doch die bekommt er kaum, auch nicht unter Flick.

Fragezeichen:

Lucas Hernández

Der teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte hatte unter Flick bisher noch keine Möglichkeit, sich zu zeigen. Seit Ende Oktober fiel der Weltmeister nach eine Innenbandriss im Sprunggelenk aus. Hernández musste zusehen, wie sich Alaba und Davies auf Positionen festspielten, die er auch bekleiden kann.  

Doch jetzt rückt sein Comeback näher. Der 23-Jährige ist zurück im Teamtraining, könnte zeitnah wieder eine Option für Flick darstellen. Doch aktuell gibt es für den Bayern-Trainer kaum Gründe, die linke Seite seiner Abwehrreihe zu verändern. Sowohl Davies auf links als auch Alaba als linker Part der Innenverteidigung machten ihre Sache zuletzt überragend. Es ist zudem unwahrscheinlich, dass Flick mit zwei Linksfüßen in der Abwehrzentrale spielen lassen wird. Hinter der Rolle von Hernández unter Flick steht aktuell noch ein Fragezeichen.  

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